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StartseiteSonntagsspaziergangSonniges Hiddensee04.09.2011

Sonniges Hiddensee

Meteorologe Stefan Kreibohm liefert Wetterberichte von der Insel

Auch wer noch nie auf der Insel Hiddensee war, kennt viele Orte dort vom Sehen: Der Leuchtturm am Dornbusch oder das kleine Hafenbecken im Ort Kloster tauchen regelmäßig in Beiträgen des ARD-Wetterstudios Hiddensee auf.

Von Gisela Jaschik

Der Leuchtturm auf Hiddensee ist ein beliebtes Motiv für die Fernsehbeiträge von NDR-Wettermann Stefan Kreibohm.
Der Leuchtturm auf Hiddensee ist ein beliebtes Motiv für die Fernsehbeiträge von NDR-Wettermann Stefan Kreibohm.

In Schaprode auf Rügen nimmt der weiße Fährdampfer "Gellen" schon frühmorgens Ausflügler und Urlauber an Bord. Und einen Mann, der arbeiten muss. Der Meteorologe Stefan Kreibohm ist auf dem Weg zum Dienst in der Wetterstation Hiddensee - dem schönsten Arbeitsplatz in Deutschland, oder?

"Zumindest einer der Schönsten. Aber die Betonung liegt natürlich auf Arbeitsplatz. Und deshalb hat man nicht soviel davon. Aber man genießt es trotzdem."

Schemenhaft grün taucht die Insel am Horizont auf. Schmal und lang gestreckt, wie ein Seepferdchen. In Kopfhöhe liegt Kloster, das älteste der vier Inseldörfer. Das Wetterstudio ist gleich am Anleger zu finden. In der oberen Etage der Hafenmeisterei.

Meteorologe Stefan Kreibohm arbeitet im ARD-Wetterstudio auf der Insel Hiddensee. (Von Gisela Jaschik)Meteorologe Stefan Kreibohm arbeitet im ARD-Wetterstudio auf der Insel Hiddensee. (Von Gisela Jaschik)Der Meteorologe teilt sich den Dienst mit zwei Kollegen. Die Zwölf-Stunden-Schichten - sechs bis acht Tage hintereinander - schiebt jeder von ihnen allein in der Mansarde unterm Reetdach: Jede Menge Computer, Zettelwirtschaft mit Kurven, Diagrammen und Zahlen - auch auf dem Fußboden. Ein halbes Dutzend Monitore zeigt pausenlos aktuelle Satellitenbilder in bunten Regenbogenfarben. Für Laien sehen sie aus wie schöne Aquarelle.

Die Meteorologen können in ihnen lesen und erkennen jede noch so winzige Veränderung. Damit Radiohörer im Norden schon frühmorgens wissen, ob sie Schirm und Gummistiefel brauchen, klingelt im spartanischen Schlafraum neben dem Wetterstudio der Wecker gegen halb fünf:

"Man fällt aus dem Bett an den Schreibtisch dann. Erster Bericht muss
kurz vor fünf da sein beim NDR. Und dann werden am laufenden Band
neue Berichte geschrieben. Alle drei Stunden. mindestens. Zwischendurch
Wettergespräche mit Hannover oder mit Schwerin oder auch mit Bremen.
Das geht den ganzen Tag so."

Mehr als ein Dutzend Wettervorhersagen, Wetterschauen und Live-Wettergespräche liefern die Meteorologen im Laufe des Tages aus ihrer Mansarde. Jetzt müsse er sich ranhalten, sagt Stefan Kreibohm: Wetterkarten studieren. Fürs tägliche Nordmagazin von NDR-Mecklenburg-Vorpommern. Wettermann Kreibohm hat keine Zeit für Strandexpeditionen. Er muss jetzt los, um seine Fernsehaufnahme für das Nordmagazin zu machen. Wohin geht's denn heute?

"Das hab ich mich auch schon gefragt. Der Leuchtturm wäre mal wieder
fällig. Aber wenn der Himmel zu weiß ist, sieht das blöd aus mit dem
weißen Leuchtturm und dem weißen Himmel im Hintergrund. Mal gucken, wie die Lage so ist."

