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StartseiteCampus & KarriereFerienprojekt „Deutschsommer“ für Grundschüler06.08.2019

SprachförderungFerienprojekt „Deutschsommer“ für Grundschüler

Ein kostenloses Feriencamp für Drittklässler soll helfen, ihr Deutsch zu verbessern. Ziel ist es, sie auf einen höheren Bildungsweg vorzubereiten. Das spendenfinanzierte Projekt aus Münster hat sich bewährt: Fast alle Teilnehmer der letzten Jahre konnten danach problemlos auf das Gymnasium wechseln.

Von Almut Horstmann

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Die neunjährige Cora schreibt, beobachtet von Klassenlehrerin Anne John, in der Freien Schule in Bröbberow an die Schultafel. (dpa / picture alliance / Jens Büttner)
Teilnehmende Kinder verstehen aufgrund von sprachlichen Defiziten oft den Inhalt schriftlicher Aufgaben nicht (dpa / picture alliance / Jens Büttner)
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Montagmorgen neun Uhr in der Pausenhalle der Hauptschule in Münster Hiltrup. 56 Jungen und Mädchen tanzen und singen ausgelassen, wie auf einem Kindergeburtstag. Alle besuchen die dritte Klasse einer Grundschule in den verschiedenen Stadtteilen und haben alle nur ein Ziel:

"Ich möchte ein bisschen besser Deutsch lernen, für die Schule möchte ich auch noch besser vorbereitet sein, für die vierte Klasse."

"Damit ich besser Deutsch sprechen kann."

"Damit ich bessere Noten krieg‘ und ich will auch auf‘s Gymnasium."

"Weil ich gut in der Schule werden will, damit ich etwas werden kann, damit ich studieren kann."

Dafür verzichten Awa, Emma Maxi und Ada gerne auf den Freibadbesuch. In kleinen Gruppen haben sie sich auf vier Klassenräume verteilt. Zunächst wiederholen die Kinder den Stoff der letzten Stunde. Ewin und Angelina haben den Unterschied von Nomen, Verben und Adjektiven verstanden:

"Nomen werden halt groß geschrieben und Adjektive werden klein geschrieben. Verben auch"

"Straße ist ein Nomen, Haus ist ein Nomen, Geräusch ist ein Nomen. Denkt ist ein Verb, billig, gründlich, sonderbar, lebhaft, das sind alles Adjektive."

Dann wiederholen die Kinder gegensätzliche Begriffe:

"Lieb-böse, traurig-glücklich, stark-schwach, schön-hässlich, einfach-schwer."

Deutliche Defizite

Die Deutschlehrerin Angelique Schröder ist zufrieden. Gemeinsam mit einer Kollegin gestaltet sie den dreiwöchigen Unterricht. Die meisten Kinder hier sprechen mit ihren Eltern zu Hause kaum Deutsch, sondern arabisch, portugiesisch, russisch, polnisch, vietnamesisch oder türkisch und haben deshalb deutliche Sprachdefizite:

"Die Kinder lernen grammatikalische Strukturen zu erkennen, auch ihr Sprachgefühl weiter auszubauen, die Satzstruktur lernen sie näher kennen und wir wollen den Wortschatz erweitern und können das dann eben auch in ihre Alltagssprache integrieren und können dann in der Schule viel besser mitarbeiten und sich auch in der Schule viel besser bildungssprachlich ausdrücken."

Genau daran hapert es bei den teilnehmenden Kindern, die zwar die deutsche Umgangssprache mehr oder weniger gut beherrschen, aber spätestens bei schriftlichen Aufgaben nicht mehr mithalten können, weil sie den Inhalt nicht verstehen. Das Ferienprojekt "Deutschsommer" richtet sich ganz bewusst an Grundschüler der dritten Klasse. Das sei gerade noch rechtzeitig, bevor die Weichen für den weiteren Bildungsweg gestellt werden, meint Martina Keimann, die Sprecherin der Stiftung "Mitmachkinder", die das Projekt in Münster durch Spenden finanziert:

"Das Ziel des Deutschsommers ist es, Kinder, die von der dritten in die vierte Klasse wechseln, in Deutsch nochmal richtig zu fördern, denen noch mal so einen richtigen Schub zu geben, dass die dann eben auch gut in die weiterführenden Schulen wechseln zu können. Die Kinder, die hier teilnehmen, hätten normalerweise nicht die Möglichkeit, so eine intensive, zusätzliche Förderung zu bekommen und wir haben festgestellt, dass diese Kinder auch tatsächlich so viel davon mitnehmen, dass sie auf eine höhere andere Schulform wechseln können, was früher nicht der Fall war."

Problemlos zum Gymnasium

Nach vier Stunden Deutschunterricht können sich die Kinder nachmittags beim Malen oder Musikmachen, bei Spiel oder Sport ausprobieren und dabei auch gleich noch Deutsch üben. Das Förderprogramm hat sich in der Vergangenheit bewährt. Durchschnittlich 95 Prozent der Teilnehmer in den letzten drei Jahren konnten sich sprachlich verbessern und problemlos auf das Gymnasium wechseln. Allerdings müssen die Acht- bis Zehnjährigen zuvor in der Schule auch schon einen Test machen, bei dem es um ihre Fähigkeiten für einen höheren Bildungsweg geht.

Wer hier gut abschneidet, aber sprachlich nicht ganz so fit ist, kann am kostenlosen Deutschsommer teilnehmen. Die Kinder im Münsteraner Feriencamp sind froh, dass ihre Eltern den Empfehlungen ihrer Lehrer gefolgt sind und sie angemeldet haben. Geradezu ehrgeizig sind sie bei der Sache und Ada, Awa und Maxi wissen auch schon, was sie später einmal werden wollen:

"Ich will Bankkaufmann werden, weil ich da viel Geld verdiene."

"Ich möchte mal Ärztin werden."

"Vielleicht Schauspieler, Schauspieler müssen gut Deutsch lernen, damit sie ihre Texte gut können, Schauspieler müssen gut Deutsch können."

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