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StartseiteUmwelt und VerbraucherSonnenpower aus der Negev-Wüste02.09.2019

Solarthermie-KraftwerkSonnenpower aus der Negev-Wüste

Umweltschädliche Kohlekraftwerke sind für Israels Stromversorgung noch unverzichtbar, sollen aber in ein paar Jahren vom Netz gehen. Das Land setzt auf Erdgas und Sonnenenergie. In der Negev-Wüste wurde nun ein riesiger Solarpark eröffnet. Das Besondere: Die Energie kann sogar gespeichert werden.

Von Tim Aßmann

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Durch eine Rinne in der Solarthermie Kraftwerksanlage bei Ashalim in der israelischen Wüste Negev fährt ein Reinigungsfahrzeug, das die Spiegel putzt. (Tim Aßmann, ARD)
Die Anlage in der Wüste Negev besteht aus mehr als 16.000 Spiegeln (Tim Aßmann, ARD)
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Eine Maschine spritzt Wasser auf die Solarspiegel, dann kommen große Bürsten und machen die sogenannten Parabolrinnen sauber. Es muss viel geputzt werden. Mehr als 16.200 Parabolrinnen hat die Anlage - jede einzelne Rinne besteht aus 28 Spiegeln. Wir sind in der Nähe von Ashalim, einem kleinen Dorf in der israelischen Negev-Wüste. Auf rund 250 Hektar ist hier seit wenigen Monaten ein Teil der Zukunft der israelischen Stromversorgung in Betrieb. Zur offiziellen Eröffnung ist Energieminister Yuval Steinitz gekommen.

"Israel ist eine isolierte Energieinsel. Auf Zulieferung von außen, zum Beispiel aus Syrien, können wir nicht vertrauen. Noch vor fünf bis zehn Jahren wurde unser Strom vor allem mit Kohle und Diesel erzeugt. In ein paar Jahren werden es nur noch Erdgas und erneuerbare Energien sein."

Erdgas macht den Kohleausstieg möglich

Noch sind große an der Küste gelegene Kohlekraftwerke unerlässlich. Doch in einigen Jahren, konkreter wird der Minister nicht, sollen die Dreckschleudern endgültig vom Netz. Möglich machen das vor allem große Erdgasfelder vor der israelischen Küste, die künftig das Rückgrat der Stromversorgung des Landes bilden und auch noch lukrativen Export ermöglich sollen. Hinzu kommt für den heimischen Markt vor allem Strom aus Sonnenenergie. In Ashalim sind verschiedene Anlagen und Technologien mit unterschiedlichen Betreibern zusammengefasst, erklärt Didi Paz. Er ist Chef von Negev Energy. Die Firma betreibt das Parabolrinnenkraftwerk.

"An einem Ort werden vier verschiedene Solarprojekte mit drei Technologien mehr als 300 Megawatt sauberen Strom produzieren. Das ist einzigartig."

Das Kraftwerk wandelt auch die Sonnen-Hitze zu Strom

Didi Paz steht zwischen den endlos wirkenden, teils ein, zwei Kilometer langen Reihen mit den Parabolrinnen. Zwischen den Spiegeln läuft ein Rohr mit einem synthetischen Öl, das von der Sonne auf rund 400 Grad erhitzt wird und Dampf produziert, der wiederum eine Turbine antreibt.

"Photovoltaik nutzt das Licht der Sonne, Solarthermie nutzt die von der Sonne erzeugte Hitze. Das ist ein kleiner Unterschied mit vielen Folgen. Elektrizität zu speichern ist weiterhin sehr teuer. Hitze zu speichern, ist viel einfacher und diese Möglichkeit bietet uns die Solarthermie."

Mit der Hitze der Sonne, aber mit einer anderen Technologie, arbeitet eine zweite Anlage in Ashalim. Hier reflektieren Brennspiegel die Sonne auf einen Empfänger an der Spitze eines 260 Meter hohen Turms, dessen Licht gleißend strahlt und kilometerweit zu sehen ist. Von der Spitze des Turms wird die Hitze ebenfalls weiter gegeben und in Dampf umgewandelt.

In einer zweiten Anlage in Ashalimreflektieren Brennspiegel die Sonne auf einen Empfänger an der Spitze eines 260 Meter hohen Turms, dessen Licht gleißend strahlt und kilometerweit zu sehen ist. Von der Spitze des Turms wird die Hitze ebenfalls weiter gegeben und in Dampf umgewandelt. (Tim Aßmann, ARD)Eine zweite Anlage in Ashalim arbeitet mit einem über 250 Meter hohen Turm (Tim Aßmann, ARD)

Strom fließt auch, wenn die Sonne nicht scheint

Das Solarturm-Kraftwerk von Ashalim sieht spektakulär aus, ist aber wirtschaftlich im Nachteil gegenüber dem Parabolrinnenkraftwerk, denn dort kann die Energie gespeichert werden. Tagsüber erhitzt das Öl über einen Wärmetauscher eine spezielle zähe Salzflüssigkeit, die in den sogenannten Heißtank läuft. Was nach Sonnenuntergang passiert, erklärt Ingenieur Achian Trigger.

"Wir lassen das heiße Salz in den kalten Tank laufen - wieder durch den Wärmetauscher - und geben so die Hitze vom Salz zurück an das Öl."

So kann das Kraftwerk noch weitere fünf Stunden bei voller Leistung Strom liefern, ohne dass die Sonne scheint. Ziel ist die Versorgung rund um die Uhr. Das Parabolrinnenkraftwerk hat eine Leistung von 121 Megawatt. Knapp eine Milliarde Euro hat Negev Energy investiert und darf nun 25 Jahre einspeisen - zu einem garantierten Preis von umgerechnet 20 Eurocent pro Kilowattstunde. Mit dem Strom aus der Wüste soll der Anteil erneuerbarer Energien am israelischen Strommix schon im nächsten Jahr auf zehn Prozent erhöht werden.

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