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StartseiteVerbrauchertippMehr absetzen beim Zweitwohnsitz26.07.2019

Steuererklärung 2018Mehr absetzen beim Zweitwohnsitz

Wenn der Weg zur Arbeit zu weit zum Pendeln ist, unterhalten viele Arbeitnehmer eine Zweitwohnung. Seit einem Urteil des Bundesfinanzhofs von Anfang April kann man dafür beim Finanzamt monatlich deutlich mehr absetzen als bisher - von Umzugs- und Mietkosten bis hin zu Ausgaben für Möbel.

Von Susanne Kuhlmann

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Altbau-Häuser in der Wittgensteinstraße in Köln Lindenthal.  (imago / Hardt)
Seit April können mehr Kosten zum Zweitwohnsitz abgesetzt werden als zuvor (imago / Hardt)
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"Man wird versetzt oder man nimmt an einem entfernten Ort eine neue Tätigkeit an und braucht, um dort täglich hinzukommen und schneller hinzukommen, weil es vom Erstwohnsitz schwer möglich ist zu pendeln, eine zweite Wohnung aus beruflichen Gründen."

Udo Reuß vom Online-Verbrauchermagazin Finanztip beschreibt den klassischen Fall eines Fernpendlers: "Die erste Wohnung behält er weiterhin, und da muss auch der Lebensmittelpunkt sein, weil da beispielsweise die Familie lebt."

Miete, Heizung, Strom und andere Nebenkosten - bis zum vergangenen April konnten Beschäftigte mit doppelter Haushaltsführung höchstens 1.000 Euro ihrer monatlichen Unterhaltskosten steuerlich absetzen. Was sich seitdem geändert hat, erläutert Anke Pfeilsticker vom Lohnsteuerhilfeverein der Vereinigten Lohnsteuerhilfe:

"Bisher war es so, dass die notwendigen Einrichtungsgegenstände, zum Beispiel Küche, Bett, Schrank, Stühle, Tisch etc. in der Maximalsumme von 1.000 Euro im Monat integriert waren. Die sind zukünftig zu diesen 1.000 Euro zusätzlich absetzbar."

Alle Belege aufbewahren - zum Teil bis zu 13 Jahre

Voraussetzung dafür ist, dass alle Belege gesammelt, dem Finanzamt vorgelegt und aufbewahrt werden. Udo Reuß von Finanztip empfiehlt, diese Quittungen auf jeden Fall über Jahre aufzubewahren:

"Insbesondere die Unterkunftskosten, die müssen belegbar sein. Bei der Miete, den Nebenkosten ist alles relativ einfach, wird sowieso abgebucht. Aber gerade die Möbel, die werden oft über 13 Jahre abgeschrieben. Es gibt eine Grenze, geringwertige Wirtschaftsgüter heißt das. Bis 952 Euro - wenn das der Schrank gekostet hat, kann man das in einem Jahr abschreiben. Aber wenn es teurer war, muss man das über 13 Jahre verteilen, diese Kosten."

Lebensmittelpunkt am Erstwohnsitz

Wie zuvor auch müssen Beschäftigte mit doppelter Haushaltsführung nachweisen, dass ihr Lebensmittelpunkt am Erstwohnsitz liegt. Sei es, weil dort die Eltern, der Partner oder die Kinder leben oder weil jemand im Vorstand eines Vereins oder politisch aktiv ist.

Das gilt natürlich auch für Alleinstehende, sagt Anke Pfeilsticker vom Lohnsteuerhilfeverein: 

"Es gilt nicht nur für Ehegatten oder verheiratete Partnerschaften, sondern es gilt auch für Singles, für Ledige. Wichtig ist, dass man nachweisen kann: Ich habe tatsächlich am Beschäftigungsort wegen der Beschäftigung einen Zweitwohnsitz einrichten müssen."

Die finanzielle Beteiligung an der Erstwohnung muss ebenfalls nachgewiesen werden; etwa durch die Abbuchung der Miete oder anderer Ausgaben für die Wohnung.

Umzugs- und Verpflegungskosten absetzbar

Umzugskosten zum Zweitwohnsitz und die wöchentlichen Heimfahrten sind ebenfalls absetzbar. "Das bedeutet, wenn man mit dem PKW fährt, dass man die Tankbelege aufbewahrt, dass man sich Notizen macht, wann man gefahren ist, dass man Zugtickets aufbewahrt, gegebenenfalls Mitfahrgelegenheiten aufbewahrt. Solche Dinge sind immer ganz wichtig."

In den ersten drei Monaten nach dem Umzug in die Zweitwohnung zählen auch die Verpflegungskosten zu den Mehraufwendungen und können als Werbungskosten geltend gemacht werden.

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