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StartseiteKommentare und Themen der WocheSöder beschert Putin einen unnötigen PR-Erfolg08.04.2021

Sputnik V für BayernSöder beschert Putin einen unnötigen PR-Erfolg

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat 2,5 Millionen Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V vorbestellt. Das nütze lediglich Russlands Präsident Wladimir Putin, kommentiert Michael Watzke. Bis das Vakzin in nennenswerter Menge zur Verfügung stehe, sei die Impfkrise in Deutschland vorbei.

Ein Kommentar von Michael Watzke

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Russlands Präsident Wladimir Putin begrüßt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am 29. Januar 2020 im Kreml.  (M. Shemetov / Pool Reuters / AP)
Schöner Erfolg für Russlands Präsident Wladimir Putin: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kauft den Imfpstoff Sputnik V, produziert wird der Stoff in Illertissen (Archivfoto aus 2020) (M. Shemetov / Pool Reuters / AP)
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Deutschland braucht in der Pandemie vieles, aber keinen russischen Reisebegleiter, keinen Sputnik. Der Impfstoff aus dem Osten wird in Deutschland weder Leben retten noch den Lockdown verkürzen. Er wird lediglich einem Mann nützen: Wladimir Putin. Schade, dass Markus Söder dazu beiträgt. Der bayerische Ministerpräsident hat mit seiner Entscheidung, eigenmächtig 2,5 Millionen Sputnik-Dosen vorzubestellen, dem russischen Präsidenten einen zweifelhaften und unnötigen PR-Erfolg beschert. Söder hat dafür eigennützige Gründe – für die er wieder einmal ein gemeinsames, koordiniertes Vorgehen auf Bundesebene torpediert. Das spricht nicht gerade für einen möglichen Kanzler-Kandidaten Markus Söder.

Den Russen fehlt das Vertrauen in Sputnik

Sputnik ist ein Vakzin, das im eigenen Land auf weit verbreitete Ablehnung trifft. Es war so schnell auf dem Markt, dass ganz Russland eigentlich längst durchgeimpft sein müsste. Ist es aber nicht – weil den russischen Bürgerinnen und Bürgern das Vertrauen in Sputnik fehlt. Und mit was? Mit Recht.

Das ist erst heute wieder deutlich geworden – als in der Slowakei das staatliche Institut für Arzneimittelkontrolle SUKL kritisch über Sputnik V berichtete. Die gelieferten Impfstoffe als Russland seien nicht identisch mit denen, die in der renommierten Fachzeitschrift "The Lancet" beschrieben wurden. "Diese Vakzine haben nur den Namen gemeinsam", schrieben die slowakischen Kontrolleure.

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Sputnik ist in Deutschland nicht zugelassen

Hier mal eine Prognose: Spätestens im Herbst wird Deutschland in Impfstoff schwimmen. Es wird dann weit mehr Vakzin-Dosen geben als wir brauchen, darunter auch in Deutschland entwickelte, hergestellte und aufwendig zugelassene Impfstoffe. Nun kann man argumentieren: Wir brauchen aber jetzt Impfstoff – und warum soll Sputnik aus Russland dabei nicht helfen?

Ganz einfach: Weil Sputnik bei uns derzeit noch nicht zugelassen ist. Und selbst wenn die Europäische Arzneimittelbehörde EMA Sputnik heute noch zuließe, könnte der staatliche russische Investitions-Fonds, der sich um die weltweite Vermarktung von Sputnik kümmert, keine nennenswerten Vakzin-Mengen liefern. Russische Pharma-Firmen wie R-Pharm mit ihrer deutschen Tochter R-Pharm Germany im bayerischen Illertissen müssen erst große Produktionsstätten auf- und ausbauen.

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Wenig Erprobung, viel politischer Druck aus dem Kreml

Bis Sputnik in nennenswerter Menge zur Verfügung steht, ist die Impfkrise in Deutschland vorbei. Und wenn die Menschen in Deutschland schon vor AstraZeneca zurückschrecken – warum sollten sie dann mehr Vertrauen in Sputnik haben? Einem Impfstoff, der auf derselben Basis – manche sagen sogar, weitgehend identisch - wie AstraZeneca hergestellt wurde? Nur mit weniger Erprobung und jeder Menge politischem Druck aus dem Kreml.

Markus Söder hat seine eigene Agenda: Sputnik soll schließlich in Bayern produziert werden, das würde zu mindestens dreistelligen Millionen-Investitionen im Freistaat führen. Dafür opfert Söder ein bundesweit einheitliches Vorgehen und beschert Putin einen hübschen Erfolg bei seiner aggressiven Impfstoff-Diplomatie. 

Michael Watzke  (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke, geboren 1973 in Remscheid, absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Er studierte Politik und Soziologie in München und Washington DC. Nach Stationen bei SZ und BILD arbeitete er als Chefreporter für Antenne Bayern. 2003 gewann er den Axel-Springer-Preis. Danach Ausbildung an der Drehbuch-Werkstatt der HFF München. Als Autor des TV-Dramas "Das letzte Stück Himmel" (Regie: Jo Baier) erhielt er den Robert-Geisendörfer-Preis und war für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Arbeit als Regisseur und Produzent. Seit 2010 berichtet er für Deutschlandradio als Bayern-Korrespondent aus München.

 

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