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StartseiteWirtschaft und GesellschaftWohnen an der Ausfallstraße08.01.2019

Stadtentwicklung in HamburgWohnen an der Ausfallstraße

Hamburg wagt sich an ein neuartiges, städtebauliches Projekt: Entlang zweier Hauptverkehrsachsen soll Wohnraum entstehen. Wo sich jetzt Baulücken und Gewerbeflächen ausbreiten, könnten Tausende Wohnungen entstehen, die dringend gebraucht werden - doch noch gibt es einige Probleme zu bewältigen.

Von Axel Schröder

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Altona Holstenstraße, B 4/ B 431 Stresemannstrasse - Sternbrücke (imago/Lars Berg )
Die B431 verläuft von Wedel bis zur A7 - an der Ausfallstraße soll Wohnraum entstehen (imago/Lars Berg )
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In einem Büro im Rathaus von Hamburg-Altona: Hinter Marco Tschubel hängt eine große Karte vom westlichen Teil der Hansestadt an der Wand.

"Wir haben zwei Fokusräume. Das ist einmal die B431, die erstreckt sich, wenn man es mal ganz salopp sagt, von der Stadtgrenze in Wedel bis zur A7, würde ich mal sagen. Und die Luruper Chaussee und die Luruper Hauptstraße bis nach Schenefeld hoch. Das ist hier oben eine Achse."

Lieber an Straßen als auf der grünen Wiese

Es sind zwei kilometerlange Hauptverkehrsstraßen, Magistralen. Tschubel untersucht in einem Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, wie dort vor allem mehrgeschossiger Wohnungsbau verwirklicht werden kann. Bisher gibt es an den Straßen noch zahlreiche Baulücken, Einfamilienhäuser und Gewerbeflächen. Es ist vor allem die zersplitterte Eigentümerstruktur, die größeren Projekten entlang der Ausfallstraßen im Wege steht. Tschubels Vorgesetzter Frank Conrad ist trotz dieser Schwierigkeiten vom Potenzial des sogenannten "Magistralen-Konzepts" überzeugt.

"Wenn mehr Menschen an den Hauptverkehrsstraßen wohnen, dann wird sich mit Sicherheit auch die Versorgung verbessern. Ärzte werden sich ansiedeln, Einkaufsläden werden sich ansiedeln. Es gibt die Möglichkeit, dass sich kleine, inhabergeführte Geschäfte ansiedeln können, die das jetzt im Moment nicht können, weil schlicht die Dichte der Menschen das nicht hergibt. Alles das, was man an den Innenstadtlagen so schätzt, wollen wir auch in den Bereich der Ausfallstraßen bringen. Ich glaube, es hat eine Reihe von Vorteilen. Und bevor wir auf der grünen Wiese bauen, wollen wir lieber so bauen!"

Tausende Wohnungen schaffen

Der Straßenlärm sei angesichts moderner Lärmschutz-Techniken kein Problem, sagt Frank Conrad. Und all jene, die in den neu entstehenden Hinterhöfen, der Straße abgewandt wohnen würden, seien davon ohnehin nicht betroffen. Wie viele Wohnungen an den Magistralen entstehen könnten, will Frank Conrad nicht genau beziffern. Aber es gebe vielversprechende Schätzungen.

"Wir haben nur mal einen kleinen Abgleich gemacht. Den Bestand abgeglichen im Vergleich dazu, wenn man dort jetzt mal vier- oder fünfgeschossig bauen würde. Und sind auf eine deutlich fünfstellige Zahl gekommen. Für zwei Hauptverkehrsstraßen in Hamburg. Hamburg hat, ich weiß gar nicht, wie viele Hauptverkehrsstraßen, aber ich sag mal: zehn. Wenn man das mal zusammenrechnet, dann kommt man auf einen ganz großen Anteil, den man bauen könnte."

Eigentümer und Anwohner mit einbeziehen

Deshalb soll sein Mitarbeiter Marco Tschubel nun herausfinden, wie die unterschiedlichen Eigentümer am besten für das Projekt gewonnen, wie auch die derzeit an den Magistralen lebenden Menschen mit einbezogen werden können. Fest steht schon, dass die Fäden für die Neuplanung bei einem sogenannten "Kümmerer" zusammenlaufen könnten, der Fragen beantworten, auf Sorgen eingehen und Lösungen anbieten kann.

"Wir haben es mit einer Vielzahl von Einzeleigentümern zu tun. Und eine Aufgabe dieses Magistralen-Projektes ist es, eben auch dafür zu werben, dass es eine gute Lösung für den Städtebau hier gibt, dass das eigentlich für alle Vorteile hat. Und da müssen wir halt die Bewohner auch mitnehmen. Diese Überzeugungsarbeit, das ist auch ein Ziel, was wir mit bewegen und was wir auch transportieren wollen."

Denkbar sei, dass zwei oder drei Eigentümer benachbarter Häuser sich zusammentun und entweder gemeinsam ein Wohnblock errichten oder aber an die Stadt oder die städtische Wohnungsbaugesellschaft verkaufen. Marco Tschubel vom Bezirksamt Altona wird noch bis Mitte kommenden Jahres die Instrumente und Ideen für die Erschließung der Magistralen zusammentragen. Die Hoffnung ist, dass dann auch andere Kommunen die Hamburger Erkenntnisse auf ihre Ausfallstraßen übertragen können und so die hohe Nachfrage nach Wohnraum schnell befriedigen können.

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