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StartseiteSport am Wochenende"Für das FBI ist Villar Llona das Puzzleteil"29.07.2017

Sportpolitik"Für das FBI ist Villar Llona das Puzzleteil"

Der suspendierte spanische Fußball-Verbandschef Villar Llona hat diese Woche alle seine Ämter im Fußball abgelegt. Was diese Verhaftung im FIFA-Korruptionsskandal bedeutet, sagte Thomas Kistner von der Süddeutschen Zeitung im Dlf. "Es geht auch um die Frage, inwieweit Katar die Fußball-WM zugeschanzt bekommen hat."

Thomas Kistner im Gespräch mit Klaas Reese

Der ehemalige spanische FIFA-Funktionär Angel Maria Villar Llona (JOE KLAMAR / AFP)
Der ehemalige spanische FIFA-Funktionär Angel Maria Villar Llona (JOE KLAMAR / AFP)
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"Der Fall zeigt das Kernproblem des Weltsports, nicht nur im Fußball. Villar Llona war seit 1988 Präsident des spanischen Fußballverbandes. Das ist desaströs für die Aktiven für den Sport", sagte Thomas Kistner von der Süddeutschen Zeitung im Deutschlandfunk. 

Denn verbringen Sportfunktionäre Jahrzehnte an der Spitze eines Verbandes, ohne durch eine Amtszeitbeschränkung, eingeschränkt zu werden, begünstige dies Vetternwirtschaft und Korruption. Kistner beschrieb Villar Llona als "Paradefunktionär", der sich sofort mit Getreuen umgeben haben und sich sein Stimmvolk mit Zugeständnissen besorgt habe. 

"Sohn und Schwiegertochter als Strohleute"

Gegen Villar wird unter anderem wegen Korruption, Fälschung und Unterschlagung ermittelt. Ihm wird vorgeworfen, Geld des Verbandes veruntreut zu haben. Unter anderem habe er Spiele der spanischen Nationalelf arrangiert, woran auch sein Sohn Gorka mitverdient haben soll. Villar junior war bis zum vergangenen Jahr Generalsekretär des südamerikanischen Fußballverbandes CONMEBOL.

Kistner sagte, dass der Sohn und auch die Schwiegertochter als Strohleute für den Spanier fungiert hätten. "Wer ist vertrauenswürdiger als das eigen Fleisch und Blut?"

Der Journalist Thomas Kistner (imago stock & people)Der Journalist Thomas Kistner (imago stock & people) 

Kommt auch der FIFA-Präsident in Bedrängnis?

Der sportpolitische Experte der Süddeutschen Zeitung warf das Schlaglicht auf den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Dieser müsse sich durch die Verhaftungen Sorgen machen. "Der Schweizer hat seine treueste Wählerbasis in Südamerika." Dort habe der Sohn von Villar Llona geherrscht. Außerdem sei Infantino in UEFA-Geschäfte in Südamerika verwickelt, die im Zuge der Panama Papers an die Öffentlichkeit gestoßen seien. 

Für das FBI sei Villar Llona das Puzzleteil, um die Vetternwirtschaft von drei anderen korrupten Figuren zu durchleuchten: Ricardo Teixeira, Ex-Präsident des brasilianischen Fußballverbandes, Jérôme Valcke, ehemaliger FIFA-Generalsekretär und dem früheren Präsidenten des FC Barcelona, Sandro Rosell. "Hier geht es vor allem auch um die Frage, inwieweit und auf welche Art Katar die Fußball-WM zugeschanzt bekommen hat", schilderte Kistner. 

So habe allein Rosell 30 Millionen Euro für Beraterdienste für Katar in Rechnung gestellt. "So viel Geld geben andere nicht mal für die komplette Bewerbungskampagne aus und im Sport steht das Wort Beratungsleistung ja quasi als Synoym für Bestechung." 

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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