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StartseiteGesichter EuropasAuf den Spuren einer Nation24.11.2018

Spanische IdentitätenAuf den Spuren einer Nation

Die Spanier haben ein gespaltenes Verhältnis zu ihrer Nation. Der Verlust der einstigen Größe, der blutige Bürgerkrieg und die Diktatur unter Franco tragen ihren Teil dazu bei. Hinzu kommt, dass die Unabhängigkeitsbestrebungen in Katalonien, im Baskenland und in Galizien die Nation infrage stellen.

Von Hans-Günter Kellner

Zwei junge Frauen, in die spanische Nationalflagge (r) sowie die katalanische Flagge "Estelada" gehüllt, halten sich am in Barcelona an der Hand. (dpa-Bildfunk / AP / Emilio Morenatti)
Und wie definiert sich "spanisch", wo doch Katalanen und Basken eigene Träume träumen? (dpa-Bildfunk / AP / Emilio Morenatti)
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Was also bedeutet es heute, Spanier zu sein? Für die einen ist Nationalismus eine Form von Götzentum. Für andere ist Verfassungspatriotismus der bessere Nationalismus. Wieder andere stört, dass Nationalstolz in Spanien als Huldigung des Diktators Franco ausgelegt wird. Und eine vierte Gruppe sieht sich in der Tradition der Republik der 1930er-Jahre. Was beinhaltet der Ruf nach "echtem Patriotismus", der in der sozialen Krise der vergangenen Jahre über die Plätze hallte? Und wie definiert sich "spanisch", wo doch Katalanen und Basken eigene Träume träumen?

Die "Gesichter Europas" begeben sich auf Spurensuche und treffen einen Historiker, einen Franco-Anhänger, einen linken Vordenker, eine Flamenco-Sängerin und einen Schriftsteller. 

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