Dienstag, 01.12.2020
 
Seit 02:57 Uhr Sternzeit
StartseiteSportgesprächZeit, sich einzumischen01.11.2020

Sport und die US-WahlenZeit, sich einzumischen

Der Wahlkampf hat in den USA weite Teile der Gesellschaft erfasst. Auch der deutsch-US-amerikanische Leichtathlet Amos Bartelsmeyer hat seine Wahlentscheidung öffentlich gemacht. Im Dlf diskutiert er mit dem Journalisten Jürgen Kalwa über die Rolle des Sports bei den US-Wahlen.

Amos Bartelsmeyer und Jürgen Kalwa im Gespräch mit Maximilian Rieger

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Viele US-Wähler haben ihre Stimme schon abgegeben - und viele US-Sportler und -Sportlerinnen haben genau dafür Werbung gemacht. (imago images / ZUMA Wire)
In den USA haben viele ihre Stimme schon abgegeben - und viele US-Sportler und -Sportlerinnen haben genau dafür Werbung gemacht. (imago images / ZUMA Wire)
Mehr zum Thema

Rassismusproteste in der NFL Ex-NFL-Profi: Auch Clubbesitzer sollten ein Zeichen setzen

Sportlerproteste gegen Rassismus in den USA "Es hat sich etwas im positiven Sinn verschoben"

Sportgespräch zu US-Fußball „Definitiv keine einfache Zeit“

Politisch aktive US-Fußballfans "Eine Sportart, die deine Werte unterstützt"

Am Dienstag (3.11.) endet in den USA ein Wahlkampf, in dem sich auch Sportlerinnen und Sportler so stark wie vielleicht noch nie politisch engagiert haben. Auch Amos Bartelsmeyer hat sich entschlossen, seine politische Überzeugung in seinen sozialen Netzwerken öffentlich zu machen: "Ich habe Joe Biden gewählt", sagt der Leichtathlet im Dlf-Sportgespräch. Der deutsche Meister 2019 über 1500 Meter hat den Großteil seiner Jugend in den USA verbracht, seine Mutter ist Deutsche, sein Vater US-Amerikaner. Gerade hält er sich in Portland an der US-Westküste auf.

Mit seinen politischen Ansichten an die Öffentlichkeit zu gehen, sei eine bewusste Entscheidung gewesen, erzählt Bartelsmeyer. Angesichts der politischen Entwicklungen der letzten vier Jahre und der damit einhergehenden starken Polarisierung der US-Gesellschaft, habe er es als wichtig empfunden, dass sich auch Leute laut äußern, die normalerweise leise bleiben. So wie er früher.

Der deutsch-amerikanische Läufer Amos Bartelsmeyer bei der Leichtathletik-WM 2019 in Doha, Katar. (www.imago-images.de)Der deutsch-US-amerikanische Läufer Amos Bartelsmeyer bei der Leichtathletik-WM 2019 in Doha, Katar. (www.imago-images.de)

"Wenn solche Leute ihre Meinung äußern, dann wird offensichtlicher, dass eigentlich sehr viele Leute denken, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben sollten. Und jetzt ist die Zeit, dass solche Leute auch mithelfen."

Besonders "wenn es um soziale Gerechtigkeit oder Menschenrechte geht, dann würde ich immer meine Meinung äußern", sagt der 26-Jährige. Vielleicht könne er damit gerade jüngere Menschen erreichen, die sich vielleicht mehr für Sport als für Politik interessieren.  

Die politische Stimmung hat sich verändert

Die Polarisierung und Veränderung der politischen Debatten in den USA der letzten Jahre ist auch Jürgen Kalwa aufgefallen. Seit vielen Jahren beobachtet der Journalist den US-Sport – und vor allem auch die gesellschaftliche Rolle des Sports. Darüber berichtet er unter anderem hier im Deutschlandfunk und in der FAZ. Auch er lebt in den USA, allerdings an der Ostküste. 

US-Sport-Experte und Deutschlandfunk-Autor Jürgen Kalwa. (Deutschlandradio)US-Sport-Experte und Deutschlandfunk-Autor Jürgen Kalwa. (Deutschlandradio)

Kalwa beobachtet, dass sich vor allem schwarze US-Sportler und -Sportlerinnen in den vergangenen Jahren stark in politische Diskussionen eingebracht haben, nicht nur, aber auch im Zusammenhang mit den Protesten und Demonstrationen der Black Lives Matter Bewegung. 

Am 26. August 2020 in Bradenton, Florida: Die WNBA-Team der Washington Mystics mit T-Shirts mit sieben aufgemalten Einschusslöchern. Dem 29-jährigen Schwarzen Jacob Blake war sieben Mal von einem Polizisten in den Rücken geschossen worden.   (ges / ZUMA Wire)Das WNBA-Team der Washington Mystics mit T-Shirts mit sieben aufgemalten Einschusslöchern. (ges / ZUMA Wire)Sportlerproteste gegen Rassismus in den USA - "Es hat sich etwas im positiven Sinn verschoben" Die Anti-Rassismus-Proteste der Sportler in den USA haben einen Effekt, sagte der Literaturhistoriker Hans Ulrich Gumbrecht im Dlf-Sportgespräch. Er habe die Hoffnung, dass der Sommer 2020 der Beginn von etwas Neuem sei. Ein Indiz für ihn: Trumps Kritik an den Sportlern habe an Wucht verloren.

Einige Sportlerinnen und Sportler haben aber auch eigene Organisationen gegründet - so zum Beispiel der Basketballprofi LeBron James: "More Than A Vote" heißt seine Organisation, die dafür kämpft, möglichst viele Menschen wählen zu lassen – etwas, was aufgrund vieler Hürden in den USA nicht selbstverständlich ist.

LeBron James im Trikot der LA Lakers (imago sportfotodienst)LeBron James im Trikot der LA Lakers (imago sportfotodienst)US-Wahl - Wie Sportler zu Wahlkämpfern werden
"Wir wollen den Wechsel - geht wählen": Mit einer großen Kampagne versucht LeBron James Wählerstimmen für die Demokraten zu mobilisieren. Der Basketballprofi ist nicht die einzige prominente Stimme aus dem Sport, die im US-Wahlkampf zu hören ist.

Wie LeBron James unterstützen auch viele andere aktive US-Sportler und -Sportlerinnen im aktuellen Wahlkampf Joe Biden, den Kandidaten der Demokraten. Auf der Seite des republikanischen US-Präsidenten Donald Trump fänden sich dagegen eher ehemalige Sportler/innen oder Funktionäre - vor allem Weiße.

Spannend werde es zu beobachten, welches Lager die eigenen Anhänger besser mobilisieren könne. Denn darauf komme es an im US-amerikanischen Wahlsystem - darin sind sich Amos Bartelsmeyer und Jürgen Kalwa einig. 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk