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StartseiteWirtschaft und GesellschaftDie Miete wird zur Schuldenfalle03.06.2019

Statistisches BundesamtDie Miete wird zur Schuldenfalle

Bei jedem fünften Deutschen, der 2018 in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist, war die Miete der Grund. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind Mietschulden dabei im Osten weiter verbreitet als im Westen, in Ballungsgebieten häufiger als im ländlichen Raum.

Von Panajotis Gavrilis

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Ein hochgehaltenes Pappschild mit der Aufschrift "#Mietenwahnsinn stoppen". Im Hintergrund ist die Kuppel des Reichstags zu sehen. (picture alliance / dpa / Soeren Stache)
Hohe Mieten, vermehrt überschuldete Menschen (picture alliance / dpa / Soeren Stache)
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Laut der Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamtes waren im vergangenen Jahr deutschlandweit etwa 20 Prozent aller Menschen, die zur Schuldnerberatung gegangen sind, von Mietschulden betroffen.

Im bundesweiten Durchschnitt waren die überschuldeten Bürgerinnen und Bürger mit knapp 1,8 Monatsmieten im Rückstand.

Die Wohnkosten lagen im Schnitt bei circa 490 Euro – darin sind Miete und Nebenkosten enthalten.

Laut Susanna Geisler, Referentin beim Statistischen Bundesamt und für die Überschuldungsstatistik zuständig, gibt es dabei regionale Unterschiede. So sind Mietschulden im Osten deutlich weiter verbreitet als im Westen.

"Die Statistik gibt wieder, dass sich fast jede dritte Person aufgrund von Mietschulden in den neuen Ländern beraten ließ, wohingegen in Westdeutschland nur knapp jede fünfte Person aufgrund dessen eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchte."

Die Statistik liefert nicht alle Antworten 

In Ostdeutschland (einschließlich Berlin) lagen die jährlichen Mietschulden im Schnitt bei knapp über 1.100 Euro, in Westdeutschland hingegen bei etwas über 780 Euro.

Allerdings: In Relation zu den durchschnittlichen Gesamtschulden machten laut Behörde Mietschulden lediglich einen Anteil von drei Prozent aus.

Es ist unklar, ob die höhere Arbeitslosenquote im Osten oder das niedrigere Lohnniveau verglichen mit dem in Westdeutschland ausschlaggebend sind – Gründe für diese regionalen Unterschiede liefert die Statistik nicht.

Problemfall Ballungsgebiete

"Wir beobachten in den letzten Jahren eine zunehmende Zahl an Schuldnern, die auch wegen Mietschulden in eine schwierige Situation geraten sind", sagt Christoph Niering. Er ist Vorsitzender des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands, kurz VID.

Ein erhöhtes Risiko gibt es, so Niering, "vor allem in Ballungsgebieten. Von daher glaube ich schon, dass da ein repräsentativer Kern in der Befragung steckt. Auch wenn natürlich hier die Parallele zwischen Ost und West gezogen wird, der Vergleich. Besser wäre zwischen Ballungsgebieten und ländlichen Gebieten den Vergleich zu ziehen. Und da sehen wir deutlich steigende Tendenzen, dass Mietschulden eine große Rolle spielen."

Und es sind nicht die Mieten allein

Diese "steigende Tendenz", die Unterschiede zwischen strukturschwachen und stärkeren Regionen, so Niering weiter, gelte es ernst zu nehmen.

"Die Alarmzeichen sollte man wahrnehmen, denn neben den Mieten sind es auch die steigenden Energiekosten. Und die zusammen bringen eben viele Schuldner, und das beobachten wir auch in unserer beruflichen Praxis, zunehmend in Bedrängnis, aus der man dann auch keinen Ausweg findet. Weil den Wohnsitz und die Wohnung kann man nicht so einfach wechseln wie man irgendwelche Verträge kündigen kann. Das wird ein Problem, erst recht dann, wenn die Konjunktur sich abschwächen sollte.

Die Angaben der Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamtes beruhen auf freiwillig weitergeleiteten Daten von 559 der rund 1.450 Schuldnerberatungsstellen und auf anonymisierten Angaben von etwa 136.000 Personen, die eine solche Beratungsstelle aufgesucht haben. Insgesamt werden diese Daten auf die Grundgesamtheit hochgerechnet. Die so seit 2014 erhobene Überschuldungsstatistik hält das Amt für repräsentativ.


Anmerkung der Redaktion: 

In Überschrift und Vorspann des Textes haben wir ein falsch zusammengefasstes Ergebnis aus der Überschuldungsstatistik korrigiert.

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