Wirtschaftsgespräch 22.02.2021

SPACDarum gehen Unternehmen ohne operatives Geschäft an die BörseVon Günter Hetzke

Beitrag hören Der Handelsraum der Frankfurter Wertpapierbörse  (picture alliance/dpa/Arne Dedert)Zum ersten mal seit mehr als einem Jahrzehnt wurde wurde wieder ein SPAC in Frankfurt an die Börse gebracht (picture alliance/dpa/Arne Dedert)

An der Frankfurter Börse wird ein neues und ungewöhnliches Unternehmen gehandelt: Es hat kein operatives Geschäft und wird auch kein eigenes aufbauen. Stattdessen sollen Unternehmen aufgekauft und damit indirekt an die Börse gebracht werden. Die Hintergründe im Überblick.

Was genau ist ein SPAC?

Ein SPAC ist ein Investitionsinstrument, ein Mittel, um vielversprechende Unternehmen an die Börse zu bringen. Das Instrument ist nicht neu. In Deutschland gab es zum Beispiel vor zehn Jahren das Projekt "Germany1". SPACs waren jedoch zunächst nicht so wirklich erfolgreich und sind danach auch weitgehend in der Versenkung verschwunden.

Aber seit gut einem Jahr sind sie vor allem in den USA neu in Mode gekommen und florieren derzeit: Im letzten Jahr sind Gelder in rund 250 SPACs geflossen, allein in den ersten sechs Wochen dieses Jahres sind bereits mehr als 140 SPACs neu hinzugekommen. Und wie so oft bei Trends in den USA schwappt auch dieser nun nach Europa. Stark nachgefragt ist derzeit bei der Platzierung von SPACs vor allem die Börse in Amsterdam. Am Montag, dem 22. Februar wird nun auch ein SPAC an die Frankfurter Börse gehen.

Wie genau funktioniert dieses Instrument?

Das lässt sich mit folgendem Beispiel veranschaulichen: Ein Manager behauptet, er kenne sich bestens aus zum Beispiel im Bereich Gentechnik für die Landwirtschaft aus. Er sei hier gut vernetzt, habe hervorragende Kontakte, kenne die Szene. Damit tritt er nun über die Börse an Investoren und sammelt Gelder ein. Damit geht also ein Unternehmen an die Börse, das noch gar kein Geschäft hat. Das Geschäft soll erst später zugekauft werden.

Der Manager verspricht: Ich werde mit diesem Geld innerhalb von zwei Jahren das Gentechnik-Unternehmen schlechthin finden, das Unternehmen der Zukunft und werde es kaufen und dadurch an die Börse bringen. Und wenn das gut läuft, dann profitieren die Geldgeber davon.

Star-Investor Klaus Hommels, Gründer von Lakestar (picture alliance/dpa/Jens Kalaene)Star-Investor Klaus Hommels ist der Frontmann des neuen SPACs (picture alliance/dpa/Jens Kalaene)

Was bringt dieses Instrument?

Hier werden Wachstumsunternehmen gesucht, die erfolgreich sind, aber noch nicht Willens oder einfach nicht in der Lage, an die Börse zu gehen. Es ist viel Arbeit, selbst nach Investoren zu suchen oder sich um die oft langwierigen Genehmigungsprozesse zu kümmern. Und da kommt der Helfer im SPAC-Mantel ins Spiel, Königsmacher nennt man diese Rolle daher auch. Jemand macht seinen Einfluss gegen Bezahlung geltend. Und das ist die Aufgabe der Betreiber dieser Unternehmenshülle.

Wo lauern die Gefahren?

Wie so oft bei der Kapitalanlage: Man kann Geld in den Sand setzen. Wenn das gefundene Unternehmen an der Börse nicht erfolgreich ist, dann gibt es Verluste, während der Initiator sich für seinen Aufwand natürlich bereits hat bezahlen lassen. Es gibt noch die Regel, dass die Anleger ihr Geld zurückbekommen, wenn innerhalb von zwei Jahren kein Unternehmen für den Börsengang gefunden wird. Allerdings: Gut möglich, dass in dieser Zeit ein goßer Teil davon ausgegeben wurde. Zudem stellt sich die Frage, wie eine solche Unternehmenshülle überhaupt kontrolliert wird. Das ist also ein sehr riskantes Geschäft.

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