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StartseiteInterviewSportbund besorgt über Mängel bei Doping-Kontrollen17.01.2007

Sportbund besorgt über Mängel bei Doping-Kontrollen

DOSB-Generaldirektor Vesper: Kontrollsystem muss besser werden

Der Deutsche Olympische Sportbund hat sich besorgt über einen Fernsehbericht geäußert, wonach die Dopingkontrollen in der Bundesrepublik lückenhaft sind. Sein Generaldirektor Michael Vesper sagte, wenn sich die von der ARD geäußerten Vorwürfe bestätigen sollten, müssten drastische Maßnahmen erfolgen. Er forderte die Nationalen Anti-Doping-Behörde NADA auf, ihr Kontrollsystem zu verfeinern.

Moderation: Klaus Remme

Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (AP)
Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (AP)

Klaus Remme: Herr Vesper, Sie bezuschussen die Nationale Antidopingagentur in diesem Jahr mit über eine halbe Million Euro. Ist das Geld gut angelegt?

Michael Vesper: Wir sind natürlich besorgt über den Befund, denn Herr Seppelt gerade dargestellt hat. Ich muss dazu sagen, dass ich noch nicht die Möglichkeit hatte den Film zu sehen, ich werde ihn mir heute Abend ansehen, aber in der Tat muss man, wenn sich diese Vorwürfe bestätigen sollten, dagegen drastisch vorgehen, und da ist auch die NADA aufgerufen, ihr Kontrollsystem so zu verbessern, so zu verfeinern, dass diese Missed-Test-Policy jetzt endlich durchgesetzt wird.

Remme: Missed-Test, das heißt also, Kontrolleure versuchen, den Athleten anzutreffen, dieser ist nicht da?

Vesper: Richtig, also was passiert, wenn ein Athlet sich nicht abgemeldet hat, wenn der Athlet nicht da ist. Nach meinen Informationen, ich habe gestern ein ausführliches Gespräch mit der NADA, mit dem Geschäftsführer, mit einem Vorstandmitglied geführt, nach meinen Informationen wird schon seit längerer Zeit nicht mehr vorher angerufen, also die Kontrollen kommen wirklich überraschend für die Athleten, aber in der Tat kommt es vor, dass Athleten nicht angetroffen werden, dass sie sich nicht abgemeldet haben, und dann muss der ganze Katalog, den Sie eben aufgezählt haben, muss dann natürlich umgesetzt werden, von der öffentlichen Verwarnung bis zu einer Sperre, die dann einem positiven Dopingtest entspricht.

Remme: Wie erklären denn die NADA-Vertreter die Kluft zwischen 400 Tests, die fehlgeschlagen sind, und Sanktionen, die nicht verhängt worden sind?

Vesper: Also diese Zahl 400 ist nicht bestätigt worden von den NADA-Verantwortlichen, das ist wohl eine statistische Ableitung. Ich vermute, dass die NADA dazu heute oder morgen Stellung nehmen wird, was diese konkrete Zahl angeht. In der Tat ist es so, dass Sportler teilweise diesen Verpflichtungen nicht nachgekommen sind, dass teilweise aber auch die Verbände Meldungen nicht vorgenommen haben, auf die sich an sich die Sportler verlassen haben. Es wäre schon einmal gut, Herr Remme, wenn die drei Säulen, auf denen die Dopingbekämpfung beruht, nämlich zum einen der internationale Fachverband, dann der nationale Fachverband und schließlich unsere Nationale Antidopingagentur, wenn diese drei Säulen besser ihre Systeme aufeinander abstellten. Auch die Systeme der An- und Abmeldung von Sportlern, das scheint bisher nicht in allen Fällen so zu funktionieren, wie wir uns das wünschen, und dann bin ich auch optimistisch, dass dieses Problem von der NADA in den Griff bekommen wird.

Remme: Herr Vesper, die NADA soll die Athleten kontrollieren. Wer kontrolliert die NADA?

Vesper: Die NADA wird kontrolliert durch ein Kuratorium, das besetzt ist unter anderem auch aus der Politik. So ist zum Beispiel Herr Danckert, der Vorsitzende des Deutschen Sportausschusses, Mitglied dieses Kuratoriums, aber auch Mitglieder des Präsidiums des Deutschen Olympischen Sportbundes. Die NADA ist eine unabhängige Organisation, und sie hat alle Möglichkeiten, diese Themen aufzugreifen und diese Probleme zu beseitigen.

Remme: Es wird der Ruf nach gesetzlichen Regelungen laut. Glauben Sie, der Versuch diese Probleme durch den Sport allein und intern zu regeln ist fehlgeschlagen?

Vesper: Nein, das hat der Sport nie behauptet, dass er das Dopingproblem allein in den Griff bekommen könnte, sondern wir müssen eine effiziente Zusammenarbeit mit dem Staat umsetzen, und deswegen sind wir sehr froh, dass Herr Schäuble, der Bundesinnenminister, auf unserer Mitgliederversammlung im Dezember ein ganzes Paket an gesetzlichen Maßnahmen angekündigt hat, wie Verschärfung des Arzneimittelgesetzes, die Erhöhung des Strafrahmens, die dann Überwachung der Telekommunikation, Hausdurchsuchungen etcetera ermöglicht. Also natürlich müssen Sport und Staat an dieser Stelle zusammenarbeiten, und wir müssen alle unsere Systeme verbessern und effizienter machen.

Remme: Michael Vesper war das, der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes.

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