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StartseiteUmwelt und VerbraucherSolarthermie steht im Schatten der Photovoltaik11.01.2012

Solarthermie steht im Schatten der Photovoltaik

Ein Vergleich der beiden Technologien

Photovoltaik boomt. Darüber gerät die Solarthermie oftmals in Vergessenheit. Dabei ist diese der ältere und seit Langem ausgereifte Zweig der Sonnenenergienutzung. Doch auf vielen Dächern ist nur Platz für eine Anlage.

Von Axel Rahmlow

Neben der Photovoltaik fristet die Solarthermie eher ein Schattendasein. (dlr.de)
Neben der Photovoltaik fristet die Solarthermie eher ein Schattendasein. (dlr.de)

Die Photovoltaik in Deutschland boomt seit Langem. Die Solarthermie hingegen wächst nur noch langsam, 2010 brach der Absatz sogar um rund 25 Prozent ein. Nach Angaben des BSW hat sich der Verkauf von solarthermischen Kollektoren zur Warmwasserbereitung zwar im gerade vergangenen Jahr wieder verbessert. Doch Stefan Bürk von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kommt trotzdem zu einer klaren Schlussfolgerung.

"Vor vielen Jahren war die Photovoltaik viel teurer als die Solarthermie und eine Spielerei. Heute hat sich das fast umgekehrt. Wenn ich betriebswirtschaftlich als Hausbesitzer mir das anschaue, sind photovoltaische Anlagen in den meisten Fällen besser als solarthermische Anlagen."

Der größte Vorteil der Photovoltaik: Der Gesetzgeber hat dafür gesorgt, dass sie langfristig eine sichere Rendite bringt. Denn wer selbst produzierten Solarstrom in das Stromnetz einspeist, bekommt 20 Jahre lang eine feste Vergütung pro gelieferte Kilowattstunde. Die bezahlt der Netzbetreiber, der sich das Geld dann von seinen Kunden wiederholt. Eine Vergütung gibt es auch, wenn der Strom selbst genutzt wird und nicht ins Netz kommt. Die Idee dahinter ist, dass dadurch die Stromnetze weniger belastet werden. Bei der Solarthermie dagegen erhält der Verbraucher nur einen einmaligen Zuschuss für die Anschaffung der Anlage.
Außerdem ist die Photovoltaik im Laufe der Jahre immer günstiger geworden. Bedingt durch den Wettbewerb und die Weiterentwicklung haben sich die Anlagenpreise in den letzen fünf Jahren halbiert. Philippe Welter vom Fachmagazin "Photon" titelte deswegen sogar schon: "Solarthermie vor dem Untergang."

"Die Solarthermie kann nur genau eine Sache machen: Sie kann warmes Wasser für die Brauchwassernutzung oder die Heizung liefern. Die Photovoltaik kann alles. Sie liefert Strom und aus Strom kann ich alles andere machen. Unter Verwendung einer Wärmepumpe auch Wärme. Also der Strom ist hier einfach das universellere Mittel."

Dieses Argument will Ulf Blieske von der Fachhochschule Köln jedoch nicht gelten lassen. Der Professur für Regenerative Energien rechnet zumindest bei der Erzeugung von Wärme mit ähnlich hohen Kosten.

"Die Solarthermie hat natürlich weiterhin ihre Berechtigung, egal wie billig die Photovoltaik ist. Es ist immer noch effizienter und so billig kann die Photovoltaik gar nicht werden, um das zu kompensieren."

Das bestätigt Bernhard Weyres-Borchert, Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. Das Sonnenlicht werde bei der Photovoltaik zu maximal zehn Prozent in Strom umgewandelt. Bei der Solarthermie entsteht aus etwa 30 Prozent des Lichts Wärme. Und er sieht einen weiteren, langfristigen Vorteil.

"Es ist ja anzunehmen, dass die Brennstoffe teurer werden, das heißt, ich spare auf der einen Seite Öl oder Gas und letztendlich auch Strom ein. Da bietet die Solarthermie Lösungen, die dauerhaft garantierte Energiepreise garantieren. Denn es ist ja kein Geheimnis, dass die Sonne in den nächsten fünf Milliarden Jahren keine Rechnung schreiben wird."

Die Gesellschaft für Sonnenenergie sieht deshalb keine Konkurrenz zwischen den beiden Technologien. Norbert Behr von der Firma Energiebau aus Köln plädiert deswegen auch für eine Kombination.

"Der ökologisch sinnigere Weg ist es, erst einmal eine solarthermische Anlage zu bauen und dadurch Strom zu sparen. Die Thermie ermöglicht Geräte zu benutzen die von sich aus schon elektrische Energie benötigen. Waschmaschine bringt Wasser auf Temperatur. Hier wird zusätzliche elektrische Energie gespart. Und dann kann man sich im Anschluss für Photovoltaik entscheiden. Es gibt viele Interessenten die beide Technologien gleichzeitig einsetzen."

Ganz so drastisch wie im Magazin "Photon" beschrieben, scheint die Lage für die Solarthermie also noch nicht zu sein. Es gibt beim jetzigen Entwicklungsstand immer noch einige Vorteile gegenüber der Photovoltaik, so sehr die auch auf dem Vormarsch ist.

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