Sonntag, 15.12.2019
 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
StartseiteCampus & KarriereKeine Strafe für Sportmuffel07.11.2015

Sportunterricht ohne NotenKeine Strafe für Sportmuffel

Sport ohne Leistungsdruck motiviert. Das zeigt das Kölner Schiller-Gymnasium. Hier bekommen Schüler bis zur 8. Klasse keine Noten. Denn im Vordergrund steht die Begeisterung für Schulsport und regelmäßige körperliche Bewegung.

Von Miriam Berger

Kinder an den Kletterstangen (imago/Kristin Schnell)
Statt Noten gibt es am Kölner Schiller-Gymnasium ausführlichen Rückmeldebogen mit Tipps im Sportunterricht (imago/Kristin Schnell)

"So, wisst ihr noch, in welchen Teams ihr wart?"
"Jaa!"
"Ja? Soo, daaann... das Team von Nikolaus..."

Sportunterricht am Schiller-Gymnasium in Köln. Mit ihrer Lehrerin Lena Silberhorn bereiten sich die Schüler der 6c auf ein Handballturnier gegen die Parallelklasse vor. Der Sport hat an dieser Schule einen ungewöhnlichen Stellenwert. Vier Stunden in der Woche für die Sechstklässler, sogar fünf Stunden sind es bei den Fünftklässlern. Das bedeutet: Ein Tag ganz ohne Sport ist in der Unterstufe des Schiller-Gymnasiums eher die Ausnahme. Viel Bewegung sei besonders für die jüngeren Kinder wichtig, sagt Simon Guardiera, der sich als Fachvorsitzender um den Sportunterricht kümmert:

"Die kommen hierhin, der Übergang von Grundschule auf Gymnasium ist noch mal was ganz anderes, ne sehr große Schule, die sind sehr aufgeregt, wenn sie kommen, die müssen viel stillsitzen, was sie aus der Grundschule nicht so gewohnt sind. Und gerade jüngere Schüler sind bewegungsfreudiger, das heißt, die müssen auch was machen, sodass das auch ein bisschen zur Phase des Lebens passt."

Eine Stunde Sport am Tag – Wissenschaftler sind sich längst einig, dass das den Schülern guttut. Doch nur wenige Schulen setzen das didaktische Konzept bisher in die Praxis um. Dabei hat viel Bewegung einen positiven Nebeneffekt: Die Schüler können sich auspowern und in den anderen Fächern dann besser konzentrieren.

"An Tagen, wenn Sportlehrer krank sind, merkt man das immer. Dann kriegt man manchmal so eine Rückmeldung, boah heute war die Klasse aber unausstehlich, wo warste denn? Und dann sagt man ja, ich war krank und die konnten keinen Sport machen – da merkt man das dann schon."

Keine Noten bis zur 8. Klasse

Eine weitere Besonderheit ist: Die Schüler bekommen bis zur achten Klasse keine Noten im Fach Sport. Stattdessen gibt es einen ausführlichen Rückmeldebogen mit Tipps, wie sie sich zum Beispiel in ihrer Teamfähigkeit oder in bestimmten Sportarten noch verbessern können. Auch gibt es Lob für besondere Fortschritte. Das motiviere besonders die Kinder, die von Haus aus nicht ganz so sportlich sind.

"Das Gefühl, so einen individualisierten Bogen zu haben, wo ich sehe, was ich gut kann, ist natürlich viel, viel schöner als Note: Drei oder Note: Vier, was dann relativ plump ist und was auch bei Schülern nicht gut wirkt."

Und was sagen die Schüler dazu?

"Da wird kurz etwas geschrieben, wie wir uns da verhalten im Sportunterricht, und auch Tipps, also ich find das besser so."
"Da sind dann die einzelnen Sportarten draufgeschrieben und wie gut man in den jeweiligen Sportarten ist, und wenn man so ´ne Gesamtnote hat, dann weiß man ja nicht, wo man sich verbessern soll und so weiß man auch halt, wo man was anders machen kann. "

Auch der Unterricht gestaltet sich ohne Noten ein bisschen anders, wie Simon Guardiera bestätigt.

Freude an der Bewegung im Fokus

"Das kennt man vielleicht früher aus dem Sportunterricht, alle treten an zum Weitsprung, alle müssen springen und der Lehrer steht dann da mit dem Maßband und dem Notenheftchen und der Tabelle und sagt dann, so das war ´ne Drei, das war ´ne Zwei, das gibt's bei uns mehr oder weniger eigentlich nicht, weil wir ja keine Noten geben wollen, sondern bei uns geht's dann eher darum, okay die Schüler üben das und notieren dann vielleicht selber, wie gut sie waren und notieren ihren Fortschritt auch selber vielleicht und merken, oh das klappt viel, viel besser! Und Fortschritt ist sehr individuell, der kann beim einen fünf Zentimeter beim Weitsprung sein, der kann beim anderen 20 Zentimeter sein, trotzdem ist es bei beiden ein Fortschritt, trotzdem ist beides sehr positiv zu bewerten und ich möchte das auch gar nicht mehr in ´ne Note ummünzen, das find ich sogar gar nicht sinnvoll."

Im Vordergrund steht die Freude an der Bewegung – ohne Leistungsdruck. Das Ergebnis: Viele Schüler haben mehr Spaß am Unterricht.

"Wir wollen niemanden dafür bestrafen, dass er nicht sportlich ist, sondern wir wollen eben das Positive hervorheben, um den Schülern klarzumachen: Sport ist was Schönes, für jeden, auf seinem Niveau, und das sollte er mit möglichst viel Freude weitermachen."

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk