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StartseiteSport am WochenendeGeschichten für mehr Aufmerksamkeit16.02.2020

Sport-PodcastsGeschichten für mehr Aufmerksamkeit

Analyse und Insider-Wissen statt klassischer Ergebnisberichterstattung: Immer mehr Athleten und Athletinnen erzählen in Podcasts Geschichten aus ihrem Sport. Denn nicht nur für Randsportarten ist es schwierig, im Schatten des Fußballs Platz in der Sportberichterstattung zu bekommen.

Von Mathias Friebe

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Sportlerin beim Training mit Activity-Trackern (imago stock&people / Andrey Popov / Panthermedia)
Rund 6.000 Menschen hören sich im Schnitt den Volleyball-Podcast "Ohne Netz und sandigen Boden an" (imago stock&people / Andrey Popov / Panthermedia)

"Moin und herzlich willkommen zu einer neuen Episode von Eurem Volleyball-Podcast Ohne Netz und sandigen Boden." Über 50 Mal hat der frühere Beachvolleyballer Dirk Funk, der auch einen Basketball-Podcast zur NBA betreibt, schon zum Volleyball-Podcast begrüßt. Eine Sendung, die nicht weniger zum Ziel hat als eine "Revolution der Berichterstattung" über Volleyball: "Indem wir einfach mal neue Wege gehen und nicht die klassische Ergebnis-Berichterstattung, zwei, drei Bilder dazu und ab dafür", erläutert Daniel Wernitz das Projekt.

Mischung aus sportlichen Analysen und Insider-Wissen

Der Beachvolleyballer gehört auch zum Team des Podcasts und will in eine Lücke der Medienberichterstattung stoßen. "Es gibt viel mehr zu erzählen. Aber das passiert einfach nicht, weil Beachvolleyball bisher in den deutschen Medien nicht relevant genug ist und nicht genügend Aufmerksamkeit erfährt." Sportliche Analysen, Insider-Wissen vom Trainingsplatz und aus den Wettkämpfen, aber auch das Geschehen in der Hallen-Bundesliga oder Verbandsthemen: die Palette an Themen, die in den gut anderthalbstündigen Folgen diskutiert werden ist groß. Dabei geht es nur um ein Ziel: Mehr Wahrnehmung. "Unser Ziel ist es, den Sport größer zu machen und dem Sport neue und attraktive Plattformen zu bieten."

Demaskiert: Tagebuch zweier Leistungssportler

Mehr Aufmerksamkeit für den eigenen Sport, aber auf andere Art und Weise. Das versuchen auch die Säbelfechter Max Hartung und Matyas Szabo für ihre Sportart im absoluten Nischendasein. "Hallo und herzlich willkommen zu "Demaskiert", Deutschlands bestem Fecht-Podcast" Der vor allem eins ist: ein Tagebuch zweier Leistungssportler auf dem Weg zu den Olympischen Sommerspielen in Tokio. Woche für Woche berichten sie aus ihrem Alltag, diskutieren aktuelle Themen oder sprechen über besondere Formen des Trainings.

"Wir fokussieren uns eher auf uns persönlich", erklärt Matyas Szabo. Ergebnis-Berichterstattung oder die Leistung der Teamkollegen spielt keine Rolle. Angelegt ist "Demaskiert" als persönlicher Bericht zweier Athleten, die nicht tagtäglich im großen Fokus stehen.

"Wir sind keine Fußballer, die jeden Tag in den Medien sind, und dann können wir auch mal ehrlich sein." Zum Beispiel dann, wenn der Fecht-Weltverband über Regeländerungen nachdenkt, die die Sportler ganz und gar nicht gut finden.

"Was mich so auf die Palme ist, dass es keine wirkliche Erklärung gibt, warum. Man hat das Gefühl, da sind im Weltverband ehemalige Säbelfechter, die irgendwie eine Vorstellung haben, wie sich das gehört, was das wahre, einzige tolle Fechten ist und die nicht wirklich etwas davon verstehen, so eine Sportart weiterzuentwickeln", schimpft Hartung in einer aktuellen Ausgabe auf die Funktionäre.

