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StartseiteWirtschaft und GesellschaftTrump will Indien und Türkei Vorteile beim Handel nehmen05.03.2019

SonderhandelsstatusTrump will Indien und Türkei Vorteile beim Handel nehmen

Die USA wollen Indien und der Türkei den Status als Entwicklungsländer aberkennen. Von besonderen Handelsbedingungen würden sie danach nicht mehr profitieren. Es gibt jedoch keine eindeutige, international gültige Definition dafür, was ein Entwicklungs- oder Schwellenland ist.

Von Brigitte Scholtes

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Kolkata, Indien, Containerhafen, 20. Mai 2017. Kolkata zählt zu den internationalen Häfen Indiens. (picture alliance / NurPhoto / Debajyoti Chakraborty)
Indien und die Türkei exportieren seit den 70er-Jahren Waren zu Sonderkonditionen (picture alliance / NurPhoto / Debajyoti Chakraborty)
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Eine eindeutige, international gültige Definition, nach denen ein Land als Entwicklungs- oder Schwellenland einzuordnen wäre, gibt es nicht. Es gibt allerdings einige Kriterien, erklärt Henning Vöpel, Präsident des HWWI, des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts:

"Man kann sagen, das sind Länder mit sehr geringem Entwicklungsniveau. Man misst das typischerweise am Einkommensniveau, auch die Lebenserwartung spielt eine Rolle, die Versorgung, die Analphabetenquote, das sind so Kriterien, die man nutzen kann, um ein Schwellenland oder ein Entwicklungsland zu definieren. Aber es gibt international keine einheitliche Definition. Die WTO benutzt eine, dort werden Länder als Entwicklungsländer klassifiziert, um dann Sondervergünstigungen im internationalen Handel zu bekommen."

Verschiedene Organisationen haben eigene Kriterien

Doch nicht nur die WTO, die Welthandelsorganisation, versucht da zu klassifizieren. Auch der Internationale Währungsfonds hat seine eigenen Kriterien. Interessant ist auch noch der Unterschied zwischen Entwicklungs-  und Schwellenländern, da besagt eine Definition, dass die wirtschaftliche Leistung recht stark wächst, die soziale Entwicklung und die politischen Strukturen jedoch noch nicht mithalten. Kennzeichnend für ein Schwellenland ist nach Ansicht von Klaus-Jürgen Gern, Ökonom am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, auch ein weiteres Kriterium:

"Wenn in diesen Ländern dann Mittelschichten entstehen, dann ist das durchaus schon ein Kennzeichen von einem Schwellenland. Wenn die Einkommensverteilung so ist, das es nur eine sehr kleine Oberschicht gibt und dann nichts mehr dazwischen, dann würde man wohl von einem Entwicklungsland sprechen."

Diese Klassifizierung als Entwicklungs- oder Schwellenland ist für diese Länder vor allem von Bedeutung, weil sie im internationalen Handel eine Sonderstellung einnehmen. Welche, das erklärt Henning Vöpel vom HWWI:

"Solche Länder haben besonders günstige Bedingungen, was deren Exporte in Industrieländer betrifft. Und damit sind zum Teil sind auch Schutzzölle für Importe verbunden, sodass man eigene Industrien, die noch nicht genügend entwickelt sind, dann für eine Zeit lang schützen kann. Dahinter steht natürlich die Vorstellung, dass man den internationalen Handel nutzen kann, um diese Länder nochmal stärker zu entwickeln."

Keine Vergünstigungen mehr für Indien und die Türkei

Genau daran stößt sich jetzt der amerikanische Präsident Donald Trump, weil Indien die Bedingungen für ausländische Onlinehändler wie Amazon oder Kreditkartenanbieter verschärft hat. Diese Sondervergünstigungen gegenüber Indien als auch der Türkei bestehen seit den 70er-Jahren. Trump habe da wohl die Möglichkeit, diese zurückzunehmen, glaubt Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft der Dekabank:

"Dadurch, dass es sich ja um einstmals freiwillig gewährte, zusätzliche Vergünstigungen handelt, die kann man dann schon etwas leichter mal zurücknehmen. Das ist noch nicht wie in bestehenden Freihandelsvereinigungen sozusagen Strafzölle zu verhängen. Insoweit glaube ich, dass er hier, zumindest was die WTO anlangt, auf einer etwas besseren Seite steht, als das vielleicht bei Stahl und Aluminium oder bei Automobil wäre oder den Streit eben auch mit China."

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