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StartseiteCorso"Ich war auf meine Art ein Gefahrensucher"04.10.2019

Soldaten-Thriller "Rubicon" von Kai Havaii "Ich war auf meine Art ein Gefahrensucher"

In seinem ersten Roman "Rubicon" erzählt der Extrabreit-Sänger von einem ehemaligen Bundeswehrsoldaten, der zum Auftragsmörder wird. Für die Recherche traf er mehrere Afghanistan-Veteranen. Ihn und seine Hauptfigur verbinde die Faszination für gefährliche Situationen, sagte der Autor im Dlf.

Kai Havaii im Corsogespräch mit Fabian Elsäßer

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Bundeswehrsoldaten stehen vor ihrem Fahrzeug in Afghanistan im Oktober 2012. (imago/EST&OST)
Ein Teil von Kai Havaiis Thriller "Rubicon" spielt während des Bundeswehr-Einsatzes in Afganistan (imago/EST&OST)
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Auf den ersten Blick überrascht es vielleicht, dass ein Künstler, der aus der Punk- und Sponti-Szene stammt, ein so detailliertes Bild des militärischen Alltags zeichnet, aus dem auch Verständnis für Soldaten spricht. Das liege daran, dass sowohl sein Großvater als auch sein Vater Weltkriegsteilnehmer gewesen seien, worüber in der Familie aber nie gesprochen worden sei, sagte Havaii im Corsogespräch: "Ich wollte wissen, was Soldaten traumatisiert, terrorisiert und motiviert."

Erhellende und erschütternde Begegnungen mit Veteranen

Für eine möglichst präzise Schilderung von Auslandseinsätzen traf Havaii während der Recherche zum Buch mehrere Soldaten mit Afghanistan-Erfahrung. Diese Gespräche seien sehr wichtig, sehr erhellend, aber auch sehr erschütternd gewesen, da manche Veteranen wegen ihrer Erlebnisse immer noch in psychologischer Behandlung seien. "Ich habe dadurch mehr Verständnis für die Soldaten gewonnen." Den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr hat Kai Havaii nach eigenen Worten aber immer mit großer Skepsis gesehen.

Ein gescheiterter Einsatz

Das "Nation Building" nach dem Vorbild westlicher Demokratien habe offensichtlich nicht funktioniert, Afghanistan sei immer noch ein korruptes Land im Bürgerkrieg. "Dieser ganze Einsatz war, man muss es ganz klar sagen: umsonst", findet der Thriller-Autor.

Es gibt übrigens Parallelen zwischen der Hauptfigur des Romans und dem früheren Kriegsdienstverweigerer Kai Havaii: Den "Thrill", den viele Soldaten angesichts gefährlicher Situationen empfänden, habe er beispielsweise beim Drogenkonsum erlebt. "Ich war auf meine Art ein Gefahrensucher."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Kai Havaii: "Rubicon"
Rütten & Loening Berlin, 2019. 572 Seiten, 14,99 Euro.

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