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StartseiteUmwelt und VerbraucherWeltnaturerbe statt Nationalpark?20.11.2014

SteigerwaldWeltnaturerbe statt Nationalpark?

Der Steigerwald zwischen Würzburg und Nürnberg ist einer der letzten großen Buchenbestände in Deutschland. Bayern hat sich gegen die Umwandlung des Naturparks Steigerwald in einen Nationalpark entschieden. Ministerpräsident Horst Seehofer strebt stattdessen eine Ernennung zum Unesco-Weltnaturerbe an. Umweltschützer halten das für vorgeschoben.

Von Susanne Lettenbauer

Luftaufnahme des herbstlich bunten und dicht bewachsenen Steigerwaldes bei Böhlgrund. Die typische Buchenwald-Landschaft des Steigerwalds ist weltweit eine Rarität. (picture alliance / dpa / Thomas Stephan)
Luftaufnahme des herbstlich bunten und dicht bewachsenen Steigerwaldes bei Böhlgrund. Die typische Buchenwald-Landschaft des Steigerwalds ist weltweit eine Rarität. (picture alliance / dpa / Thomas Stephan)
Weiterführende Information

Der Alte und der Wald
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 17.12.2012)

"Da braucht man aber keinen Nationalpark dazu, wenn man die Bäume schützen will."
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 15.08.2008)

"Es ist total wichtig, dass unser Wald erhalten bleibt und nicht so ausgebeutet und zerstört wird wie es jetzt schon ist und dass das gestoppt wird."

Ingrid Michel vom Verein Nationalpark Nordsteigerwald ist empört. Das Aus für die Nationalparksidee kann sie nicht nachvollziehen. Es handele sich ja nur um den staatlichen Teil des Waldes und mache gerade einmal neun Prozent aus: "Das ist das einzige, was wir haben und wo unsere Ortschaft aufblühen kann und alle anderen Ortschaften. Das wäre ein Profit für alle. Die Gastronomie würde aufblühen, die Jugend würde hierbleiben, das wäre ein richtiges Aufblühen."

Doch von der Regierung kam jetzt das klare Nein. Ministerpräsident Horst Seehofer hat sich gemeinsam mit seiner Umweltministerin, dem Agrarminister und drei Landräten der Fränkischen Region endgültig gegen einen weiteren bayerischen Nationalpark ausgesprochen. Der Grund: Die Bewirtschaftung wäre in einem Nationalpark ausgeschlossen. Die angrenzende Bevölkerung hätte sich klar dagegen ausgesprochen so CSU-Landtagsfraktionsvorsitzender Thomas Kreuzer:

"Es ist in der letzten Landtagsperiode bereits entschieden worden, dass ein Nationalpark Steigerwald nicht kommen wird. Dabei bleibt es. Wir werden keinen Nationalpark Steigerwald gegen den Mehrheitswillen der Bürger hier durchziehen."

Die Nutzung des Waldes wäre von herausragender Bedeutung für die angrenzenden Kommunen sagt Johann Kalb, Landrat von Bamberg. Das dürfe nicht vergessen werden: "Der Nationalpark hat viele Nutzungseinschränkungen zur Folge und die Leute im Steigerwald leben nun mal von Holz. Deshalb ist der Steigerwald in dem Zustand wie er jetzt ist."

Die Landschaft ist auch so schön

Unterstützt wird der Landrat von den Freien Wählern. Ihr Landesvorsitzender Hubert Aiwanger sieht in der Errichtung eines Nationalparks eine Verschwendung von Steuergeldern in Millionenhöhe. Sein Vorschlag: "Wir fordern, dass dafür mehr Tourismusförderung in die Region geht, damit wir hier auch ohne Nationalpark Wertschöpfung in der Region betreiben können. Die Landschaft ist auch so schön. Wir müssen die Menschen nur noch herholen und müssen sie dort ordentlich bewirten und unterbringen, dann kann die gesamte Region profitieren, auch ohne Nationalpark."

Die Holzwirtschaft vor Ort wehrt sich ebenfalls. Arbeitsplätze würden verloren gehen und könnten auch durch Tourismus nicht abgefedert werden: "Dadurch natürlich, dass wir kurze Wege haben, die dann zum Anliefern für geringe Kosten sorgen, können wir noch mit den großen Sägewerken mithalten. Ja gut, dass würde durch einen Nationalpark sehr behindert werden", kritisiert der Holzhändler Tobias Jäger. Deshalb favorisieren die Kritiker eines Nationalparks das bereits praktizierte Dreifachkonzept vom betroffenen Forst Ebrach. Neben der herkömmlichen Bewirtschaftung zum einen und nicht bewirtschafteten Naturwaldreservaten zum anderen sollen sogenannte Trittsteine zur Artenvielfalt beitragen. Das sind Gebiete mit alten Bäumen, die als besonders schützenswerte "Biotopbäume" gekennzeichnet sind. Damit will Ministerpräsident Seehofer den Steigerwald bei der Unesco als Weltnaturerbe vorschlagen.

Für Naturschützer Benedikt Schmitt  von vornherein das Aus für das geplante Weltnaturerbe: "Das erklärte Ziel der CSU ist es, den Steigerwald zum Weltnaturerbe zu machen. Und wenn das über das Trittsteinmodell gemacht werden soll, dann sind sich die Menschen hier durchaus bewusst, dass das zum Scheitern verurteilt ist. Es gibt nur ein Weltnaturerbe mit einem Nationalpark Steigerwald."

7.000 Tier- und Pflanzenarten zählt der Bund Naturschutz im Steigerwald, darunter Schwarzspecht und Mauswiesel. Diese seien auch bisher nicht von der wirtschaftlichen Nutzung bedroht worden, argumentieren die Mitglieder vom Verein "Unser Steigerwald", Gegner des Nationalparks. Die Bewerbung um den Titel Weltnaturerbe sei nur eine Beruhigungspille der Staatsregierung, so der BUND Naturschutz (BN). Das sehe man an der parallel geplanten Aufhebung des bisherigen Schutzgebietes "Der Hohe Buchene Wald". Ein Rückschlag für den Naturschutz. Darüber müsse man auf jeden Fall nochmal reden, so BN-Chef Hubert Weiger. Wenn es sein muss, auch vor dem Bundesverfassungsgericht.

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