Mittwoch, 20.01.2021
 
Seit 17:35 Uhr Kultur heute
StartseiteVerbrauchertippWem die Homeoffice-Pauschale wirklich etwas bringt30.12.2020

SteuererklärungWem die Homeoffice-Pauschale wirklich etwas bringt

Um die Ansteckungsgefahr während der Corona-Pandemie zu mindern, haben viele Arbeitgeber ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Doch Heimarbeit ist auch mit höheren Strom- und Heizkosten verbunden. Die sogenannte Homeoffice-Pauschale soll entlasten. Doch wer profitiert davon wirklich?

Von Panajotis Gavrilis

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Mann arbeitet von Zuhause aus. (picture alliance/dpa/Annette Riedl)
Nur wer den ganzen Tag im Homeoffice bleibt kann diesen geltend machen (picture alliance/dpa/Annette Riedl)
Mehr zum Thema

Arbeitsversicherung für Künstlerinnen "Vorsorge für Phasen, wo es nicht so gut läuft"

Arbeiten in der Coronakrise Die Belastung steigt

Bundesfinanzminister Scholz zur Pandemiebekämpfung „Ganz schön einschneidende Maßnahmen ergriffen“

Gleichberechtigung im Beruf Was Frauenquoten für Männer bedeuten

Wer den ganzen Tag von zuhause arbeitet, kann mit der Home-Office-Pauschale darauf hoffen, am Ende weniger Steuern zahlen zu müssen. Konkret können 120 Tage à 5 Euro geltend gemacht werden, sprich 600 Euro im Jahr. 

Die Idee: Wer Zusatzkosten durchs Arbeiten zuhause hat, soll pauschal entlastet werden, so der finanzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lothar Binding.

"Man kann schon bisher zum Beispiel Schreibtisch oder PC oder so absetzen und wer ein Arbeitszimmer hat, der ist sowieso raus, der kann es auch absetzen. Es geht jetzt um die wenigen Fälle, in denen man praktisch am Küchentisch bisschen beengt arbeiten muss und zusätzlich Strom- und Wasserkosten hat. Und dafür ist diese Pauschale gedacht."

Geschäftsleute mit Programmcode und abstraktem Business Hintergrund (picture alliance/dpa) (picture alliance/dpa)Digitalisierungsdefizit "betrifft alle Bereiche"
Die Pandemie habe die Schwächen in Deutschland im Bereich der Digitalisierung offen gelegt, sagte die Geschäftsführerin der Digitalisierungsinitiative D21, Lena-Sophie Müller.

Pauschale auch für Selbstständige gedacht

Nicht nur Beschäftigte, sondern auch Selbstständige, die kein häusliches Arbeitszimmer haben, um es abzusetzen, können von der Regelung Gebrauch machen.

Die Homeoffice-Pauschale wird dabei in die bisherige Werbungskostenpauschale eingerechnet. 

Mit dieser können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Kosten bis zu 1.000 Euro geltend machen, ohne diese einzeln nachweisen zu müssen.

1.000-Euro-Marke entscheidend

Damit man nun von der Home-Office-Pauschale – maximal 600 Euro – auch tatsächlich profitiert, muss man über diese 1.000 Euro-Marke kommen, sagt die Steuerberaterin Beatrice Leißering-Bänsch von der Berliner Kanzlei "Butenschön und Partner".

"Durch den Pauschbetrag von 1.000 Euro ist es halt so, dass ich mindestens 400 Euro dann zusätzliche weitere Kosten haben müsste, um über die 1.000 Euro insgesamt mit der Home-Office-Pauschale zu kommen. Entweder komme ich dahin durch weitere Fahrtkosten."

FFP2-Masken (imago) (imago)Warum die Coronakrise ein Umdenken erfordert
Corona ist ein Stresstest für unsere Gesellschaft. Die Pandemie hat globale Abhängigkeiten überdeutlich gemacht. Und sie provoziert neue Weichenstellungen für die Zukunft, die tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen.

Oder ich erreiche die 1.000-Euro-Marke, wenn ich mir einen Drucker anschaffe, einen Laptop kaufe oder einen Bürostuhl, sofern der Arbeitgeber die Kosten nicht übernimmt.

Am Ende profitieren aber nur diejenigen, die mit ihren Werbungkosten inklusive Home-Office-Pauschale über 1.000 Euro kommen. 

Bei allen anderen hat die Regelung keinen Effekt.

Aenne Riesenberg, Steuer-Expertin bei "Finanztest" der Stiftung Warentest mit einem Rechen-Beispiel: 

"Selbst, wenn ich über die 1.000 Euro komme, dann wirken sich ja erst die Posten über den 1.000 Euro aus. Wenn ich auf 1.500 Euro komme, dann wirken sich für mich steuermindernd die 500 Euro aus."

Finanzämter werden nicht zwingend Nachweise verlangen. Es ist aber ratsam, sich eine Bestätigung vom Arbeitgeber zu besorgen.

Ob mit oder Schreiben, man sollte sich ohnehin immer im Kalender notieren, wenn man zuhause geblieben ist.

Um die Home-Office-Pauschale auch nutzen zu können, muss ich ausschließlich von zuhause aus gearbeitet haben. 

Fahre ich zum Beispiel morgens kurz ins Büro oder zu einem Termin, kann ich mir die Tagespauschale von fünf Euro nicht anrechnen lassen.

Pauschale zunächst nur für 2020 und 2021 anwendbar

Beides, also Entfernungspauschale und Home-Office-Pauschale angeben für einen Tag, funktioniert also nicht. Und: Wer mehr als 17 Kilometer zur Arbeit fährt, kann durch die Entfernungspauschale für Arbeitstage im Büro mehr absetzen als durch die Home-Office-Pauschale für Arbeitstage im eigenen Heim. 

Doch die Steuerberaterin Leißering-Bänsch warnt: "Ich kann nicht sagen, ich bin ins Büro gefahren, obwohl ich im Home-Office gearbeitet habe, weil die Pendlerpauschale für mich steuerlich günstiger wäre – so einfach geht’s halt nicht. Das wäre kritisch betrachtet tatsächlich Steuerhinterziehung."

Wie viele Menschen von dieser Regelung tatsächlich profitieren werden ist aktuell noch unklar. Die Home-Office-Pauschale ist zeitlich auf zwei Jahre befristet. Sie kann bei der Steuererklärung für 2020 und 2021 berücksichtigt werden.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk