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StartseiteGesichter EuropasWie Großkonzerne in Polen Steuern sparen11.08.2018

SonderwirtschaftszonenWie Großkonzerne in Polen Steuern sparen

14 "Industrieparks mit Sonderkonditionen" gibt es in Polen, dazu hunderte Unterzonen - meist in strukturschwachen Regionen: Riesige Hallen, in denen vor allem ausländische Unternehmen produzieren. Steuern und Lohnkosten sind niedrig, die Infrastruktur günstig.

Von Ernst-Ludwig von Aster und Anja Schrum

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US Internet shop Amazon WRO2 distribution center in Wroclaw, Poland, March 18, 2015. Amazon already opened three new distribution centers in Europe. The company plans to open this year the only one center in Czech Republic in Dobroviz near Prague. (CTKxPhoto/MartinxSterba) (imago/CTK)
"Hart arbeiten. Spass haben. Geschichte schreiben." Das Distributionszentrum von Amazon im polnischen Wroclaw. Die Ansiedlung ausländischer Firmen wird in Sonderwirtschaftszonen in Polen vom Staat bezuschusst. (imago/CTK)
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Sonderwirtschaftszonen in Polen Am Tropf der Weltkonzerne

Klingt gut. Doch viele Kritiker sehen das anders: Niedrige Löhne, monotone Fließbandarbeit, unsichere Verträge und eine Wertschöpfung, die ins Ausland abwandert. Obwohl die regierende nationalkonservative PiS-Partei gerne mit harschen Worten gegen die "ausländische Übermacht" im Land wettert, hat sie nun die Sonderwirtschaftszonen auf das ganze Land ausgeweitet.

Im Herbst sind Kommunalwahlen in Polen, und die Städte und Gemeinden sind die letzte Bastion der Opposition. Das will die PiS ändern. Außerdem ist der Führung in Warschau bewusst, dass ohne die Unterstützung ausländischer Investoren das fulminante Wirtschaftswachstum des Landes nicht aufrechtzuerhalten ist. Verlierer dieses Strategiewechsels könnten die Städte in strukturschwachen Regionen werden – zum Beispiel in Niederschlesien.

Eine Reportage in fünf Teilen aus der Gegend um Walbrzych.

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