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StartseiteSport am WochenendeSportförderung ohne Transparenz28.08.2011

Sportförderung ohne Transparenz

Wie Innenministerium und DOSB die Finanzierung des Sports verschleiern

241 Millionen Euro zahlen die Bundesministerien in diesem Jahr dem Sport. Aber gegenüber der Öffentlichkeit werden zum Beispiel die zwischen Politik und Sport getroffenen "Zielvereinbarungen" und "Meilenstein-Gespräche" geheim gehalten - gegen den Widerstand sogar von Berliner Parlamentariern.

Von Daniel Drepper

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ist zugleich auch Sportminister. (AP)
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ist zugleich auch Sportminister. (AP)

Eigentlich sollte das doch kein Problem sein: Wer wissen will, wie viel Steuergeld jeder einzelne Verband bekommt, fragt einfach jeden einzelnen Verband. Doch falsch gedacht. Der Deutschlandfunk bat vor wenigen Wochen fünf Verbände um ihre Zahlen, nur der Badmintonverband gab Auskunft. Andere verwiesen auf den Deutschen Olympischen Sportbund und das Innenministerium oder verweigerten sogar ganz. Praxistext durchgefallen.

Eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion hat nun doch ans Licht gebracht, welcher Verband wie viel bekommt. Das Innenministerium listet in seiner Antwort die Förderung ab 2007 auf. Krösus unter den 33 olympischen Verbänden ist, wie nicht anders zu erwarten, der Leichtathletik-Verband. Mehr als fünf Millionen Euro bekommen die Leichtathleten in diesem Jahr. Es folgen Schwimmer, Ruderer, Bobpiloten und Kanuten. Geld gibt es auch für einige nicht-olympische Sportarten, darunter Billard, Boule und Minigolf. Gar kein Geld bekommen dagegen reiche Verbände wie Golfer und Fußballer.

Das Geld für die Verbände ist aufgeteilt in Grund- und Projektförderung. Die Grundförderung ist jeweils für einen Olympiazyklus weitgehend festgelegt, die Projektförderung ist dagegen flexibel. Der Anteil der flexiblen Projektförderung liegt insgesamt bei etwa 30 Prozent, schwankt aber von Verband zu Verband.

Die Grundförderung wird nach relativ festen Kriterien verteilt. Hier zählt, wie viele Wettbewerbe die jeweilige Sportart im olympischen Programm hat, wie viele Deutsche starten und wie viele Medaillen die Athleten mit nach Hause bringen. Komplizierter wird es bei der Projektförderung. Diese erfand der deutsche Sport nach der Gründung des DOSB im Jahr 2006. Mit der Projektförderung sollen besonders kreative und engagierte Verbände belohnt werden.

Eine sportfremde Unternehmensberatung hatte dem DOSB damals empfohlen, so genannte Zielvereinbarungen mit den Verbänden abzuschließen. Darin werden erstens Ziele zwischen DOSB und Fachverband verhandelt und zweitens auch die dazu nötigen Maßnahmen festgelegt. Auf dieser Basis wird die Projektförderung verteilt.

Jedes Jahr treffen sich DOSB und Fachverband, um den Fortschritt zu überprüfen und die Förderung im Zweifel anzupassen. Die Zielvereinbarungen und jährlichen Gesprächsprotokolle halten Innenministerium und Sport aber geheim. Und das, obwohl auf Grundlage dieser Dokumente jedes Jahr ein zweistelliger Millionenbetrag vergeben wird.

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