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StartseiteCorsoSoundtrack für den unbekannten Lebensfilm25.10.2012

Soundtrack für den unbekannten Lebensfilm

Die neue Platte des Berliner Musikers Malakoff Kowalski

Manchmal ist das Leben wie ein Film. Was dann noch fehlt, ist die passende Musik. So mag der Berliner Musiker Malakoff Kowalski gedacht haben, als er sein neues Album "Kill your Babies – Filmscore for an unknown picture" gemacht hat.

Von Bettina Ritter

Malakoff Kowalski (Pressefoto/© Julija Goyd)
Malakoff Kowalski (Pressefoto/© Julija Goyd)
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Melancholisch, getragen – Malakoff Kowalkis neue Platte ist im nassen Herbst und eiskalten Winter in Berlin entstanden. Der Musiker steckte gerade in einer besonders traurigen Szene seines Lebensfilms: Eine sechs Jahre dauernde Beziehung war zu Ende gegangen.

"Und da gibt es diese zauberhafte Szene, wo Juliette Greco ins Zimmer kommt und darauf wartet, dass Serge Gainsbourg ihr irgendetwas vorspielt. Und so wollte ich das auch. Das war so gefährlich und durchtrieben und romantisch."

Und so wurde es dann auch: Der schlanke Musiker mit den dunklen Augen, der immer eine Prinz-Heinrich-Mütze trägt, begann eine Liebesgeschichte mit einer schönen, rätselhaften Fotografin. Wild, gefährlich, intensiv, wie im Film.

"Uns so saß sie dann im Zimmer, war meine Muse und hat geraucht. Ich habe Klavier gespielt, sie sagte: Ach, das gefällt mir nicht, das gefällt mir. Und wenn man sich liebt, dann will man ja auch irgendwie gut aussehen. Und irgendwie sieht man immer gut aus, wenn man Klavier spielt."

Außergewöhnlich, abenteuerlich und wie im Film ging es schon vor Malakoff Kowalskis Geburt los: Seine Eltern mussten Ende der 70er-Jahre aus dem Iran fliehen. Aram Pirmoradi, so der eigentliche Name des 33-Jährigen, wurde in den USA geboren, wuchs aber in Hamburg auf. Hier hatte er mit dem Hip-Hop-Duo Jansen und Kowalski 2005 zwei Chart-Hits und eine LP. Kowalski aber schmiss alles hin und zog nach Berlin.

"Ich hasse das Zeug heute. Ich verachte mich dafür, dass ich das gemacht habe, weil ich mit Hip Hop überhaupt nichts am Hut habe."

Bedingungslose Musik mit einem absoluten Anspruch, das will Kowalski seitdem machen. Nah dran an ihm selbst soll sie sein. Und so nah dran wie auf "Kill your Babies" war sie noch nie.

"Weil wirklich meine Seele eine Form gefunden hat, sich auszudrücken. Ich habe eine Sprache gefunden. Meine ganze Kindheit ist da drin. Es ist so nah dran an mir, im Prinzip, wie meine Mutter mit mir schwanger war und mir Klavier vorgespielt hat."

Der radikale Künstler, der alles gibt für seine kompromisslose Musik, der am Rande des Existenzminimums lebt und am Abgrund der Depression balanciert, das ist eine Rolle, die Kowalski gern spielt. Und damit andere, Gleichgesinnte anzieht. Den Low-Budget-Kult-Filmemacher Klaus Lemke zum Beispiel. Für drei seiner Filme hat Kowalski die Musik gemacht. Inzwischen ist der 72-Jährige eine Art Ersatzvater und Mentor, hat bei zwei von Kowalskis neuen Liedern mit komponiert – und ihm beigebracht, Stille zu inszenieren.

"Diese Platte ist voll mit Pausen und Rauschen. Und es war aber immer Lemke, der gesagt hat: Cowboy, das muss mehr rauschen, das Knistern, das muss da rein, das ist zu glatt. Die Musik muss eher so herwehen, von dahinten, von irgendwo, irgendwo dahinten, Cowboy."

Lemke ist nicht der einzige prominente Name auf Kowalskis neuem Album. Sein Freund, der Schriftsteller Maxim Biller hat den Begleittext geschrieben und den Musiker dem Maler Daniel Richter empfohlen. Dem gefielen die Stücke so gut, dass er nicht nur ein Gemälde für das Cover zur Verfügung stellte, sondern die Scheibe auch bei seinem Label veröffentlichte. Das Resultat: Eine CD-Verpackung wie ein Filmplakat, am linken Rand stehen groß die Namen der drei Künstler.

"Es hat im Oktober 2012 wirklich ausnahmslos kein Mensch darauf gewartet, dass Malakoff Kowalski eine Platte rausbringt. Und diese tollen Leute, die auf dieser Platte mitgemacht haben, die zu nehmen und aufs Frontcover zu setzen in einer Art und Weise, wie man es auch bei Filmplakaten macht. Das war wichtig, damit sich die Leute überhaupt diese Platte anhören."

Kill your Babies – der Titel stammt übrigens von Maxim Biller. Er meinte, Kowalski sollte die Stücke so reduziert lassen, wie sie in einem ersten Entwurf waren. So ist das Album, der "Filmscore for an unknown picture", der Soundtrack zu einem unbekannten Film, zu einem zauberhaften Werk geworden, genau richtig zur Untermalung des eigenen kleinen Lebensfilms.

Musikangaben:
Interpret und Komponist aller Stücke: Malakoff Kowalski
Albumtitel: "Kill your Babies – Filmscore for an unknown picture"
Label: Buback Tonträger
LC: 07650

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