Kommentare und Themen der Woche 13.07.2020

Stiftung Preußischer KulturbesitzNeuordnung mit politischem WiderspruchVon Stefan Koldehoff

Beitrag hören 13.07.2020, Berlin: Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, hält nach einer Pressekonferenz des Wissenschaftsrats zur Zukunft der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) die Strukturempfehlungen zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Nach zweijähriger Evaluation der Stiftung hat der Wissenschaftsrat die Auflösung der Dachorganisation von staatlichen Museen, Bibliotheken und Instituten vorgeschlagen. Foto: Christoph Soeder/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance/Christoph Soeder/dpa)Strukturempfehlungen zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Nach zweijähriger Evaluation hat der Wissenschaftsrat die Auflösung der Stiftung vorgeschlagen (picture alliance/Christoph Soeder/dpa)

Der Wissenschaftsrat empfiehlt die Auflösung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK). Sie soll in kleinere Einheiten zerlegt werden. Der Reformprozess werde nicht nur politischen Widerspruch hervorrufen, sondern auch Fragen nach der künftigen Finanzierung provozieren, kommentiert Stefan Koldehoff.

Die Analyse ist umfassend – und an einigen Stellen auch schonungslos: Vor allem den 15 Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz stellt der Wissenschaftsrat kein gutes Zeugnis aus. Die Häuser blieben – auch im internationalen Vergleich – weit hinter ihren Möglichkeiten zurück: in der Außenwirkung, aber auch im Hinblick auf ihre Bildungsaufgaben. Die Gründe dafür benennt das Gremium nach zweijähriger Analyse ebenfalls: tief gestaffelte Hierarchien, unklare Entscheidungs- und Verantwortlichkeitsstrukturen – vor allem aber zu wenig Geld und zu wenig Personal. Konkrete Namen von Personen, die man im Zusammenhang mit Verantwortlichkeiten, verschobenen Entscheidungen und verpassten Gelegenheiten auch hätte nennen müssen, sucht man in dem Papier allerdings vergeblich.

Kulturstaatsministerin kann zufrieden sein

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte den Prüfauftrag für die SPK, an deren Trägheit etwa in Sachen Digitalisierung es schon lange Kritik gab, in den aktuellen Koalitionsvertrag schreiben lassen. Sie kann heute zufrieden sein: Eine Auflösung der größten deutschen Kultureinrichtung bedeutet für die 1957 gegründete Stiftung auch einen erheblichen Verlust an Macht und politischem Einfluss – und für Grütters weniger Konkurrenz in kulturpolitischen Fragen. Dass es zwischen der selbstbewussten Politikerin und der SPK in der Vergangenheit immer wieder geknirscht hat, zeigt nicht nur das umstrittene Mammutprojekt Humboldt-Forum, für das es immer noch kein überzeugendes Konzept gibt. "Zum Teil ernüchternd" nannte Grütters heute die Analyse des Wissenschaftsrats. Dessen Erkenntnisse könnten die Träger der SPK nicht zufrieden stellen.

Führungsrolle im künftigen Reformprozess

Grütters hat heute sofort klargemacht, dass sie die Führungsrolle im kommenden Reformprozess beansprucht, der mit der Auflösung der riesigen Stiftung und ihre Zerteilung in kleinere Einheiten enden wird. Die Länder will sie aus der Beteiligung zur Finanzierung ganz entlassen. Alle Institutionen, die nicht zu den Berliner Museen gehören, sollen direkt Grütters‘ Behörde zugeordnet werden. All das wird – Kulturhoheit der Länder im föderalen Staat – politischen Widerspruch hervorrufen – und auch andere Fragen provozieren: nach der künftigen Finanzierung zum Beispiel. Denn Sinn hat die vorgeschlagene Riesenreform nur, das haben heute alle Beteiligten immer wieder betont, wenn es mehr Geld und mehr Stellen gibt. Wird angesichts der aktuellen Lage dazu aber die Politik bereit sein?

Stefan Koldehoff (Deutschlandradio)Stefan Koldehoff (Deutschlandradio)Stefan Koldehoff, geboren 1967 in Wuppertal, studierte Kunstgeschichte, Politikwissenschaften und Germanistik und arbeitete als freier Journalist unter anderem für "taz", "FAZ" und "Die Zei"t. Seit 2001 ist er Redakteur in der Hauptabteilung Kultur des Deutschlandfunks.

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