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StartseiteSprechstundeWenn Senkungen das Leben zur Qual machen15.05.2018

Späte GeburtsschädenWenn Senkungen das Leben zur Qual machen

Eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur kann ein Fremdkörpergefühl im Unterleib verursachen. Die Behandlung von Senkungsbeschwerden erfolgt durch einfaches Training oder eine Hormonbehandlung - in schweren Fällen jedoch muss operiert werden.

Von Mirko Smiljanic

Zwei Hände auf einem Bauch (Imago)
Senkungsbeschwerden sind Folge einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur (Imago)
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Klinikum Leverkusen, Sprechstunde in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Vor dem Schreibtisch von Oberärztin Dr. Sylvia Dorn-Kunert sitzt eine Patientin mit unangenehmen Problemen: "Ich hab zwei Kinder geboren, das waren sehr schwere Kinder, und habe jetzt ein Fremdkörpergefühl, ein Druck nach unten, das merke ich beim Sport und, wenn ich mich körperlich belaste."

Die Beckenbodenmuskulatur versagt ihren Dienst

Einige Wochen ertrug die 45-Jährige das seltsame Gefühl, schließlich ging sie zu ihrer Gynäkologin. Nach dem Gespräch und einer Untersuchung stand die Verdachtsdiagnose fest: Die Patientin leidet wahrschlich an Senkungsbeschwerden. "Das hat meine Ärztin mir gesagt, die mich auch hierhin verwiesen hat."

"Das sehen wir immer wieder hier bei uns in der Sprechstunde, wir würden jetzt einfach ein ausführliches Gespräch und eine Anamnese erheben und dann die Patientin beraten", erklärt Oberärztin Dr. Sylvia Dorn-Kunert. Die Untersuchung bestätigte den Verdacht der niedergelassenen Frauenärztin. Die Mitvierzigerin leidet tatsächlich an Senkungsbeschwerden.

"In einfachen Worten gesagt, es ist eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur, sodass der Halteapparat des Beckenbodens einfach nicht mehr ausreichend ausgeprägt ist, und damit nicht die Blase selber, sondern die Scheidenvorderwand oder die Scheidenhinterwand sich Richtung Scheide senkt und das Fremdkörpergefühl verursacht."

Operiert wird nur in schweren Fällen

Sind die Beschwerden nicht allzu ausgeprägt, reicht eine konservative Therapie, bei der die Patientin etwa mit einem Biofeedback-Gerät die Beckenbodenmuskulatur trainiert.

"Man kann eine lokale Östrogenisierung vorschlagen, weil das Östrogen durchaus einen positiven Effekt auf den Beckenboden hat, ohne jetzt, wie eine Hormontherapie im ganzen Körper wirkt, sondern nur lokal dafür sorgt, dass die Beckenbodenmuskulatur besser durchblutet wird."

In schweren Fällen muss operiert werden, was aber immer auch bedeutet, dass die Patientinnen zu spät medizinische Hilfe gesucht haben. Aus Scham warten immer noch viele Frauen zu lange mit dem Arztbesuch: Senkungsbeschwerden sind ein Tabuthema! Auch für die Leverkusenerin, die anfangs durchaus Probleme hatte, über die Spätfolgen ihrer Geburten zu sprechen.

"Erst mal natürlich nicht, man spricht da einfach nicht drüber, aber mit meiner besten Freundin habe ich schon jetzt drüber erzählt, und die hat auch Probleme. Also, es scheint nicht ganz selten zu sein."

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