Mittwoch, 17. August 2022

Gewalt im Sport
Gespräche über Zentrum für Safe Sport gehen voran

Im Koalitionsvertrag hatte sich die neue Bundesregierung dazu verpflichtet, den Aufbau eines unabhängigen Zentrums für sicheren und gewaltfreien Sport zu unterstützen. Jetzt hat das zuständige Bundesinnenministerium mit Stakeholdern aus Sport und Politik tiefgreifendere Gespräche geführt.

Von Andrea Schültke | 14.03.2022

Kinder beim Fußballtraining
Kinder beim Fußballtraining (imago sportfotodienst)
„Es bestand Einvernehmen, dass unter dem Dach eines Zentrums für Safe Sport Maßnahmen zur Hilfe bei sexualisierter und interpersoneller Gewalt erfolgen müssen“, schreibt das Bundesinnenministerium BMI in einer Mitteilung nach dem Gespräch. Die Einrichtung soll sowohl für den Leistungs- als auch den Breitensport zuständig sein, bestätigte das Ministerium gegenüber dem Deutschlandfunk.
Der Verein Athleten Deutschland, Interessenvertretung der Leistungssportlerinnen und -sportler, hatte die Idee eines unabhängigen Zentrums für Safe Sport vor knapp anderthalb Jahren vorgestellt. Für den Spitzensport, da der Verein nur dafür das Mandat hat. Die politische Zusage, das Ganze umfassend anzugehen, begrüßt Maximilian Klein von Athleten Deutschland: „Umso wichtiger ist jetzt eben, dass es eine Öffnung aller Stakeholder für diese Zuständigkeit gibt. Und dann eben auch noch in diesen Bereichen Prävention, Intervention und Aufarbeitung. Also das kann wirklich etwas ganz Großes werden“.

Zeitnahes Klären von Fragen zur Organisation, Finanzierung und Zeitplan

Beim Deutschen Olympischen Sportbund heißt es auf Deutschlandfunk-Anfrage, man prüfe „die Voraussetzungen für den Aufbau einer bundesweiten unabhängigen Einrichtung für einen sicheren und gewaltfreien Sport.“ Klärungsbedarf besteht offenbar unter anderem, ob und wie die bereits bestehenden, sportinternen Anlaufstellen für das Thema in eine übergeordnete komplett unabhängige Struktur eingebunden werden können.
Das Bundesinnenministerium sieht das Zentrum für Safe Sport als „Ergänzung zu den bisherigen Aktivitäten im Sport und in staatlichen Stellen“. Fragen zur Organisation, Finanzierung und einem Zeitplan würden zeitnah mit allen Beteiligten geklärt. Athleten Deutschland hat da „einen Vorschlag vorgelegt für die nächsten Monate und auch Jahre bis 2025“, so Maximilian Klein.

Erste Anlaufstellen von "Athleten Deutschland" und BMI

Kurzfristig will der Verein eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene aus dem Spitzensport einrichten. Die soll Mitte des Jahres die Arbeit aufnehmen. Unabhängig davon plant auch das Bundesinnenministerium eine solche Anlaufstelle, zuständig für Betroffene sexualisierter und interpersonaler Gewalt im Spitzen- und Breitensport. BMI und Athleten Deutschland betonen, Doppelstrukturen vermeiden zu wollen.
Diese externe Hilfe für Betroffene ist der erste Schritt in Richtung unabhängiges Zentrum für Safe Sport. Das soll nach Vorstellung von Athleten Deutschland mit umfangreichen Kompetenzen ausgestattet sein, die Missstände wirklich abstellen können, „damit Untersuchungen unabhängig durchgeführt werden können und auf dieser Grundlage dann auch möglicherweise Sanktionen ausgesprochen werden können“.