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StartseiteKommentare und Themen der WocheKeine Freiheitsprämie für Einzelne28.12.2020

Sonderrechte nach Corona-Impfung?Keine Freiheitsprämie für Einzelne

Eine Corona-Schutzimpfung sei ein solidarischer Beitrag dafür, dass die gesamte Gesellschaft zur Normalität zurückkehren könne, kommentiert Christine Westerhaus. Sonderrechte für Geimpfte dürfe es dabei nicht geben. Dagegen sprächen ethische, aber auch wissenschaftliche Gründe.

Ein Kommentar von Christine Westerhaus

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Ein Mitarbeiter vom Impfzentrum hält eine Spritze mit dem Covid-19-Impfstoff in der Hand. Das Impfzentrum Bremen in der Messehalle 7 hat den Betrieb aufgenommen. (dpa / Vladimir Gerdo)
Ein Mitarbeiter vom Impfzentrum Bremen hält eine Spritze mit dem Covid-19-Impfstoff in der Hand (dpa / Vladimir Gerdo)
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Sollten Geimpfte Sonderrechte bekommen und wenn ja, welche? Diese Frage ist aus ethischer Sicht zurecht umstritten. Natürlich trägt jeder und jede Geimpfte dazu bei, dass wir als Gesellschaft Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehren können. Und sicher: Impflinge nehmen ein gewisses Risiko auf sich, dass der Piks womöglich ungewöhnliche Nebenwirkungen hervorruft, die in den klinischen Studien nicht aufgetreten sind. Auch wenn Wissenschaftler diese Gefahr als sehr gering einschätzen. Man könnte es also für gerechtfertigt halten, diesen Menschen mehr Freiheiten zu genehmigen, als Nicht-Geimpften. Doch dieses Argument würde erst gelten, wenn alle Menschen dieselbe Chance auf Sonderrechte hätten. So lange eine Impfung nicht allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich ist, würden diejenigen bestraft, die aufgrund ihres Alters, ihres Berufs oder mangels Vorerkrankungen noch nicht an der Reihe sind.

Wissenschaftlich sind noch Fragen offen

Neben ethischen gibt es aber auch wissenschaftliche Argumente, die klar dagegen sprechen, dass Geimpfte einen Freifahrtschein für Auslandsreisen bekommen oder Abstandsregeln ignorieren dürfen. Denn bislang haben die klinischen Studien, in denen die Wirksamkeit des Impfstoffs getestet wurde, nur gezeigt, dass Geimpfte vor einer Covid-19-Erkrankung geschützt sind. Ob sie andere Menschen nicht mehr anstecken können, ist unklar. Gleichzeitig ist ungewiss, wie lange der Impfschutz anhält. Dass er wie bei einer Impfung gegen die Masern ein Leben lang besteht, halten Wissenschaftler für unwahrscheinlich. Manche Forschende vermuten sogar, dass die Impfung einmal jährlich aufgefrischt werden muss. Wie lange also könnten Sonderrechte für Geimpfte gelten und wie sollte man diese kontrollieren?

Nicht mit einer Freiheitsprämie locken

Doch selbst wenn diese Fragen geklärt sind, gibt es vieles, was gegen besondere Freiheiten für Geimpfte spricht: Wer eine Impfung aus Angst vor Nebenwirkungen oder allergischen Reaktionen ablehnt, könnte sich unter Druck gesetzt fühlen. Es wäre eine Impfpflicht durch die Hintertür. Und ein solches Unterfangen würde weiteres Wasser auf die Mühlen der Impfgegner und Verschwörungstheoretiker gießen. Argwöhnen diese doch schon jetzt, dass die Regierung absichtlich Corona-Panik verbreitet, damit Politiker die Freiheitsrechte der Menschen einschränken und diese zu einer Impfung zwingen könnten. Besser wäre es also, die Menschen davon zu überzeugen, dass Impfungen sinnvoll und sicher sind. Und dass jeder und jede Geimpfte einen solidarischen Beitrag dafür leistet, dass wir als Gesellschaft zur Normalität zurückkehren können. Ein Kuhhandel, bei der die Regierung mit einer Freiheitsprämie für Einzelne lockt, wäre der falsche Weg.

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