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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Spur des Geldes zur Fußball-WM 200606.08.2019

Sommermärchen-SkandalDie Spur des Geldes zur Fußball-WM 2006

Gegen die ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger und Ex-DFB-Generalsekretär Horst Schmidt hat ein Gericht in der Schweiz Anklage erhoben. Ihnen wird Betrug in Mittäterschaft vorgeworfen. Wer sich davon Aufklärung erhofft, sollte besser abwarten, meint Marina Schweizer.

Von Marina Schweizer

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Der Vizepräsident des Organisationskomitees für die FIFA-WM 2006, Wolfgang Niersbach, DFB-Präsident Theo Zwanziger, der Präsident des Organisationskomitees für die FIFA-WM 2006, Franz Beckenbauer und DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt (picture alliance / dpa)
Gemeinsam zum Ziel, doch wie? W. Niersbach (1. v. l.). T. Zwanziger (2. v. l.) und H. R. Schmidt (r.) (picture alliance / dpa)
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Was interessiert Sie, lieber Hörerinnen und Hörer, an der sogenannten Sommermärchen-Affäre? Was ist die Frage, die Sie sich stellen, seit der Skandal ein Skandal wurde vor fast 4 Jahren?

Für viele ist es damals wie heute die gleiche: Was war der wirkliche Grund für die dubiosen Millionenzahlungen im Vorfeld der Fußball-WM 2006? Jetzt kommt eine bittere Pille für die, die noch auf Antworten gehofft haben: Sie werden es – zumindest durch die Schweizer Justiz – vermutlich nicht mehr erfahren.

Dabei ist die Frage - wofür war das Geld – die wichtigste von allen. Schon allein deshalb, weil der Vorgang an sich gruselig daher kommt: Franz Beckenbauer bekommt einen Kredit in Höhe von 6,7 Millionen Euro – von Ex-Adidas-Chef Robert Luis-Dreyfus. Das Geld fließt auf Konten eines der berüchtigtsten Funktionäre des Weltfußballs: Des Katarers Mohammed Bin Hammam, inzwischen vom Weltfußballverband lebenslang gesperrt. Drei Jahre später wird die Summe an Luis-Dreyfus zurücküberwiesen - allerdings nicht von Beckenbauer, sondern vom Konto des WM-Organisationskomitees und über den Fußball-Weltverband FIFA. Getarnt als Beitrag für die WM-Auftaktveranstaltung.

Die zentrale Figur fehlt

Nach gut dreieinhalb Jahren kommt es jetzt zur Anklage. Aber: Zu früh gefreut, wer auf umfassende Aufklärung hoffte. Denn mindestens zwei wesentliche Punkte stehen dem im Weg: Die zentrale Figur bleibt außen vor – das Verfahren gegen Franz Beckenbauer, den ehemaligen Chef des WM-Organisationskomitees, wurde abgetrennt. Sein Gesundheitszustand lasse eine Teilnahme oder Vernehmung bei der Hauptverhandlung nicht zu.

Und: Der Tatbestand Geldwäscherei wurde fallen gelassen. Damit hätte man der Frage nach dem Grund auf die Schliche kommen können. Wofür war denn das Geld nun? Vielleicht sogar Privatgeschäfte von Franz Beckenbauer, die am Ende mit WM-Geldern getilgt wurden? Das wird wohl offen bleiben.

Stattdessen kapriziert man sich jetzt auf den mutmaßlichen Betrug bei der Rückzahlung. Also, zum Beispiel: Ist der Deutsche Fußballbund über den eigentlichen Zweck der Zahlung getäuscht worden? Wahrlich nicht die Frage, die nach Jahren der Ermittlung an oberster Stelle steht.

Zwielichtige Haltung der schweizer Justiz

Das ist enttäuschend und dünn. Die Anklage stellt an diesem Tag abermals die Schweizer Bundesanwaltschaft, die Schweizer Justiz insgesamt ins Zwielicht, die sich schon seit Jahren den Vorwurf zu großer Milde gegenüber den ansässigen Sportverbänden anhören muss. Gerade erst musste man einen Bundesanwalt von einem Verfahren gegen den Fußball-Weltverband abziehen – wegen geheimer Treffen mit dem FIFA-Boss.

Am Ende ihrer heutigen Mitteilung schreibt die Bundesanwaltschaft: Man könne mit der Anklageerhebung die Ermittlungen zu einem der bedeutendsten Verfahren zum Untersuchungskomplex Fußball abschließen. Damit ist sie vielleicht selbst zufrieden. Der kritische Zuschauer kann es bei diesem Ergebnis nicht sein.


Marina Schweizer (privat)Marina Schweizer (privat)Marina Schweizer
 studierte Kommunikationswissenschaft und Geschichte in München, längere Auslandsaufenthalte in Alaska/USA. Während und nach dem Studium arbeitete sie als freie Reporterin u. a. für den SWR-Hörfunk, bevor sie ein crossmediales Volontariat bei Deutschlandradio absolvierte. Nach einem Jahr als Junior-Redakteurin in den Redaktionen Sport und Zeitfunk arbeitet sie heute beim Deutschlandfunk als Redakteurin und Moderatorin in der Sportredaktion und als Moderatorin im "Zeitfunk".

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