Dienstag, 20.10.2020
 
StartseiteKommentare und Themen der WocheDie mutigen Spieler der Milwaukee Bucks27.08.2020

Spielerstreik gegen RassismusDie mutigen Spieler der Milwaukee Bucks

Die Milwaukee Bucks haben aus Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA ein Spiel der NBA-Profiliga bestreikt. Damit hätten sie gezeigt, wie machtvoll der Sport sein kann, um das Land aufzurütteln, kommentiert Marina Schweizer. Endlich würden Profisportler dies nutzen.

Von Marina Schweizer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein leeres Basketball-Spielfeld. Auf dem Platz steht "Black lives Matter" (Getty Images/ Kevin C. Cox )
Ein Boykott, der weite Kreise zieht: Nach dem Streik der Milwaukee Bucks wurden alle Mittwochsspiele der NBA abgesagt (Getty Images/ Kevin C. Cox )
Mehr zum Thema

Boykott im US-Sport Neue Dimension antirassistischer Proteste

Angerer zu Protesten in den USA "Mir geht es so nahe, was hier gerade alles passiert"

Neustart der NHL Arm in Arm statt Kniefall

Athletenvereinigung Athletics Association "Athleten müssen eine Stimme haben"

Football-Star Colin Kaepernick Erst ein Störenfried, jetzt ein Held?

Bill Russell hat das, was gerade in der Basketballliga NBA passiert ist, sehr bewegt. Zumindest schrieb das der inzwischen 86-Jährige so auf Twitter. Und die, die sich in der Geschichte des US-Sports auskennen, dürfte das nicht wundern: Vor fast 60 Jahren war Russell derjenige, der als schwarzer Spieler in der NBA nicht spielen wollte – aus Protest gegen Rassismus. Seine schwarzen Mitspieler bei den Boston Celtics taten es ihm gleich, ebenso wie die schwarzen Teammitglieder des Gegners.

Was bei dem Spiel damals 1961 anders war als beim Boykott, der jetzt in den NBA-Playoffs ausgelöst wurde? Die weißen Spieler machten weiter.

August 26, 2020, Orlando, Florida, USA - A screen grab from ESPN s coverage of the Milwaukee Bucks refusing to play today s scheduled playoff game against the Orlando Magic. After a team meeting, the Bucks decided to boycott their game in the wake of the shooting of yet another Black man, Jacob Blake, at the hands of a white policeman, this time in Kenosha, Wisconsin. After the Bucks declined to play, the Rockets also decided to boycott. Other teams have now joined the boycott, and no playoff games will be played tonight. Orlando U.S. - ZUMAce6_ 20200826_zaf_ce6_001 Copyright: xCourtesyxEspnx  (imago images) (imago images)Spielerstreik in der NBA: US-Sportler setzen Zeichen gegen Polizeigewalt 
Nach einem erneuten Fall von Polizeigewalt in den USA hat der Protest der NBA-Spieler eine neue Ebene erreicht. Die Milwaukee Bucks weigerten sich zu ihrem Playoff-Spiel gegen die Orlando Magic anzutreten. 

Es sagt viel aus über den Zustand der Vereinigten Staaten von Amerika, dass 60 Jahre später die Wut und die gefühlte Ohnmacht angesichts des Rassismus kaum kleiner sein dürften, als damals. Nur diesmal zieht der Boykott weite Kreise.

Kampagnen reichen nicht aus

Für das Basketballteam der Milwaukee Bucks war am Mittwoch endgültig klar: Nichts soll mehr ablenken von dem, was in den USA momentan passiert. Schließlich war es in ihrem Bundesstaat Wisconsin, wo der schwarze Amerikaner Jacob Blake jüngst von Polizisten niedergeschossen wurde.

Und genau deshalb war es für das Team in dieser NBA-Saison mit den Spielfeld-Schriftzügen, auf denen "Black Lives Matter" steht, nicht mehr getan. Alle Spieler der Bucks blieben in Florida statt zu spielen in der Kabine. Ihr Statement: Als Repräsentanten aus Wisconsin werde von ihnen auf dem Platz das höchste Niveau erwartet. Diesen Standard habe man erfüllt, aber das Gleiche erwarte man von den Gesetzgebern und der Strafverfolgung.

Ein wichtiger Schritt – es hat sich längst gezeigt, dass Schriftzüge und Kampagnen eben nicht die erhoffte Wirkung zeigen.

Was es auslösen kann, wenn sich ein Team geschlossen traut, zu verweigern, das hat der prompte Dominoeffekt im US-Sport gezeigt: Alle Mittwochsspiele der NBA wurden – nach weiteren Blockaden – abgesagt. Kurz darauf zog die Profiliga der Basketballerinnen nach, die Fußball- und die Baseball-Liga und die beiden großen Tennis-Weltverbände – zumindest vorerst.

Sportler lösen ein Beben aus

Athleten flankieren ihr konkretes Handeln mit einer klaren politischen Ansage.

Wie Basketball-Ikone LeBron James, der auf Twitter in Großbuchstaben Veränderung herbeiflehte. Das sind politische Aussagen von Spielern, die für Millionen Menschen Idole sind – nicht nur in den USA. Ihre Strahlkraft hilft ihnen sonst, Werbeverträge zu bekommen. Jetzt geht es auch um ihre Glaubwürdigkeit.

Die mutigen Spieler der Milwaukee Bucks haben 60 Jahre nach Bill Russell mit ihrem Boykott ein Beben ausgelöst. Der Sport stellt sich in seltener Einigkeit politisch auf, er konzentriert sich auf eine Sache – unabhängig von parteipolitischen Präferenzen, die momentan das Land spalten.

Endlich nutzen Profisportler die Hebel, die sie haben. Man kann ihnen nur wünschen, dass sie diese nicht mehr aus der Hand geben.


Marina Schweizer (privat)Marina Schweizer (privat)Marina Schweizer
 studierte Kommunikationswissenschaft und Geschichte in München, längere Auslandsaufenthalte in Alaska/USA. Während und nach dem Studium arbeitete sie als freie Reporterin u. a. für den SWR-Hörfunk, bevor sie ein crossmediales Volontariat bei Deutschlandradio absolvierte. Nach einem Jahr als Junior-Redakteurin in den Redaktionen Sport und Zeitfunk arbeitet sie heute beim Deutschlandfunk als Redakteurin und Moderatorin in der Sportredaktion und als Moderatorin im "Zeitfunk".

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk