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StartseiteKommentare und Themen der Woche9.500 Arbeitplätze weniger sind erst der Anfang26.11.2019

Stellenabbau bei Audi9.500 Arbeitplätze weniger sind erst der Anfang

Audis Ankündigung 9.500 Stellen bis 2025 abbauen zu wollen, hält Brigitte Scholtes erst für den Anfang der Krisenbewältigung bei der VW-Tochter. Fraglich ist allerdings, ob die Mitarbeiter das auch weiterhin so gefasst hinnehmen werden wie momentan.

Von Brigitte Scholtes

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 Ein Audi Logo, aufgenommen auf der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit (Michigan)  (dpa)
Krise nicht nur bei Audi: Experten rechnen bis 2030 mit einem Abbau von 125.000 Stellen in der Automobilbranche. (dpa)
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Audi streicht Tausende Stellen – und die Belegschaft scheint fast froh, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist. Denn immerhin hat der Betriebsrat gut verhandelt, die Jobs werden sozialverträglich abgebaut, also über Fluktuation und Vorruhestandsprogramme. Das aber sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht nur Audi, sondern auch den anderen Unternehmen in der deutschen Autoindustrie eine schwere Zeit bevorsteht, nicht nur das - sie hat sogar schon begonnen. Das zeigen die immer häufigeren Meldungen über Jobstreichungen bei den Autozulieferern wie etwa Continental. Vor allem diejenigen bauen Stellen ab, die Teile für den Verbrennungsmotor gefertigt haben. Denn die werden wegen der Ausrichtung auf die Elektromobilität nicht mehr benötigt. Ein Elektromotor ist wesentlich simpler aufgebaut als ein Verbrennungsmotor, den die deutschen Hersteller ja bis zur Perfektion entwickelt haben. Bei den Autozulieferern aber bleibt es nicht, Experten rechnen bis 2030 sogar mit einem Abbau von 125.000 Stellen in der Branche.

Umstrukturierung verschlafen

Das ist zum Teil selbst verschuldet, weil die deutschen Autobauer eben zu lange am Verbrennungsmotor festgehalten haben. Der hat gute Renditen abgeworfen, und darüber hat man die Ausrichtung auf klimafreundlichere Antriebe lange vernachlässigt – oder sogar betrügerisch gehandelt – siehe Dieselskandal. Diese Hybris zeigt nun Folgen. Audi etwa hat sich deshalb lange mit sich selbst beschäftigt und ist hinter die deutschen Konkurrenten zurückgefallen. Gegen den früheren Vorstandschef Rupert Stadler ist inzwischen sogar Anklage erhoben worden. Über all dem hat nicht nur Audi die nötige Umstrukturierung auf die Elektromobilität aufgeschoben und auch andere Technologien, die vielleicht noch zukunftsweisender wären, lange sträflich vernachlässigt. Diese Umstrukturierung trifft die deutsche Autoindustrie zudem in einer Lage, in der die Nachfrage drastisch zurückgegangen ist. Der Automarkt ist so schwach wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Das liegt auch an den schwelenden Handelskonflikten und an dem Damoklesschwert der Autozölle. Ob der amerikanische Präsident Donald Trump die gegenüber den europäischen Autobauern verhängen wird oder nicht, ist schließlich immer noch nicht klar.

Opfer falscher Strategie

Die Autoindustrie ist also geschwächt und muss sich in dieser Lage neu orientieren. Einzelne Unternehmen wie VW haben verhältnismäßig früh das Steuer herumgerissen. Audi könnte von der Mutter sogar profitieren, wenn es denn einmal seine Krise bewältigt haben wird. Der Abbau der 9.500 Stellen war wohl erst der Anfang. Ob die Belegschaft weitere Stellenkürzungen so gefasst mitmacht, das ist fraglich. Die Mitarbeiter sind wieder diejenigen, die die falsche Strategie der Autobauer vor allem ausbaden müssen.

Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes, Jahrgang 1958, studierte Wirtschaftsgeschichte und Anglistik in Aachen und Bonn mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. Sie arbeitete zunächst für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die damals auch Hörfunksendungen für das Privatradio RPR produzierte, wechselte dann zur Nachrichtenagentur Bloomberg Business News. Seit 1992 Partnerin im Redaktionsbüro Business Report, das 1998 die Wirtschaftskorrespondenz aus Frankfurt für Deutschlandradio übernommen hat. 

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