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StartseiteVerbrauchertippBesser genau nachrechnen06.08.2021

Solaranlage zum MietenBesser genau nachrechnen

Solar-Anlagen sind immer häufiger auf deutschen Dächern zu finden. Die eigene Solarstromproduktion wird mit Zuschüssen und günstigen Krediten gefördert. Eine Alternative: das Mieten der Anlage. Hier sollte aber genau nachgerechnet werden, ob sich das lohnt.

Von Stefan Römermann

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Häuser mit Solarmodulen auf dem Dach (picture alliance / Zoonar / Hans Engbers)
Solarmodule können auch gemietet werden (picture alliance / Zoonar / Hans Engbers)
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Beworben werden die Solar-Anlagen zur Miete meist als eine Art "Rundum-Sorglos-Paket", sagt Energie-Expertin Ines Rutschmann vom Verbraucherportal Finanztip.

"Die Firma wählt die Komponenten aus. Sie bestimmt, wann installiert wird, wie installiert wird. Sie kümmert sich um den Netzanschluss. Sie kümmert sich dann auch um den Service um die Anlage herum, will heißen: die Überwachung der Anlage und eine regelmäßige Wartung."

Das klingt verlockend – und es funktioniert in der Praxis meist auch ganz gut, sagt Finanztip-Expertin Rutschmann.

"Das Konzept ist bequem für den Anlagenbetreiber. Sagen wir es so. Er muss sich keine Gedanken über die Finanzierung machen, keinen Kredit aufnehmen. Er muss sich keine Gedanken machen, wie die Anlage aussehen soll, aus welchen Komponenten sie bestehen soll. Und er muss sich noch nicht einmal um dann um den Betrieb großartig kümmern."

Mieten einer Solaranlage ist recht teuer

Doch so viel Bequemlichkeit hat eben auch ihren Preis.

"Die Anlagen zur Miete sind deutlich teurer als wenn man selber investiert."

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Zwar werden monatlich erst einmal nur vergleichsweise überschaubare Summen fällig. Je nach Anlagengröße meist Beträge zwischen 100 und 300 EUR. Das allerdings über die gesamte Vertragslaufzeit. Und die ist extrem lang, warnt Rutschmann.

"Man bindet sich einfach mindestens für 15 bis 20 Jahre – und hat vor Ablauf dieser Fristen keine Möglichkeiten, da wieder rauszukommen."

Über die Vertragslaufzeit kommen so erstaunlich hohe Beträge zusammen. Die Verbraucherzentralen kennen beispielsweise Fälle in denen die gemietete Anlage unter dem Strich rund doppelt so teuer war wie eine selbst installierte Anlage, erzählt Lorenz Bücklein von der Verbraucherzentrale Sachsen.

"Also in dem konkreten Fall ist es tatsächlich so gewesen, dass der Mieter dann für eine Anlage im Wert von 7600 Euro am Ende halt mehr als 15.000 Euro bezahlt hat."

Beim Selbstkauf gibt es Fördermittel

In jedem Fall sollten Hausbesitzer solche Angebote sehr genau nachrechnen und überlegen, ob ihnen die Bequemlichkeit wirklich den jeweiligen Aufpreis wert ist. Denn wer eine Solaranlage selbst installieren lässt, kann dafür Zuschüsse und verbilligte Kredite bekommen, erinnert Verbraucherschützer Bücklein.

"Es gibt die Fördermöglichkeiten eben über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (Bafa). Das sind beides Institutionen, die dabei über bestimmte Programme halt Verbraucherinnen und Verbraucher beziehungsweise Hauseigentümer*innen fördern, wenn hier der Plan vorliegt, eine Solaranlage zu installieren."

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Problematisch sind offenbar oft die Berechnungen zur angeblichen Wirtschaftlichkeit der Solaranlagen in den Angeboten oder Produktprospekten. Häufig wird dort mit Strompreisen gerechnet, die über die nächsten 20 Jahren um jeweils drei bis vier Prozent steigen, warnt Finanztip-Expertin Ines Rutschmann.

"Wenn das aber nicht eintritt, wenn es zu diesen Strompreissteigerungen nicht kommt, dann geht auch die ganze Wirtschaftlichkeitsberechnung nicht auf."

Das Problem sind die hohen Zusatzkosten für die Miete der Solaranlage. Denn mit einer eigenen, selbst finanzierten Anlage könnten Verbraucher tatsächlich und auch ohne fragwürdige Rechentricks Geld sparen.

"Seit beinahe zehn Jahren spart man ganz einfach mit dem eigenen Solarstrom an Kosten, weil der eigene Solarstrom günstiger ist als der Strom, den man über das öffentliche Stromnetz bezieht. Das heißt, eine Photovoltaik-Anlage lohnt sich für fast jeden Haushalt."

Im Einzelfall könnte das auch mit einer gemieteten Solar-Anlage funktionieren. Hier sollten Interessenten aber besser vor dem Vertragsabschluss genau nachrechnen. Hilfe und Beratung bieten in solchen Fällen beispielsweise Energieagenturen oder die Energieberatungen der Verbraucherzentralen.

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