Donnerstag, 09.04.2020
 
Seit 16:10 Uhr Der Kultur-Nachmittag
StartseiteSport am WochenendeWenig Geld für Behindertensportler28.08.2016

SportförderungWenig Geld für Behindertensportler

Spitzensportler mit und ohne Behinderung warten gespannt auf die neuen Strukturen, die das zuständige Innenministerium und der Deutsche Olympische Sportbund schaffen wollen. Bisher ist der Vergleich zwischen beiden ernüchternd.

Von Robert Kempe

Paralympics London - Das Finale im Rollstuhlbasketball der Frauen, das Deutschland gegen Australien gewann (Daniel Karmann/dpa/picture-alliance)
Paralympics London - Das Finale im Rollstuhlbasketball der Frauen, das Deutschland gegen Australien gewann (Daniel Karmann/dpa/picture-alliance)

Die Kluft zwischen dem Spitzensport der Menschen mit Behinderung und dem Spitzensport ohne Behinderung – sie ist groß. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor.

So stehen zum Beispiel in den Sportfördereinrichtungen des Bundes -  also Zoll, Bundespolizei und Bundeswehr  - 906 Arbeitsplätze für Spitzensportler ohne Behinderung zur Verfügung. Dazu kommen noch 71 Trainer, die dort beschäftigt werden. In den Einrichtungen werden dem entgegen aber nur 6 Spitzensportler mit Behinderung beschäftigt und kein Trainer. Für den sportpolitischen Sprecher der Linkspartei André Hahn sind solche Zahlen ernüchternd: "Wenn man das Fazit zieht, dann wird der Behindertensport von der Bundesregierung eher stiefmütterlich behandelt. Und auch gegenüber der sonstigen Sportförderung über den DOSB eindeutig benachteiligt."

Kaum hauptamtliche Trainer

So gibt es im Deutschen Behindertensportverband 44 Nationalmannschaften aber nur 7 hauptamtliche Trainer. Der Großteil der Betreuer sind Honorarkräfte. Im Spitzensport ohne Behinderung gibt es 290 Bundestrainer, die hauptamtlich beschäftigt sind. Als Anlaufstelle für das Training sollen den Spitzensportlern mit Behinderung vor allem die  Olympiastützpunkte dienen, so die Bundesregierung. Die Betreuung sei dort gleichgestellt.

Auf ein Problem dabei verweist der Linkenpolitiker André Hahn: "Wenn man dann aber weiß, dass nur 37 Prozent der Olympiastützpunkte barrierefrei sind, dass heißt im Umkehrschluss sind das 63 Prozent eben nicht, fast zwei Drittel, wo Behinderte gar keine Zugangsmöglichkeiten haben in ausreichender Weise, dann ist das natürlich überhaupt nicht machbar für viele, diese Olympiastützpunkte zu nutzen. Und auch hier ist am Ende der Bund gefordert, die entsprechende Förderung zu gewährleisten."

Bedeutung bei der Neustrukturierung?

Im Zuge der geplanten Spitzensportreform planen BMI und DOSB derzeit eine Reduzierung der Olympiastützpunkte. Für Behindertensportler könnten die Wege damit noch zunehmen. Ohnehin wird abzuwarten sein, welche Bedeutung durch die Neustrukturierung im deutschen Leistungssport dem Behindertensport zukommt.

Zwar sind die Fördermittel des Deutschen Behindertensportverbandes in den letzten Jahren gestiegen, derzeit erhält der DBS 3,2 Millionen Euro – doch forderte der Verband bereits 2013 rund 4,6 Millionen Euro Förderung, um bei den gestiegenen internationalen Anforderungen mitzuhalten. Die Bundesregierung hält in ihrer Antwort fest, dass es ihr ein unverändertes Anliegen sei, eine führende Sportnation zu sein. Demnächst beginnen im Bundestag die Haushaltsdebatten. Die Linkspartei hat bereits angekündigt, sich für eine stärkere Unterstützung des Behindertensports einzusetzen.

Den vollständigen Beitrag können Sie mindestens sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk