Die Nachrichten

Deutschlandfunk24 Die Nachrichten

Die Nachrichten

Soziologe El-Mafaalani"So offen, liberal und demokratisch war Deutschland noch nie"

Menschen versammeln sich zur Demonstration unter dem Motto «#WIRSINDMEHR - Aufstehen gegen rechte Hetze». (dpa/Roland Weihrauch)
Demonstration in Essen gegen Fremdenfeindlichkeit (dpa/Roland Weihrauch)

Der Soziologie-Professor Aladin El-Mafaalani hat dem Eindruck widersprochen, dass angesichts rechtsgerichteter Demonstrationen und Debatten die Demokratie in Deutschland in Gefahr sein könnte.

El-Mafaalani sagte der "Neuen Zürcher Zeitung", die aktuell aufgeheizte Stimmung sei das Ergebnis einer offenen Gesellschaft, in der sich plötzlich mehr Akteure auf Augenhöhe begegneten und darüber diskutierten, welchen Weg Deutschland einschlagen solle. Als Beispiel nannte er Frauen, Muslime und Homosexuelle. Die hitzigen Debatten seien aber nicht negativ, betonte El-Mafaalani, der Sohn syrischer Einwanderer ist. Vielmehr sei Deutschland noch nie so offen, liberal und demokratisch gewesen wie zurzeit. "Auch der Aufmarsch von Rassisten und Nazis in Chemnitz ist in dieser Hinsicht kein großes Problem." Eine offene Gesellschaft müsse das aushalten können.

Der Soziologie-Professor widersprach auch Kritikern, die die Integration von Zuwanderern für gescheitert halten. Sie funktioniere "besser als je zuvor", sagte El-Mafaalani, der Abteilungsleiter im nordrhein-westfälischen Ministerium für Familie, Flüchtlinge und Integration ist. Auch in den achtziger Jahren habe es in Deutschland Frauen mit Kopftüchern gegeben, aber damals seien sich Muslime und Nicht-Muslime aus dem Weg gegangen. "Zum Problem wurden Kopftücher erst, als Lehrerinnen sie trugen."

El-Mafaalani empfahl den Volksparteien, keinen rechten oder populistischen Wahlkampf zu führen, um mit der AfD "liebäugelnde" Wähler zurückzugewinnen. "Es gibt Rassisten und Nationalisten in jeder Gesellschaft, die kriegt man nicht zurück." Von der Verunsicherung in der Bevölkerung profitierten Rechtspopulisten und Salafisten gleichermaßen, weil sie auf eine Schließung der Gesellschaft hinarbeiteten. Insofern seien sich die beiden Bewegungen "ähnlicher, als es ihren Anhängern lieb ist".