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StartseiteVerbrauchertippDigitaler Frühjahrsputz18.02.2019

Soziale NetzwerkeDigitaler Frühjahrsputz

Peinliche Partybilder, allzu flapsige Kommentare oder politische Botschaften – nicht nur vor Vorstellungsgesprächen sollte man seine persönlichen Daten bei Facebook und Co. überprüfen oder sogar wieder entfernen. Doch gewissenhaftes Löschen dauert Zeit – und wird von den Anbietern erschwert.

Von Stefan Römermann

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App-Icons, Anzeige auf einem Bildschirm vom Handy, Smartphone, Instagram, Facebook und WhatsApp, Soziales Netzwek, Makroaufnahme, Detail, formatfüllend | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer. (picture alliance / dpa / imageBROKER / Valentin Wolf)
In Social-Media-Accounts sammeln sich viele Daten an, die man von Zeit zu Zeit überprüfen sollte (picture alliance / dpa / imageBROKER / Valentin Wolf)
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Der erste Schritt beim digitalen Frühjahrsputz ist eine einfache Internet-Suche nach dem eigenen Namen bei Google. Denn dort finden sich immer wieder auch private Informationen aus sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram, erklärt Digitalexpertin Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen. 

"Weil bestimmte Dinge auch öffentlich einsehbar sind. Wenn ich sie nämlich so eingestellt habe, dass sie nicht nur die Freunde sehen können sondern alle. Dann kann ich beispielsweise das was ich bei Facebook oder Twitter hochgeladen habe auch über Google finden."

Ändern kann man das meist in Datenschutzeinstellungen der jeweiligen Dienste. Bei Facebook beispielsweise zu finden unter dem Stichwort "Privatsphäre". Im nächsten Schritt lohnt es sich dann zu schauen, wer denn tatsächlich meine Freunde, Follower oder Kontakte in den jeweiligen Netzwerken sind, rät Verbraucherschützerin Henschler.

"Nicht jeder Freund, der vor zehn, 15 Jahren mal ein Freund war, ein Facebook-Freund, ist auch jetzt noch ein Freund. Also hier wirklich mit kritischem Blick drüber gehen und auch mal jemanden rausschmeißen, der da nicht mehr sein soll, das ist auf jeden Fall empfehlenswert."

Überprüfen: hochgeladene Fotos und sonstige Einträge 

Danach geht es daran, die von mir selbst in den vergangenen Jahren hochgeladenen Fotos und sonstigen Einträge kritisch durchzuschauen, erklärt Datenschutz-Experte Peter Schaar von der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz.

"Das sind einerseits Dinge, die man vielleicht heute nicht mehr posten würde. Also Informationen, mit denen man früher mal freizügig umgegangen ist, wo man heute klüger ist."

Beispiele wären hier peinliche Partyfotos oder auch zugespitzt formulierte Kommentare zu kontroversen politischen Themen, die man heute so nicht mehr schreiben würde.

"Aber auch die Masse der auf den ersten Blick belanglosen Informationen können ja ein ziemlich genaues Bild von uns erzeugen. Und auch hier wäre es durchaus wünschenswert, dass man mal aufräumt."

Anbieter profitieren von Daten

Wer das halbwegs gründlich machen will, hat allerdings ein Problem, sagt Technik-Experte Holger Bleich vom Computermagazin c’t: "Das kann tagelang dauern. Auf jeden Fall stundenlang. Je nach dem wieviel es tatsächlich ist an Beiträgen. Darauf kommt es ein bisschen an."

Vor allem bei Benutzerkonten, die seit Jahren intensiv genutzt und mit Daten gefüllt worden sind, kommen da schnell ein paar tausend Fotos und Einträge zusammen. Das Problem dabei: Die Anbieter verdienen ihr Geld damit, so viele Informationen wie möglich über ihre Nutzer zu haben – damit sie besonders zielgenau Werbung ausspielen können. "Deswegen machen sie es den Nutzern nicht so einfach, alle Einträge auf einen Schlag zu löschen. Da muss man sich also anderer Hilfen bedienen."

Hilfsprogramme übernehmen das Löschen

Rettung versprechen verschiedene kostenlose Angebote im Internet, die sich mit Suchbegriffen wie "Timeline Cleaner" oder "History Cleaner" für die jeweilige Plattform finden lassen. Vorsichtig sein sollte man bei Internet-Diensten, denen man die eigenen Benutzerdaten und sein Passwort geben soll oder den Diensten anders den kompletten Zugriff aufs Konto gewähren muss.

Besser sind kleine Hilfsprogramme oder sogenannte "Skripte" für den Internet-Browser. Sie übernehmen vorübergehend die Kontrolle über den Browser und klicken automatisch jedes einzelne Foto und jeden Eintrag aus einem vorher festgelegten Zeitraum an und löschen es.

"Man kann aber zugucken was die machen, tatsächlich. Die können ja im Hintergrund eigentlich nichts Verstecktes machen. Deswegen kriegt man mit, wenn die da irgendwie Mist bauen. Mir ist davon aber nichts bekannt. Also denen würden ich schon einigermaßen vertrauen."

Das Problem dabei: Viele dieser Programme und Skripte gibt es nur auf Englisch – und sie sind deutlich weniger komfortabel.

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