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StartseiteKommentare und Themen der WocheOpel kommt nicht zur Ruhe04.07.2018

Spekulation um EntwicklungszentrumOpel kommt nicht zur Ruhe

Der Opel-Betriebsrat ist alarmiert: Nach einem Bericht der französischen Zeitung "Le Monde" erwägt der neue Mutterkonzern PSA offenbar einen Teilverkauf des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim. Keine gute Idee, kommentiert Silke Hahne. Das Problem bei Opel liege woanders.

Von Silke Hahne

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Das Opel-Logo prangt auf dem Werksgelände des Autobauers Opel in Rüsselsheim auf einem Turm (dpa/Arne Dedert)
Opel-Werk in Rüsselsheim (dpa/Arne Dedert)
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Ein Auto ohne Motor ist im Wesentlichen eine Kiste Blech. Und ein Autobauer ohne Entwicklungsabteilung, das wäre dann ein Montage-Betrieb. Manch ein Kunde würde wohl, steckten in einem Opel künftig Motoren von Peugeot-Citroën, bei sich denken: Warum soll ich dann überhaupt noch einen Opel kaufen? Insofern wäre es für das sowieso schon gebeutelte Unternehmen tatsächlich ein weiterer Schritt Richtung Niedergang, sollte sich der französische Medienbericht bewahrheiten.

Das Problem ist bloß, und nicht zum ersten Mal, dass niemand so genau weiß, was nun stimmt oder nicht. Die Presse berichtet, die Betriebsräte schäumen, das Management dementiert halbherzig:  strategische Partnerschaften mit anderen Unternehmen seien eine Option, die geprüft werde; selbstverständlich würden die Sozialpartner in den Prozess eingebunden. Warum aber sind eben jene Sozialpartner dann derart entrüstet?

Opel legt sich nicht fest - und das ist fatal

Offenbar gibt es bei Opel eklatante Mängel in der Kommunikation, nach innen wie nach außen. Auch auf Nachfrage will oder kann das Unternehmen nicht sagen, was strategische Partnerschaften eigentlich umfassen. Kooperationen, um mehr Aufträge an Land zu ziehen? Das wäre ja durchaus positiv für die Beschäftigten. Oder eben ein Verkauf oder Teilverkauf? Das würde heißen, dass Beschäftigungszusagen nicht mehr gelten und Opel, genau, zum Montage-Betrieb degradiert wird.

Zwischen diesen Szenarien liegen Welten. Und dass Opel sich nicht wenigstens auf ein Spektrum festlegt, weder nach außen, noch nach innen, verheißt nichts Gutes. Wer rumeiert, ist selten ein Überbringer guter Nachrichten. Eher jemand, der den anstehenden Konflikt hinauszögern will.

Schlechtes Signal in angespannten Zeiten

Verhandlungen auf Augenhöhe sehen wahrlich anders aus. Und dass in einer Zeit, in der das Verhältnis zwischen Abreitgebern und -nehmern sowieso schon angespannt ist. Zwar durften die Opelaner nach der Übernahme zunächst auf mehr Eigenständigkeit und größere Märkte weltweit hoffen. Und von Anfang an war klar, dass sie unter dem neuen Eigentümer bald Gewinne erzielen müssten. Das folgende, monatelange Gezerre um Beschäftigungsgarantien, Werke und Jobs hat Belegschaft und Management aber schon bald entfremdet. Auch hier standen immer wieder Missverständnisse im Raum.

Ungewissheit ist jedoch ein Motivationskiller. Und eine demotivierte Belegschaft hat noch keinem Betrieb aus der Krise geholfen. Es wird also Zeit, dass das Management seine Karten auf den Tisch legt, kommuniziert, Fragen beantwortet, Transparenz schafft – und Perspektiven. Sonst bleibt von Opel irgendwann nicht einmal mehr Blech übrig.

Silke Hahne (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)Silke Hahne (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)Silke Hahne, Jahrgang 1987, hat in Münster und Leipzig Kommunikationswissenschaft und Hörfunkjournalismus studiert, jeweils mit dem Schwerpunkt Wirtschaft/Finanzen. Sie war Freie Mitarbeiterin bei mehreren MDR-Hörfunkwellen, anschließend Volontariat beim Deutschlandradio. Sie arbeitet in der Deutschlandfunk-Redaktion "Wirtschaft und Gesellschaft".

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