Die Nachrichten

Die Nachrichten

Die Nachrichten

Spannungen nach HinrichtungenAuch Bahrain kappt Beziehungen zum Iran

Proteste in Bahrain gegen die Hinrichtung des Geistlichen Sheikh Nimr al-Nimr (dpa / picture alliance / Ahmed Alfardan)
Proteste in Bahrain gegen die Hinrichtung des Geistlichen Sheikh Nimr al-Nimr (dpa / picture alliance / Ahmed Alfardan)

Dominoeffekt im Mittleren Osten: Nachdem Saudi-Arabien die diplomatischen Beziehungen mit dem Iran beendet hat, kündigte auch der Inselstaat Bahrain an, dass iranische Diplomaten das Land innerhalb von 48 Stunden verlassen müssten. Hintergrund ist der Angriff von Demonstranten auf die saudische Botschaft in Teheran.

Nach Protesten im Iran gegen die Hinrichtung des bekannten schiitischen Geistlichen Nimr Al-Nimr in Saudi-Arabien bricht auch Bahrain die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab, wie die staatliche Nachrichtenagentur des Landes meldete.

Ähnliche Schritte hatte Bahrains Verbündeter Saudi-Arabien kurz zuvor angekündigt: Die Politiker müssten innerhalb von 48 Stunden gehen, teilte der saudische Außenminister Adel al-Dschubeir mit. Riads Diplomaten haben das Land bereits verlassen. Al-Dschubeir erklärte, der Angriff auf die Botschaft seines Landes sei ein "schwerwiegender Bruch internationaler Konventionen", und warf dem Iran vor, die Führer des Terror-Netzwerks Al Kaida zu schützen. "Wir lehnen es ab, mit einem Staat zu tun zu haben, der Terrorismus unterstützt und Chaos und sektiererische Spannungen in der islamischen Welt verbreitet."

Der Iran reagierte in einer ersten Stellungnahme mit Unverständnis. Vizeaußenminister Hussein Amirabdullahian sagte im staatlichen Fernsehen, es sei kein saudi-arabischer Diplomat zu Schaden gekommen. Sein Land sei für Diplomaten eines der sichersten in der Region. "Die Saudis haben schon in der Vergangenheit mit solchen voreiligen und irrationalen Entscheidungen Instabilität in der Region
verursacht", kritisierte Amirabdullahian. Riad könne aber nicht von der Ermordung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr ablenken.

Todesurteil fiel 2014

Al-Nimr war im Oktober 2014 in Saudi-Arabien wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes zum Tode verurteilt worden. Im schiitsch geprägten Iran fielen die Proteste gegen die Exekution des Geistlichen an diesem Samstag besonders heftig aus. Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei warnte Riad am Sonntag vor der "Rache Gottes". 

Saudi-Arabien und der Iran ringen um die Vormachtstellung in der Region. Während sich das Königreich als Schutzmacht der Sunniten sieht, betrachtet sich der Iran als Interessenvertreter der Schiiten.

Diplomatische Bemühungen 

Die USA riefen die beiden Staaten angesichts der verschärften Spannungen dazu auf, die Lage zu beruhigen. Außenamtssprecher John Kirby erklärte, seinem Land sei bekannt, dass das Königreich Saudi-Arabien die Schließung der diplomatischen Vertretungen des Irans im Königreich angeordnet habe. "Wir glauben aber, dass diplomatisches Engagement und direkte Gespräche bei der Überwindung von Schwierigkeiten äußerst wichtig sind."

Am Nachmittag hatte Österreichs Außenminister Sebastian Kurz noch über den Online-Kurznachrichtendienst Twitter mitgeteilt, er habe mit Mohammad Javad Zarif und Adel al-Dschubeir, den Außenministern des Iran und Saudi-Arabiens, gesprochen. Beide hätten unterstrichen, dass es nun um gegenseitige Zurückhaltung und Dialog gehen müsse.

Irans Präsident Hassan Ruhani verurteilte den Sturm auf die saudische Botschaft durch Demonstranten in Teheran als "durch nichts zu rechtfertigen". Die Gebäude der diplomatischen Mission stünden "gesetzlich und religiös" unter Schutz, sagte Ruhani laut der Nachrichtenagentur IRNA.

Debatte in Deutschland

Saudi-Arabien hatte am Samstag insgesamt 47 Menschen wegen Terrorvorwürfen hingerichtet. Das Königreich gehört zu den wichtigsten Exportländern für die deutsche Rüstungsindustrie.

In Deutschland forderten Politiker von Grünen und Linken den sofortigen Stopp aller deutschen Rüstungsexporte nach Riad. Auch Vertreter von CDU und SPD sprachen sich für einen Kurswechsel im Umgang mit Saudi-Arabien aus.

(jasi/bor/rei/hba)

Mehr zum Thema

Nachrichtenportal