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StartseiteSport am WochenendeStarre Fronten im Schiedsrichterstreit10.02.2011

Starre Fronten im Schiedsrichterstreit

Amerell-Kempter-Prozess vertagt

Es kam überraschend viel Neues auf den Tisch - dafür blieb die befürchtete Schlammschlacht aus beim Schiedsrichter-Prozess im schwäbischen Hechingen, wo der einstige DFB-Funktionär Manfred Amerell seinen langjährigen Schiedsrichter-Zögling Michael Kempter wegen übler Nachrede auf 150.000 Euro Schadenersatz verklagt.

Von Thomas Kistner

Schiedsrichter Michael Kempter wird auf Schadensersatz verklagt (Februar 2011) (picture alliance / dpa)
Schiedsrichter Michael Kempter wird auf Schadensersatz verklagt (Februar 2011) (picture alliance / dpa)

Das Landgericht muss klären, ob das, was zwischen den beiden Männern an Intimitäten ablief, einvernehmlich geschah oder erzwungen war. Starr standen die beiden Fronten, nach fünf Stunden beschloss das Gericht eine schriftliche Fortsetzung der Anhörung und vertagte sich auf 18. April.

Zu würdigen gibt es nun auch neue Sachverträge von Kempter. Der behauptet nämlich jetzt, Amerell habe sich ihm bereits im Juli 2001 - da war er 18 Jahre alt - bei einem Lehrgang in der Sportschule Barsinghausen sexuell genähert. Amerell bestritt das ebenso wie Kempters Schilderung von Autofahrten, bei denen ihn der Funktionär gestreichelt und geküsst haben soll. Dies alles habe sich zwischen 2003 und 2008 ereignet, behauptete Kempter. Das ist überraschend, denn bisher hatte er, in Interviews und bei Vernehmungen durch Staatsanwaltschaft und DFB, keinerlei Übergriffe Amerells zu dieser frühen Zeit erwähnt. Bisher galt, dass die Intim-Kontakte der beiden Mitte 2008 begonnen haben.

Kempter habe auffallend detailliert die neuen Vorgänge dargeboten, kommentierte dies Amerells Lager süffisant. Auf Nachfrage, worauf sein spätes Erinnerungsvermögen beruhe, meinte Kempter, er sei zwischenzeitlich in therapeutischer Behandlung gewesen, mit dieser Hilfe seien ihm auch diese einschneidenden Ereignisse zu Anfang des Jahrzehnts wieder erinnerlich geworden.

Richter Alexander Meinhoff, der anfangs Zweifel an Amerells Schilderung einer emanzipierten Freundschaft erkennen ließ, rief seine Kollegen nach dreieinhalb Stunden zur Beratung zusammen. Dann wurden die Prozessbeteiligten zum Rechtsgespräch gebeten. Angeregt wurde eine gütliche Einigung mit einer gemeinsamen Erklärung der Kontrahenten. Amerell jedoch reicht das nicht, er fordert eine klare Feststellung der Einvernehmlichkeit der Beziehung.

Bei der Fortsetzung des Verfahrens sieht er sich im Vorteil, weil die Beweislast nun bei Kempter liege. Weshalb auch sein Anwalt Jürgen Langer "sehr zufrieden" mit der Zwischenbilanz war. Es sei an Kempter, zu beweisen, dass die Beziehung nicht einvernehmlich war, sagt Langer. Der suspendierte Referee habe aber bisher keinerlei Belege angeboten, sondern nur seine eigenen Angaben zur Sache. Denen stünden harte Glaubwürdigkeits-Beurteilungen gegenüber, sagt Langer, etwa Hunderte Mails zwischen den beiden mit vielen Liebeserklärungen Kempters. Dessen Anwalt Christoph Schickhardt wiederum sieht seinen Mandanten vorne. "Entweder das Ganze wird beendet, oder wir gewinnen", erklärte er. Am 18. April wird man mehr wissen.

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