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StartseiteKommentare und Themen der WocheVeranstalter mussten die Notbremse ziehen08.07.2021

Spiele von Tokio ohne ZuschauerVeranstalter mussten die Notbremse ziehen

Die Entscheidung ist gefallen: Die Olympischen Spiele in Tokio finden ohne Zuschauer in den Stadien statt. Die Veranstalter haben sich das selbst zuzuschreiben, kommentiert Martin Fritz. Denn sie ignorierten den Wunsch der Bevölkerung, die Spiele wegen Corona erneut zu verschieben.

Ein Kommentar von Martin Fritz

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International Olympic Committee (IOC) president Thomas Bach (on-screen) and Tokyo 2020 president Seiko Hashimoto, left, wave at the beginning of the five-party meeting in Tokyo, Thursday, July 8, 2021. (Behrouz Mehri/Pool Photo via AP) (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Behrouz Mehri)
Tokyo-2020-Organisationschefin Seiko Hashimoto mit dem zugeschalteten IOC-Chef Thomas Bach (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Behrouz Mehri)
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Zum ersten Mal in ihrer Geschichte werden Olympische Spiele ohne Zuschauer stattfinden. Wenn morgen in zwei Wochen die Athleten ins nagelneue Olympiastadion der japanischen Hauptstadt winkend einmarschieren, dann verlieren sich auf den Tribünen mit 68.000 Plätzen nur einige wenige Funktionäre, Sponsoren-Gäste und Politiker. Nicht einmal Fan-Meilen und Großleinwände wird es in Tokio geben. Nur bei den wenigen Wettkämpfen außerhalb der Hauptstadt dürfen einheimische Besucher die Sportler live sehen.

Ein Testzentrum in Tokio - eine Frau in Schutzkleidung hält Teststäbchen in der Hand. (JIJI PRESS PHOTO / MORIO TAGA / dpa /picture-alliance) (JIJI PRESS PHOTO / MORIO TAGA / dpa /picture-alliance)Olympische Spiele in Japan - Das absurde Quarantäne-System in Tokio
Sicherheit soll bei den Spielen von Tokio an oberster Stelle stehen. Das sagen jedenfalls die Veranstalter seit Beginn der Pandemie. Wenn es dagegen um die Einreise ins Land geht, herrschen strenge Sitten. Wenn auch mit Lücken.

Dass die Welt nun erstmals ein völlig steriles Fernseh-Olympia erleben wird, haben sich die Veranstalter selbst zuzuschreiben. Japans Regierung und das Internationale Olympische Komitee ignorierten den starken Wunsch der japanischen Bevölkerung, die Spiele erneut zu verschieben oder ausfallen zu lassen. Lieber versuchten sie alle Bedenken zu zerstreuen, dass das Zusammenkommen von 100.000 Sportlern, Betreuern, Funktionären und Journalisten aus 200 Ländern eine Corona-Infektionswelle auslösen und womöglich eine neue gefährliche Virusvariante erzeugen könnte.

Kein Vielvölkerfest

Lieber verfolgten die Veranstalter egoistisch ihre Interessen. IOC-Präsident Thomas Bach und seine Mitstreiter dachten nur an schnöden Mammon, an die Dollar-Milliarden aus den TV-Übertragungsrechten, die ihre Kassen bis zum Bersten füllen. Und Japans Regierung ließ sich von nationalistischen Motiven antreiben, wollte der Welt mit Olympia demonstrieren, dass Nippon immer noch eine starke Wirtschaftsmacht ist.

Um diese Ziele zu erreichen, wurden den Olympia-Teilnehmern und Japans Bevölkerung "sichere" Spiele versprochen. Allerdings bedeutet dies, dass Olympia seinen traditionellen Charakter völlig verlieren wird. Kein Vielvölkerfest, ausländische Besucher sind komplett ausgesperrt. Keine Verbrüderung mit der Gastgebernation – Kontakte zu Japanern sind den Olympioniken verboten. Keine Partystimmung im Olympia-Dorf, Alkohol wird dort nicht verkauft, Kondome gibt es erst zur Abreise. Allein die Angst, sich vor oder während des Wettkampfes mit Covid-19 zu infizieren und vorzeitig ausgeschlossen zu werden, wird die Athleten zügeln.

Dass nun auch noch einheimische Zuschauer aus den Stadien verbannt werden, ist eine logische und unvermeidbare Konsequenz dieser Strategie. Angesichts der rasch steigenden Infektionszahlen und der niedrigen Impfquote der japanischen Bevölkerung und nach dem Zuschauerdesaster bei der Fußball-Europameisterschaft mussten die Veranstalter diese Notbremse ziehen, um nicht jede Glaubwürdigkeit zu verlieren und den Vorwurf der Verantwortungslosigkeit zu vermeiden.

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