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StartseiteSportgespräch"Eine Operation am offenen Herzen"17.12.2017

Sportgespräch"Eine Operation am offenen Herzen"

Das Streitthema der Bundesliga ist der Videobeweis. Die erhoffte Klarheit gab es zu selten, zu viele Situationen blieben umstritten. Über die Gründe diskutieren wir mit dem dreimaligen Weltschiedsrichter Dr. Markus Merk und dem Schiedsrichterexperten Alex Feuerherdt von "Collinas Erben".

Markus Merk und Alex Feuerherdt im Gespräch mit Marina Schweizer

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Videobeweis in der Bundesliga (imago sportfotodienst)
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Die Einführung des Videobeweises in der Bundesliga sei ein großer Schritt im Fußball, findet Markus Merk. Dass der Eingriff in den Fußball jetzt so groß ausgefallen sei, hätte er allerdings nicht vermutet. Der Einsatz technischer Hilfsmittel solle zum Besseren, zum Gerechteren führen. Daran würde gearbeitet, müsse jedoch auch noch weiter gearbeitet werden.

Die Diskussion müsse wieder versachtlicht werden, meint Alex Feuerherdt. Von 35 Videoentscheidungen seien 27 in die richtige Richtung korrigiert worden. Das bedeute natürlich auch, dass acht richtige Entscheidungen in falsche umgewandelt worden seien. Nicht mit eingerechnet seien Situationen, in denen der Videoschiedsrichter nicht eingegriffen habe. 

 (Stefanie Fiebrig)Schiedsrichter, Lektor und freier Publizist Alex Feuerherdt (Stefanie Fiebrig)

In den letzten Jahren hätten viele gedacht, dass der Videobeweis die ultima ratio der Gerechtigkeit wäre. "Die hundertprozentige Gerechtigkeit werden wir nicht erlangen", gesteht Markus Merk. Jetzt sei Geduld von allen Seiten gefragt. Auch Alex Feuerherdt mahnt zur Geduld: "Wir befinden uns in einer Testphase – das ist eine Operation am offenen Herzen." Transparenz fordern beide.

"Die Schiedsrichter haben sich meines Erachtens immer weiter zurückgenommen. Menschlich absolut verständlich: Du hast irgendjemanden als Backup irgendwo sitzen, der dich vielleicht in deiner Entscheidungsfindung unterstützt. Auf der anderen Seite sind die Videoassistenten im Studio in Köln immer stärker geworden", so Merk.

Die Kommunikation muss besser werden

Er verweist auf den Sinn des Begriffs "Assistent": "Die erste verantwortliche Position, die hat der Schiedsrichter auf dem Spielfeld und die muss er leben und ausführen." Wichtig sei aber der Teamgedanke, auch wenn man nicht zusammen auf dem Feld stehe. Daher wäre es auch seiner Sicht sehe von Vorteil, wenn feste Teams gebildet würden. 

Alex Feuerherdt pflichtet Merk in diesem Punkt bei. Gerade in der Kommunikation zwischen dem Schiedrichter und dem Videoschiedsrichter müsse sich noch ein Lernprozess einstellen: "Da braucht es eben auch ein bisschen Geduld."

Der ehemalige Schiedsrichter Markus Merk, aufgenommen am Montag (18.07.2011) im Kurfürstlichen Schloss in Mainz. Die Fußball-Zeitschrift "11Freunde" ehrte in Mainz herausragende Protagonisten der abgelaufenen Saison 2010/2011 mit Preisen in verschiedenen Kategorien. Foto: Fredrik von Erichsen dpa/lrs | Verwendung weltweit (dpa)Der ehemalige Schiedsrichter Markus Merk (dpa)

Der Druck der auf den Schiedsrichtern laste, sei enorm, meint Alex Feuerherdt. Spieler, Stadionbesucher und Fernsehzuschauer würden eine möglichst schnelle Entscheidung erwarten. Da müsse man erstmal einen Umgang mit finden und das sei für viele Schiedsrichter nicht leicht.

"Das ist ein großer Druck, aber auch ein positiver Druck. Und die müssen mit diesem Druck umgehen können", so Markus Merk. Insgesamt sei der Videobeweis aber eine Erleichterung für die Schiedsrichter.

Akzeptanz über Transparenz schaffen

"Ein zentrales Problem ist die sehr mangelhafte Kommunikation und die sehr mangelhafte Transparenz des DFB gewesen", meint Feuerherdt. Man müsse die Leute mitnehmen und das sei nicht geschehen. Man habe versäumt den Fans zu erklären, wie so eine Entscheidung zustande gekommen sei. Nur wenn der DFB dies täte, könne eine Akzeptanz geschaffen werden. 

Das gesamte Gespräch können Sie mindestens sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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