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StartseiteVerbrauchertippVon Slime lieber die Finger lassen29.10.2018

SpielschleimVon Slime lieber die Finger lassen

Es ist eine quietschbunte, glitschige, zähflüssige und durchaus auch ekelhafte Substanz - Slime. Sie kam in den siebziger Jahren auf den Markt und ist auch heute noch angesagt. Die Ergebnisse einer Untersuchung zeigen allerdings, dass Kinder und auch Erwachsene lieber die Finger davon lassen sollten.

Von Dieter Nürnberger

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Spielschleim in mehreren Farben auf einem Tisch (imago/Levine-Roberts)
Die enthaltene Borsäure ist das Problem bei Spielschleim (imago/Levine-Roberts)
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"Ich bin voll aufgeregt, ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Ich liebe Slime. Guckt doch mal, was wir hier haben."

Die Zielgruppe für Spielschleim sind vor allem Kinder und Jugendliche - daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Slime-Warenwelt ist seit den siebziger Jahren sogar etwas vielfältiger geworden. Damals war der Spielschleim fast immer giftgrün, heute gibt es ihn in vielen Varianten, beispielsweise mit Glitzersternchen oder kleinen Plastikfiguren, sagt Reiner Metzger von der Stiftung Warentest.

"Dieser Spielschleim - das scheint so ein Dauerbrenner zu sein. Wenn man den Markt beobachtet: Es nimmt wieder etwas zu. Gerade auch durch das Internet. Da kann man sich die unmöglichsten Dinger bestellen - in allen Farben."

Der Spielverderber heißt Borsäure

Fünf dieser über das Internet angebotenen Spielschleime prüfte die Stiftung Warentest im Labor. Parallel untersuchten auch italienische, britische und französische Verbraucherorganisationen Slime-Produkte. Und sehr schnell wurde klar, dass der Spielverderber Borsäure heißt:

"Man braucht dieses Bor, um den Kleber, der in Slime enthalten ist, in schleimiger Konsistenz zu halten. Dafür ist die Borsäure enthalten. Das wandert in die Haut, es wird vielleicht auch verschluckt. Kinder machen ja allerhand mit Sachen. Und so bekommen sie zu viel von diesem Bor ab. Mehr als sein darf."

In der Warentest-Untersuchung überschritten alle Testprodukte die EU-Grenzwerte von 300 Milligramm Bor pro Kilogramm deutlich. Besonders fatal: Ein Slime-Produkt liefert sogar Strohhalme mit, was Kinder zum Probieren verleiten kann.

Bor ist dabei nicht grundsätzlich giftig. Es kommt in der Tat auch in einigen Lebensmitteln vor, etwa in Nüssen. Der menschliche Körper benötige es sogar, so Warentester Reiner Metzger:

"Es gibt Spurenelemente davon in den Nahrungsmitteln. Sie brauchen das Bor ja. Wenn Sie kein Bor haben, werden Sie auch krank. Nur zu viel davon ist auch nicht gut. Es gab Versuche mit Bor. Wann ist das schädlich? Und da stellte man fest, dass einem schlecht werden kann. Man bekommt bei zu viel Aufnahme auch Durchfall und Erbrechen davon. Und es wird als reproduktionstoxisch eingestuft. Auf gut deutsch: Schwangere sollten die Finger davon lassen."

Keine akute Gesundheitsgefährdung

In der Vergangenheit warnte beispielsweise das Bundesinstitut für Risikobewertung mehrfach vor borsäurehaltigen Spielzeugen. Allerdings gehe eine akute Gesundheitsgefährdung durch die untersuchten Slime-Produkte wohl nicht aus. Dafür, so die Stiftung Warentest, müsste man den Spielschleim wirklich in größeren Mengen verschlucken. Allerdings reichten auch Nebenwirkungen wie leichte Übelkeit aus, um Eltern und deren Kindern vom Gebrauch dringend abzuraten.

Im Internet kursieren sogar etliche Rezepte für selbst herzustellenden Spielzeugschleim. Hier wird recht fahrlässig empfohlen, die Borsäure aus Kontaktlinsenreinigern zu verwenden. Auch hier gilt: Finger weg, die Konzentrationen sind viel zu hoch.

Die Stiftung Warentest empfiehlt ein anderes, sicheres und sogar süßes Rezept. Komplett ohne Borsäure. Reiner Metzger:

"Wir haben es einfach mal ausprobiert, so eine schleimige Konsistenz nachzubauen. Das geht recht einfach: Man kauf sich Marsmallows - dieses Knautsch-Gummi-Dinger. Die tun Sie in die Mikrowelle und probieren ein wenig herum. Das bekommen Sie ein fürchterlich zähes Zeug raus. Damit kann man auch super spielen."

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