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Stefan Weidner: "1001 Buch. Die Literaturen des Orients"Literaturgeschichte in Fragmenten

Stefan Weidner unternimmt in seinem neuen Buch einen Streifzug durch die Literaturen des Orients, die er als "polykulturellen Imaginationsraum mit beträchtlichem utopischen Potenzial" bezeichnet. Die Themenfülle ist beträchtlich: vom Koran über "1001 Nacht" bis zu den arabischen Autoren in Europa.

Stefan Weidner und Angela Gutzeit

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Der Journalist, Schriftsteller und Übersetzer Stefan Weidner hält am 16.09.2011 im Friedenssaal im Rathaus in Osnabrück eine Laudatio. (picture-alliance / dpa / Friso Gentsch)
Stefan Weidner - inspiriert von Goethes Konzept der Weltliteratur (picture-alliance / dpa / Friso Gentsch)
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Der Islamwissenschaftler Stefan Weidner, 1967 in Köln geboren, ist einer der wichtigsten Vermittler der arabischen Literatur und Kultur in Deutschland. Nach seinem 2018 erschienenen Buch "Jenseits des Westens" hat er nun eine Art Literaturgeschichte in Fragmenten vorgelegt mit dem Titel "1001 Buch. Die Literaturen des Orients." Nicht wenige werden jetzt stutzen: Orient? Ist das nicht ein Begriff, der sich an ein europäisches Klischee bindet und eigentlich nicht mehr zeitgemäß ist? Der Islamwissenschaftler verwendet diesen Begriff aber ganz bewusst, um einen Raum zu kennzeichnen, den der Kolonialismus einst zerschnitten hat und der im Grunde genommen sprachlich, kulturell, literarisch viel weiter ausgreift, als uns bewusst ist. "Der arabische Sprachraum zum Beispiel reicht von Marokko bis in den Irak und den Sudan - also ein riesiges Gebiet wie wenige andere Sprachräume sonst", so Stefan Weidner im Gespräch mit Angela Gutzeit. Die Literaturen dieses Kulturraums könne man deshalb auch nur verstehen, wenn man die willkürlichen Grenzziehungen und nationalistischen Einhegungen ignoriere.

Wechselseitige Beeinflussung

So geht Weidner in seinem Buch zwar chronologisch vor - vom Mittelalter bis in die Zeit nach den arabischen Revolutionen -, baut aber immer wieder thematische Inseln und Kurzportraits von Autoren und Autorinnen ein, um Beeinflussungen und spezifische Entwicklungen zu verdeutlichen. Sicherlich eine Besonderheit dieses Buches und seines Kultur- und Literaturverständnisses ist es, dass Weidner den Orient bis in den europäischen Raum ausdehnt.

Raumgreifendes Literaturverständnis

Weidners Anspruch lautet: "Ein Bewusstsein für Weltliteratur zu schaffen. Das war eigentlich mein Ziel!" Ausgewählt hat der Kölner Islamwissenschaftler, Übersetzer und Journalist vorzugsweise Bücher von Autoren und Autorinnen, die ins Deutsche übersetzt worden sind, aber oft nicht in Buchhandlungen präsent sind.

Gern gesehen hätte Weidner, wenn endlich mal ein Autor oder eine Autorin aus dem orientalischen Raum mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden wäre. Aber das sei ja wieder mal nicht der Fall gewesen, so Stefan Weidner.

Stefan Weidner: "1001 Buch. Die Literaturen des Orients"
Edition Converso, Bad Herrenalb. 432 Seiten, 30 Euro.

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