Podcast und Olympia-Vorbereitung - geht das?

Diskutiert haben er und Szabo auch darüber, ob der Podcast nicht auch störend sein könnte in der Olympia-Vorbereitung. Immerhin benötigen die Fechter pro Episode rund vier bis fünf Stunden für Vorbereitung, Produktion und Verbreitung in den sozialen Medien.

"Es kann aber sein, dass uns das vielleicht sogar hilft. Wir haben Freunde gehabt, die meinten, das könnte auch quasi eine Therapiestunde für uns beide sein, über unsere Sorgen, unsere Meinungen, unsere Gefühle zu reden."

"Ich hatte den Anspruch an mich, dass ich den Leuten einen wirklich Mehrwert liefern wollte, also wo die Leute wirklich etwas lernen", erklärt Ruderer Max Planer sein Konzept, das nicht wie ein Tagebuch aus dem Alltag erzählen will, sondern als Coaching-Format daher kommt.

Gamechanger: Coaching Podcast des Ruder-Weltmeisters Max Planer

"Willkommen bei Gamechanger – Deinem Podcast zur Entfaltung Deiner vollen Potenziale mit Ruder-Weltmeister Max Planer". Die zumeist nur wenige Minuten langen Folgen heißen beispielsweise "Wie ich das Kämpfen gelernt habe" oder "Vom Mobbing-Opfer zum Weltmeister". Planer berichtet aus seiner Karriere, will Interessierten aus dem Sport, aber auch weit darüber hinaus, mit seinen Erfahrungen eine Hilfestellung zu geben. Vor allem gehe es darum, negative Erlebnisse in Positives umzuwandeln.

"Das ist fast meine Hauptaufgabe, dass ich vermitteln will, dass man aus Fehlern lernen kann und sollte, um sich weiterzuentwickeln und dass das ganz wichtig ist. Deswegen geht es auf jeden Fall auch um Ereignisse, die im ersten Moment negativ erscheinen."

Anspruch: Transparent und kritisch sein

Ob nun Coaching-Podcast, das Athleten-Tagebuch der Fechter oder die Volleyball-Berichterstattung. Einig sind sich alle darin, transparent und offen auch mit kritischen Themen umzugehen. "Wir nehmen in unserem Podcast – das liegt uns wirklich am Herzen – kein Blatt vor den Mund", beteuert Fechter Szabo. "Wir reden über kritische Sachen, weil wir das Gefühl haben, dass wir in der Position sind, das zu machen."

Etwa 300 Menschen hören im Schnitt die Folgen des Podcasts an. In ganz anderen Dimensionen bewegen sich die Volleyballer, die auf rund 6.000 Hörer kommen. Beachvolleyballer Wernitz formuliert es diplomatischer, in Negativpresse solle der Podcast nicht ausarten – er solle aber mehr Transparenz verhelfen. "Allerdings nehmen wir uns tatsächlich heraus, Themen, die nicht so gut schmecken, wo wir Verband oder Verbandsentscheidungen oder Teamleistungen einfach mal kritisch betrachten und dann auch einfach mal ganz klar sagen: Auf gut Deutsch das war scheiße, so wie das abläuft!"

Da könne es auch durchaus passieren, dass der Volleyball-Verband nicht glücklich über manche Aussage ist, das gehöre aber dazu. Deshalb könne man den Podcast auch nicht mit vereinseigenen Kanälen wie beispielsweise FC Bayern TV vergleichen."Wir sind niemandem Rechenschaft schuldig. Wir haben niemanden, der uns bezahlt oder wo man in irgendeiner Form meinen könnte, unsere News seien gelenkt oder könnten Interessen verfolgen. Das Problem haben wir überhaupt nicht." Ihr eigenes Interesse, mehr Aufmerksamkeit für sich selbst und ihre Sportart, auch ohne kritische Nachfragen von außen, haben sie damit auch erfüllt.

Hier geht es zu den Podcast der Dlf-Sportredaktion:

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