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StartseiteCampus & KarriereBessere Chancen mit Fremdsprachenkenntnissen02.10.2015

SprachkurseBessere Chancen mit Fremdsprachenkenntnissen

Immer mehr deutsche Universitäten verlangen mittlerweile ein Fremdsprachenzertifikat, bevor der Masterstudiengang beginnen kann. Gefragt ist besonders englisch. Das ist ein Millionengeschäft für viele Sprachprüfungsorganisationen, denn die Tests kosten 150 Euro oder mehr. Es gibt aber auch günstigere Möglichkeiten.

Von Kai Rüsberg

Begrüßung der Erstsemester an der Westfälische-Wilhelms-Universität in Münster. 5400 Studenten haben zum Wintersemester 2014/2015 ihr Studium aufgenommen  (imago / Rüdiger Wölk)
Mit Deutsch allein kommt man im Studium nicht weit. In vielen Fächern sind Fremdsprachen-Kenntnisse gefragt. (imago / Rüdiger Wölk)

"Englisch ist schon wichtig bei uns. Je nachdem wo man sich bewirbt, ist ein Zertifikat gut."

"Ja natürlich kostet das Geld. Aber man kommt nicht drumherum. Man verdient ja auch hinterher Geld, wenn man zertifiziert bekommt, dass man in Englisch gut ist."

Für Patrick Schmidt und Simon Lucht, beide Masterstudenten der Molekularbiologie, ist es keine Frage, dass sie vor dem Berufsstart noch eine Zertifikatsprüfung machen werden, mit der sie ihre Sprachfertigkeit beweisen - die englische. Denn diese Fremdsprache dominiert inzwischen den gesamten Wissenschaftsbetrieb in Deutschland. An der Westfälischen Hochschule werden formale Sprachbescheinigungen bislang noch nicht verlangt, aber die Sprache ist wichtig, sagt der schottisch-stämmige Professor für Wirtschaftsingenieurwesen, Charles McKay.

"Im Bachelor Studiengang wird ein Teil auf Englisch gehalten. Ich weise meine Studenten auf Englisch hin, weil die Exportindustrie darauf orientiert ist."

Alle Tests sind standardisiert und die Prüfungsbedingungen streng

Viele Masterstudiengänge auch staatlicher Hochschulen verlangen inzwischen einen solchen formalen Sprachnachweis, teils verbunden mit einer Mindestnote. Drei internationale Zertifikate sind im englischen Sprachraum führend: IELTS, Cambridge und vor allem der amerikanische TOEFL. Die Kosten inklusive Übungsmaterial betragen teils mehrere hundert Euro. Alle Tests sind standardisiert und die Prüfungsbedingungen streng. Für Simon Lucht Grund, die Sache langfristig anzugehen.

"Da müsste man sich schon gut darauf vorbereiten, weil ich zahl ja nicht 350 Euro. Ich würde mich ein halbes Jahr vorbereiten. Kollegen haben Schulen in Irland besucht. Die bieten eine Vorbereitung an. Kostet zwar auch Geld, aber da steigen die Chancen, den Toefl zu bestehen. Wodurch man dann höhere Positionen erreicht. Etc. etc."

Stefan Leitmann, Gymnasiallehrer des Bochumer Goethe-Gymnasiums, bietet eines der Zertifikate bereits begleitend zum normalen Schulunterricht an.

"Es ist schon so, dass die Zertifikate teuer sind. Sowohl in der Vorbereitung als auch im Test.  Da entstehen Gebühren. Wenn man diese später ablegt, ist der Stress größer."

Bislang galt in Deutschland das Abitur als ausreichender Beleg für eine Fremdsprachenqualifikation. Leitmann, der selbst den Cambridge-Test absolviert hat, sieht aber Gründe dafür, eine solche Zusatzqualifikation zu erwerben.

Die ausländischen Zertifikatsprüfungen dominieren

"Mit dem Zeugnis wird attestiert, dass man die Sprache beherrscht. Aber hängt es vom sozialen Kriterium und Lehrer und Umfeld in dem Jahr ab."

Neben den ausländischen Zertifikaten hat sich mit dem UNICERT Ausbildungsprogramm jetzt auch ein deutsches Zertifikatssystem herausgebildet, das inzwischen von 50 Unis und Instituten anerkannt wird - vereinzelt auch im Ausland. Anders als bei den bisher erwähnten Sprachtests wird hier allein die Befähigung zur Bewältigung hochschulbezogener sprachlicher Situationen bescheinigt. Dafür liegen die Kosten nur bei 15 bis 60 Euro, erklärt Astrid Reich, Leiterin der Fremdsprachenausbildung der Bochumer Ruhruniversität.

"Es gibt einige Hochschulen, die bieten ihn umsonst an, weil sie keine Gebühren nehmen dürfen." 

Schon wegen der fehlenden Akzeptanz bei Arbeitgebern oder Eliteunis dominieren aber die ausländischen Zertifikatsprüfungen. In den letzten Jahren ist ihre Zahl in Deutschland deutlich gestiegen. Nach Meinung vieler Kritiker ist daraus ein Geschäft geworden, so Astrid Reich:

"Ich denke schon, dass da gutes Geld verdient wird. Daran zeigt sich, dass die englischsprachige Welt die wichtigste ist. Das Test-Business ist ein englisches. Die anderen Sprachen fallen da hinten runter. Da kann nicht so viel Geld verdient werden."

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