Stefan Kreibohm steht am Dienstfahrrad. Er verstaut das große Stativ im Anhänger. Kamera, Mikrofon und den unvermeidlichen riesigen grauen Puschel trägt er im Rucksack auf dem Rücken - wendet sich zum Bootssteg, hält Ausschau und - hat ihn gefunden: den fotogenen Bildausschnitt:

"So, Bootssteg, das ist ja ein Motiv, maritimer geht's ja gar nicht. Segelboote, Kutter -toll!"

"So, jetzt seh ich mich ja im Umgeklappten. Jetzt kommt der Puschel, der WuWu, der gleiche wie bei Alfonse. Ein bisschen schick machen, das Resthaar sitzt. So, denn geht dat los ... "

Eine Minute und 30 Sekunden lang berichtet Stefan Kreibohm über das Wetter der Region. Auswendig und locker, ohne Manuskript. Kein Problem, wenn man schon den ganzen Tag über Wetterprognosen gebrütet hat, sagt er während er an der Kamera noch rasch die Länge kontrolliert. Ein paar Feriengäste beobachten die Szenerie aus der Entfernung. Ein Motorboot tuckert in den Hafen.

Sieben Minuten dauert es anschließend, den Film ins Funkhaus zu überspielen, erklärt Kreibohm. Die Außendrehs mag der 41-Jährige, der sich selbst "komplett wetterverrückt" nennt, besonders:

"Es kann nicht mistig genug sein das Wetter. Das Hauptproblem ist
eigentlich die Technik. Man macht sich immer mehr Sorgen um die
Technik als um sich selbst. Weil, ich stell mich da hin. Kann Windstärke
15 sein und schütten, das ist mir alles egal. Aber die Technik muss es
überleben."

So richtig im Wetter zu sein, mache einfach viel mehr Spaß als nur trocken die
Wetterkarte hinter sich zu kommentieren, sagt Stefan Kreibohm. Lieber verlässt er mal den festen Boden unter den Füßen:

"Denn sitzt man so da und denkt: Wo könnte ich heute hinfahren? Und
dann steht hier unten grad ein Wassertaxi, einmal sogar in voller Fahrt
fürs Nordmagazin, as war dann der schnellste Wetterbericht der Welt
sozusagen."

Hinterm Schilf, am Ende des Stegs liegt "Willi" - eine ehemalige Hafenbarkasse aus Hamburg. Gekauft und umgebaut zur urigen Fischbarkasse von Hubert Thürke, dem letzten Berufsfischer von Kloster. Der Mann mit den vielen Lachfältchen schiebt seine Schiffermütze in den Nacken:

"Wir hören ja meistens den See-Wetterbericht. Uns ist es egal, ob`s regnet oder schneit. Hauptsache kein Wind, ne!"

Doch maritimer Hintergrund für das Wetter im Nordmagazin zu sein, das gefällt Hubert Thürke ganz gut:

"Na ja, manchmal ja! Mit Stefan. Wenn er dat so aufnimmt, den Wetterbericht, und der Kutter ist da drauf, dann rufen sie mir an: Du, wir haben Deinen Kutter gesehen. Och, Urlauber und die hier in der Gegend, die hier Urlaub machen. Na ja, mir is dat egal."


Später am Fähranleger erzählt eine ältere Hiddenseerin, wie sie sich täglich über den Draußen-Wetterbericht von ihrer Insel freut. Ganz egal wie das Wetter wird:

"Klar, Herr Kreibohm - er weiß nur nicht von seinem Glück - gehört sozusagen zu unserer Familie. Oder der andere, Herr Globig, auch. Manchmal sind ja auch Damen dabei. Ach, das ist schon schön. Wenn man sie runterkommen sieht, würde man gern sagen: Guten Tag Herr Kreibohm. Man traut sich aber nicht. Sagt man ja auch nicht."

Die kleine Insel in der Ostsee ist ein Platz an der Sonne. Nicht nur gefühlt, sondern auch gemessen. Stefan Kreibohm, der Wettermann von Hiddensee kann es belegen:

"Seitdem wir hier messen, haben wir festgestellt, dass die Insel Hiddensee nicht unbedingt immer auf Platz eins, aber immer unter den Top Ten ist. Und diese sonnigsten Orte sind immer die Gleichen. Es ist immer die Region von Fehmarn rüber, über den Darß, bis nach Hiddensee und Rügen. Der Bereich ist Jahr für Jahr die sonnigste Ecke von Deutschland."

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