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StartseiteVerbrauchertippAuf der Suche nach dem passenden Pflegeheim09.09.2019

Stiftung WarentestAuf der Suche nach dem passenden Pflegeheim

Der Umzug aus den eigenen vier Wänden in ein Pflegeheim ist für Betroffene und auch deren Angehörige ein schwerer Schritt. Viele haben Angst davor, ein bisher eigenständiges Leben aufgeben zu müssen. Die Stiftung Warentest zeigt, was bei der Suche nach einem Pflegeheim wichtig ist.

Von Dieter Nürnberger

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Nicht immer gewaltfrei ist das Verhältnis von Pflegekräften und Bewohnern eines Heims. (dpa / picture alliance / Markus Scholz)
Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollten Heime in der engeren Wahl unbedingt besichtigen (dpa / picture alliance / Markus Scholz)
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Der vielleicht wichtigste Tipp ist oft nur schwer umsetzbar. Natürlich sollten sich Betroffene und Angehörige bei der Suche nach einem Pflegeheim Zeit nehmen und sich umfassend informieren, rät die Stiftung Warentest. Doch nicht selten stehen Angehörige auch unter Druck, weil ein Mensch beispielsweise recht schnell oder sofort eine vollstationäre Pflege und Versorgung benötigt.

In solchen Fällen kann ein vorübergehender Aufenthalt in einer Kurzzeitpflege sinnvoll sein, sagt Warentesterin Eugenie Zobel. Die Angehörigen haben dann mehr Zeit für die Suche:   

"Ist Ihr Angehöriger im Krankenhaus, dann ist der Sozialdienst vor Ort der beste Ansprechpartner. Ist der Angehörige noch zu Hause, dann ist es ratsam, die Pflegekasse einzuschalten und dort nachzufragen - oder auch bei einem Pflegestützpunkt vor Ort. Das sind ja von den Kassen und Kommunen eingerichtete Beratungsstellen. Diese aufzusuchen, das können wir in jedem Fall immer empfehlen für den ersten Schritt."

Portale im Netz helfen bei Suche

Oft können auch Bekannte und Freunde oder auch der Hausarzt Erfahrungen oder Empfehlungen geben. Und bei der Recherche gibt es natürlich auch im Internet wertvolle Tipps. Zu den ersten Fragen, die sich Pflegende und Angehörige stellen sollten, gehört die nach Lage oder Umfeld der Pflegeinrichtung. Einige Portale im Netz bieten hier Filtermöglichkeiten bei der Suche an.   

"Zum Beispiel 'Heimverzeichnis.de' oder auch der 'AOK-Pflegenavigator'. Die Kassen haben da verschiedene Angebote und dort können Sie nach Ihren Präferenzen filtern - also soll es in der Wohnortnähe sein, ist eine bestimmte Ausstattung wichtig. So dass man im Grunde auch das bekommt, was man möchte. Etwa auch eine Demenzspezialisierung."

Der nächste Schritt: Die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen sollten Heime in der engeren Wahl unbedingt besichtigen. Das geht - um einen ersten Eindruck zu bekommen - auch unangemeldet. Auf vielen Internetseiten gibt es zudem auch Bewertungen oder sogenannte Pflegenoten. Etwa beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen, so Eugenie Zobel: 

"Diese Noten sind aber recht umstritten. Weil sie nicht die praktische Pflege bewerten, sondern die Pflegedokumentation in Einrichtungen oder auch von ambulanten Pflegediensten. Das ganze System soll jetzt umgestellt werden. Wir erwarten eigentlich, dass es bis Ende 2019 dann auch ein neues Bewertungssystem gibt, worauf sich die Menschen wirklich besser verlassen können."

Durchschnittsbetrag von rund 2.000 Euro pro Monat

Bei Führungen durch die Pflegeheime sollten vorab erstellte Checklisten mitgebracht werden, Gespräche mit der Heimleitung, dem Pflegepersonal und natürlich mit Bewohnern sind sinnvoll.

Je nach Pflegegrad beteiligt sich die Pflegekasse an den Pflegekosten mit einem monatlichen Zuschuss. Doch kostet ein Heimplatz natürlich deutlich mehr. Die Stiftung Warentest spricht von einem bundesweiten Durchschnittsbetrag von rund 2.000 Euro - allein für die Unterbringung, ohne anteilige Pflegekosten.

"Kosten für Unterkunft, für Verpflegung; es kann eine Ausbildungszulage geben. Es kann Investitionskosten geben. Und das Pflegeheim muss diese Kosten transparent machen. Sie müssen es erkennen können, welche Kosten auf Sie zukommen."

Und bevor der Vertrag für ein Heim unterschrieben wird, sollte auch dessen Gestaltung überprüft werden. Die Stiftung Warentest empfiehlt dafür die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen - im Internet zu finden unter "biva.de". Die juristische Vertragsprüfung kostet 60 Euro.

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