Sonntag, 18.08.2019
 
Seit 04:05 Uhr Die neue Platte XL
StartseiteInterviewDas Ringen um die grüne Republik11.08.2019

Soziologe Armin NassehiDas Ringen um die grüne Republik

Umwelt, Ökologie und Energie - das seien heute die Themen der Zeit, an denen man nicht mehr vorbeikäme, sagte der Soziologe Armin Nassehi im Dlf. Schwierig sei, damit in die Breite der Gesellschaft zu gehen. Es gebe einen Kulturkampf zwischen großstädtischen Eliten und Menschen anderer Lebensformen.

Armin Nassehi im Gespräch mit Michael Köhler

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Frau fährt Fahrrad umgeben von umweltfreundlichen Symbolen wie Windrad, Recycling-Pfeil und Licht einer Energiesparlampe (imago/Ikon Images)
Windrad, Recycling-Pfeil, Energiesparlampe, Radfahrerin - grüne Themen birgen Konfliktpotential, sagt der Soziologe Armin Nassehi (imago/Ikon Images)
Mehr zum Thema

Freiheit und Ökologie Je besser, desto mehr

An die Wand geklatscht: Eine kleine Kulturgeschichte des Froschs

Gründungsaufruf Grüne Liga "Stellenwert der Ökologie"

Bettina Röhl vs. Armin Nassehi Gab es '68?

1968 - und was heute daraus geworden ist Eine Abkehr von Fragen der sozialen Gerechtigkeit

Die grünen Lungen der Städte, grüne Technologie, grüne Kost, Sprache, Auftreten - alles grün. Ob es aber gar schon eine grüne Hegemonialstellung gebe, das sei die Frage, sagte der Münchner Soziologie-Professor Armin Nassehi. Man könne "Grün" auf jeden Fall zu den großen Themen der Zeit zählen. Anfang der 70er-Jahre zählten dazu beispielsweise soziale Ungerechtigkeit und sozialer Aufstieg. Heute käme man an Themen wie Umwelt, Ökologie und Energie einfach nicht mehr vorbei.

Ökologie - ein Querschnittsthema

Es sei aber schwierig, mit diesen Themen in die Breite der Gesellschaft zu gehen, findet Armin Nassehi. Man könne nicht ignorieren, dass es einen Kulturkampf gebe zwischen den großstädtischen gebildeten Eliten und jenen, die nicht weniger gebildet seien, aber sich in anderen Lebensformen befinden. "Das erleben wir zurzeit. Man muss dazu sagen, dass das Ökologiethema ein Querschnittsthema ist, das in unterschiedlichen politischen Lagern im Moment ankommt und deshalb ist es das dominante Thema."

Armin Nassehi leitet den Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der LMU München (Arne Dedert/dpa)Armin Nassehi leitet den Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der LMU München (Arne Dedert/dpa)

Neue Koalitionen bilden

Die Suche nach Lösungen dürfe man nicht alleine in die Hände der politischen Parteien legen, findet Nassehi. "Es scheint ja ein Interesse in der Gesellschaft zu geben, dass man nicht nur die alten Geschichten hören will, was konservativ und sozialdemokratisch bedeutet, sondern lösungsorientiert sich fragt, wir haben ja doch ein paar Probleme in der Gesellschaft: das Identitätsprobleme, Migrationsprobleme, das Klimawandelproblem, das Ökologieproblem, das Energieproblem. Dass man da dann neue Koalitionen bilden muss. Und damit meine ich nicht nur Parteikoalitionen, sondern Koalitionen verschiedener Milieus".

Wenn man sehe, dass ein Mann wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) das ökologische Thema entdeckt hat, dann sei das nicht nur Parteistrategie, sondern es zeige, dass sich auch ein Konservativer  dazu verhalten müsse. "Wenn man sich dazu intelligent verhält, können durchaus neue Sichtachsen enstehen", sagte der Soziologe.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk