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SpringerDöpfner räumt Fehler bei "Bild"-Berichterstattung über Solingen ein

Mathias Döpfner am Rednerpult (Fabian Sommer / dpa)
Mathias Döpfner, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und Vorstandsvorsitzender von Axel Springer SE, spricht auf dem Zeitungskongress des BDZV (Fabian Sommer / dpa)

Der Vorstandschef des Medienkonzerns Axel Springer, Döpfner, hält die Kritik an der "Bild"-Berichterstattung über die fünf getöteten Kinder in Solingen für berechtigt.

Döpfner sagte beim Kongress des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV), "Bild" habe Fehler gemacht und den Schutz von Minderjährigen in diesem Fall missachtet. Diese Grenzüberschreitung sei zu Recht kritisiert worden. Döpfner forderte zugleich eine breite Debatte über ethische Standards im Journalismus. Das Springer-Boulevardblatt hatte WhatsApp-Nachrichten eines Kindes veröffentlicht, dessen fünf jüngere Geschwister von der Mutter getötet worden waren. Beim Deutschen Presserat waren bis zum 9. September mehr als 160 Beschwerden zur Veröffentlichung des WhatsApp-Chats eingegangen.

Julian Reichelt hält Berichterstattung für gerechtfertigt

Trotz massiver Kritik hatte Chefredakteur Julian Reichelt die umstrittene Berichterstattung der „Bild“-Zeitung über die Tötung von fünf Kindern in Solingen für gerechtfertigt erklärt. Im Deutschlandfunk (Audio) verwies Reichelt auf die sogenannte „Nachrichtenlage“ und auch auf das öffentliche Interesse an dem Fall. Zudem orientiere sich die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung daran, wie die Ermittlungsbehörden in so einem Fall verfahren, so Reichelt weiter. Auch die Polizei habe auf ihrer Pressekonferenz Chats des überlebenden Jungen thematisiert und daraus zitiert. Nicht nur "Bild", sondern auch die Ermittlungsbehörden seien also zu der Einschätzung gelangt, dass diese Nachrichten, die "im Verlauf dieser Katastrophe geschrieben wurden, von überragendem Interesse sind".

Unverpixeltes Foto

In dem umstrittenen Artikel hatte die "Bild"-Zeitung mit einem Freund des überlebenden Kindes gesprochen. Dazu gab es Zitate aus WhatsApp-Nachrichten des Kindes und ein Foto des Freundes, unverpixelt. Über den Artikel berichtete das Portal "Bildblog", das die Veröffentlichungen der Bild-Zeitung seit Jahren kritisch beobachtet. Zitat: "Die 'Bild'-Redaktion benutzt ein Kind, um an private Aussagen eines anderen Kindes zu kommen."

"Eine Schande für den Journalismus"

Der Mainzer Journalistik-Professor Tanjev Schultz schrieb zu dem Fall bei t-online: "Nicht jeder, der sich mit einem Presseausweis bewaffnet, sollte Journalist genannt werden. Die Kinderschüttler sind eine Schande für den Journalismus." Das Wort Kinderschüttler bezieht sich auf den Begriff "Witwenschütteln", der, wie Schultz ausführt, für die "hässliche Praxis von Boulevardreportern, bei Katastrophen und Kriminalfällen die Hinterbliebenen zu bedrängen", verwendet wird.

Diese Nachricht wurde am 16.09.2020 im Programm Deutschlandfunk gesendet.