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StartseiteSportgespräch"Nicht Everybody’s Darling"10.12.2017

Sportgespräch"Nicht Everybody’s Darling"

Nach 11 Jahren ist für den Vorstandsvorsitzender des DOSB Michael Vesper Schluß. Auf seiner Abschiedstour schaut er auch bei uns zum Sportgespräch vorbei. "Ich bin einer, der versucht seinen Job gut zu machen", zieht er rückblickend Bilanz.

Michael Vesper im Gespräch mit Astrid Rawohl und Matthias Friebe

Michael Vesper, Vorsitzender des DOSB, im Deutschlandfunk Sportgespräch (Dlf / Jessica Sturmberg)
Michael Vesper, Vorsitzender des DOSB, im Deutschlandfunk Sportgespräch (Dlf / Jessica Sturmberg)
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Die drei gescheiterten deutschen Olympiabewerbungen seien ganz bittere Momente in seiner Karriere beim DOSB gewesen. Man habe versäumt auf die Partzipation der Bürger zu setzen und ihnen ein Mitspracherecht einzuräumen. Viele Teilnehmer würden sich jetzt aber wohl lieber auf 'München 2018' als auf Pyeongchang vorbereiten.

Michael Vesper sei auch mit Blick auf Russland nicht froh, dass die Bewerbung gescheitert sei. "Natürlich ist das was mit Russland passiert absolut inakzeptabel. Das ist ein Angriff auf die Integrität der olympischen Bewegung und des olympischen Wettbewerbs", meint er. Allerdings würde es ihn natürlich sehr freuen, wenn die Olympischen Spiele nochmal in den Alpen stattfinden würden. 

Astrid Rawohl und Matthias Friebe im Gespräch mit dem Vorsitzenden des DOSB Michael Vesper (Dlf / Jessica Sturmberg)Astrid Rawohl und Matthias Friebe im Gespräch mit dem Vorsitzenden des DOSB Michael Vesper (Dlf / Jessica Sturmberg)

Das Argument der Nachhaltigkeit der Spiele für eine Stadt würde immer noch zählen. München '72, Barcelona '92 und London 2012 seien beste Beispiele dafür. Außerdem gehe es dabei auch darum, den Sport nach vorne zu bringen - den Spitzen- als auch den Breitensport.

Die Olympischen Spiele könnten wie ein Katalysator wirken: "Das IOC hat sich spätestens seit der Agenda 2020 das Thema Nachhaltigkeit sehr auf die Fahnen geschrieben und will Prozesse auslösen, die dauerhaft den Menschen nutzen." Die Spiele seien wie ein Konjunkturprogramm für den Sport.

Konzept mit überwältigender Mehrheit verabschiedet

"Es gibt kein zerüttetes Verhältnis zwischen Sport und Politik", so Vesper. Die Leistungsportreform sei allerdings auch ein "dickes Brett", das zu bohren sei. Das Problem sei, dass Sport, Länder, Bund und die Spitzenverbände so koordiniert werden müssten, dass die Reform dann auch umgesetzt würde.

Das Konzept sei im vorherigen Jahr mit überwältigender Mehrheit verabschiedet worden und die Bundesregierung habe dieser auch zugestimmt. Jetzt dauere es mit der Finanzierung bis eine neue Regierung im Amt sei und den Haushalt verabschiede.

Reform dient der Unterstützung der Athletinnen und Athleten

"Natürlich richtet sich eine Leistungsportreform darauf, mehr Erfolge zu erzielen", gesteht Michael Vesper. Die ganze Reform diene dazu die Athletinnen und Atleten zu unterstützen. Das sei keine reine Athletenförderung, sondern auch die Infrastruktur wie Trainer und Trainingsbedingungen seien bedacht.

"Wir wollen nicht Medaillen um jeden Preis." Es gebe einige Grundsätze: Ein glaubwürdiger Antidoping-Kampf und weiterhin eine sehr breite Sportaufstellung. Man werde sich nicht auf zwei oder drei Sportarten konzentrieren. 

Michael Vesper, Vorsitzender des DOSB, im Deutschlandfunk Sportgespräch (Dlf / Jessica Strumberg)Michael Vesper, Vorsitzender des DOSB, im Deutschlandfunk Sportgespräch (Dlf / Jessica Strumberg)

Die Gründung des Vereins "Athleten Deutschland" "ist auch ein bißchen hochgejazzt worden", findet Vesper. Man sei in sehr guten Gesprächen und der DOSB tue alles, um die Athleten zu unterstützen. Die Gründung des Vereins sehe er nicht als Kritik, sondern eher als ein "Ad-on" für die Athleten. 

Rückblickend müsse er sagen, dass seine Arbeit es nicht zugelassen habe, "Everybody’s Darling" zu sein. Man könne es nicht jedem Recht machen. Sein Führungsstil sei immer freundlich gewesen, aber manchmal habe er eben die Richtung vorgeben und manche Dinge durchsetzen müssen: "Ich bin einer, der versucht seinen Job gut zu machen." 

Das gesamte Gespräch können Sie mindestens sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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