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StartseiteSpielweisenDie besondere Klangfülle von Christa Ludwig07.03.2018

Sondereditionen zum 90. GeburtstagDie besondere Klangfülle von Christa Ludwig

Anlässlich des 90. Geburtstags der Opernsängerin Christa Ludwig erscheinen gleich zwei große Boxen mit Aufnahmen dieser beeindruckenden Stimme. "The Complete Recitals" und "The Christa Ludwig Edition" setzten dabei jeweils andere Schwerpunkte.

Von Dieter David Scholz

Die Mezzosopranistin Christa Ludwig (Angus McBean)
Die Mezzosopranistin Christa Ludwig (Angus McBean)

Christa Ludwig hatte, was man eine "schöne Stimme" nennt. Schon mit 17 stand sie erstmals singend auf der Bühne. Das Singen wurde Ihr buchstäblich in die Wiege gelegt: Von ihrer Mutter, der Altistin Eugenie Besalla Ludwig, wurde sie schon als Kind unterrichtet. Mit 18 debütierte Christa Ludwig an der Oper Frankfurt. Sie war 27, als Karl Böhm sie an die Wiener Staatsoper holte, das war 1955. Von da an war die Ludwig ein Star. Sie sang in aller Welt und für die Schallplatte. Zunächst für die EMI. Diese EMI-Archivschätze der Ludwig hat das Label Warner Classics nun gehoben. Auf den elf CDs finden sich vor allem die frühen, in den Londoner Abbey Road Studios aufgenommenen Rezitals mit Liedern unter anderem von Schubert, Schumann, Brahms und Hugo Wolf.

Musik: Hugo Wolf, "Gesang Weylas"

Während die Warner Edition ihren Fokus auf Lieder legt, hat Christa Ludwig bei der Deutschen Grammophon vor allem bei Operngesamtaufnahmen mitgewirkt. Mit ihnen trumpft die Christa Ludwig Edition der Grammophon auf. In ihr kann man die Mezzosopranistin unter anderem als betörend schön­stimmige Brangäne im Bayreuther Live-Tristan unter Karl Böhm aus dem Jahre 1966 hören.

Musik: Richard Wagner, "Einsam wachend in der Nacht" aus "Tristan und Isolde"

Eine gefragte Frau

Christa Ludwig war über Jahrzehnte eine der gefragtesten Sängerinnen weltweit. Doch die gebürtige Berlinerin empfand sich nie als eine Primadonna. "Man muß sich ganz anders bewegen, man muss bewundert werden wie ein Kalb mit zwei Köpfen", sagt die Sängerin. Das war nichts für Christa Ludwig. Sie blieb immer eine bodenständige Frau, die sagte, was sie dachte, die keinerlei Allüren kannte und dennoch für den Schönklang ihrer Stimme äußerst diszipliniert lebte. Instinkt und Intuition ersetzten bei ihr Intellekt. Emotion war ihr das Wichtigste. Und ihr Repertoire war enorm. Es reichte von Mozart über Verdi und Puccini bis zu Richard Wagner und Richard Strauss. Christa Ludwig ging dabei gerne bis ans Limit.

"Ich hab in meinem Leben immer wieder alles probiert und wenn's dann nicht geklappt hat, dann bin ich halt wieder zurück gegangen."

Musik: Richard Strauss, "Barak, mein Mann" aus "Die Frau ohne Schatten"

Zur Oratoriensängerin prädestiniert

Christa Ludwig verfügte über eine seltene Klangüppigkeit im Mezzo- und Alt­re­gister, ver­bunden mit einer strahlenden hohen Lage. Das machte es ihr möglich, das drama­tische Sopranfach zu singen. Sie hatte ein unverwechselbares, sinnlich chan­gierendes Timbre. Ihre präzise Textverständlichkeit und ihre Kunst des differen­ziertesten stimmli­chen Aus­drucks bis in die kleinsten psy­cho­logischen Nuancen hinein prädestinierte sie zur Lied- und Oratoriensängerin. In der Grammophon Edition gibt es immerhin einige Arien aus Bach-Messen und Passio­nen, unter anderem aus einer raren Aufnahme der Matthäuspassion mit den Berliner Philharmonikern und Herbert von Karajan.

Musik: Johann Sebastian Bach, "Erbarme Dich, mein Gott" aus "Matthäuspassion"

Einer der konkurrenzlosen Höhepunkte der Warner Edition ist die Aufnahme des "Lieds von der Erde" mit Fritz Wunderlich und Otto Klemperer am Pult des New Philhar­monia Orchestra. Sie gilt längst als Referenzaufnahme und ist der Karajan-Aufnahme der Deutschen Grammophon vorzuziehen.

Musik: Gustav Mahler, "Abschied" aus "Das Lied von der Erde"

Abschied im Vollbesitz der Stimme

1994 verab­schiedete sich Christa Ludwig von der Bühne. Ganz unsen­timental. Und noch im Vollbesitz einer wunderbaren Stimme.
Mit der Klytämnestra in Straussens "Elektra" und mit Schuberts "Winterreise" zog sie sich von Bühne und Konzertsaal zurück. Beide "Abschiedsstücke" enthält die Grammophon-Edition, die außerdem noch mit interessanten Inter­views mit Christa Ludwig punktet. Sie darf - auch wenn Warner mit den exqui­siten frühen Lied­rezitals auf­warten kann, als unterm Strich repräsentativer gelten, da sie die "ganze" Ludwig, die fulminante Opern- und Liedersängerin, würdigt.

Musik: Franz Schubert, Der Lindenbaum aus "Die Winterreise"

The Christa Ludwig Edition
Deutsche Grammophon
028947987079

Christa Ludwig - The Complete Recitals on Warner Classics
Warner
0190295690205

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