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StartseiteVerbrauchertippBeratung der Bausparkassen - "eher ein Armutszeugnis"10.12.2019

Stiftung WarentestBeratung der Bausparkassen - "eher ein Armutszeugnis"

Wer sich in einigen Jahren eine Immobilie kaufen möchte, hat mit einem Bausparvertrag die Möglichkeit, sich einen Kredit zu den aktuell sehr niedrigen Zinsen zu sichern. Doch wer sich dabei nur auf die Beratung der Bausparkassen verlässt, kann böse Überraschungen erleben.

Von Philip Banse

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ARCHIV - Mehrere Häuser im Rohbau stehen am 06.02.2017 in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) in einem neuen Wohnviertel. (zu dpa: «Streit um Bauspar-Altverträge: BGH soll Machtwort sprechen» vom 19.02.2017) Foto: Felix Kästle/dpa | Verwendung weltweit (dpa / Felix Kästle)
Mit einem Bausparvertrag wollen viele sich den Traum vom Eigenheim ermöglichen, doch viele Verträge müssen sehr gründlich geprüft werden. (dpa / Felix Kästle)
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Ein Frau will sich in zehn Jahren eine Immobilien kaufen und kann dafür heute monatlich 400 Euro sparen. Die Landesbausparkasse West macht ihr ein Angebot für einen Bausparvertrag: Am Ende soll die Frau 300.000 für ihre Immobilie bekommen. Einen Teil davon spart sie jetzt monatlich an, den Rest gibt es als Kredit zu garantierten 1,75 Prozent.

Das Problem: Damit die Bausparkasse der Frau die 300.000 gibt, muss sie einen Mindestbetrag angespart haben. Mit ihren 400 pro Monat klappt das aber nicht. Das bedeutet: Wenn die Frau sich in zehn Jahren die Immobilien kaufen will, würde die Bausparkasse ihr kein Geld geben. Denn um den Mindestbetrag anzuhäufen, müsste sie noch 15 weitere Jahre sparen.

Vertrag auf die Ziele des Bausparers anpassen

"Man muss sagen: Bausparen lohnt sich natürlich nur, wenn der Vertrag auch auf die Ziele des Bausparers angepasst ist, wenn die Bausparsumme, die Sparrate und der Tarif stimmen. Und daran scheitern eben viele Berater im Test," sagt Jörg Sahr von der Zeitschrift "Finanztest", die auch jene Frau als Testperson zur LBS West geschickt hatte. Finanztest hat auf diese Weise 16 Bausparkassen getestet.

"Insgesamt ist das Ergebnis relativ schlecht, muss man sagen. Einzig die Landesbausparkasse Schleswig-Holstein Hamburg erzielte gerade noch ein gut, drei Bausparkassen mussten wir mit mangelhaft bewerten, der Rest ist befriedigend und zum großen Teil lediglich ausreichend. Für die Branche eigentlich eher ein Armutszeugnis."

Dabei hätten viele Bausparkassen durchaus attraktive Tarife - die wurden von den Beratern jedoch fast nie empfohlen und völlig falsch zusammengestellt. Einer Frau, die in zehn Jahre eine Immobilie kaufen möchte und 400 Euro im Monat sparen kann, sollten Berater Bausparverträge über gut 100.000 Euro verkaufen, nicht aber über 300.000, weil die in zehn Jahren nicht bereitstehen werden.

Bausparkasse kann Vertrag kündigen

Dann wurden den Test-Sparern Tarife Angeboten, bei denen der Kredit zwar niedrig verzinst ist, aber in Rekordzeit zurückgezahlt werden muss - was zu Monatsraten von 2.000 Euro geführt hätte. Besonders perfide: In den Tarifbedingungen zu den Bausparverträgen ist oft ein so genannter "Regelsparbeitrag" festgelegt, also was der Sparer, die Sparerin so im Monat einzahlen sollte.

Wird im Bausparvertrag jedoch vereinbart, dass monatlich weniger als dieser Regelsparbeitrag eingezahlt wird, kann die Bausparkasse Jahre später, womöglich vor der Auszahlung hohe Einmalzahlungen fordern. Und wenn die nicht bezahlt werden können, kann die Bausparkasse den Vertrag auch kündigen.

Verbraucherzentralen um Rat fragen

Ähnliches gilt, wenn monatlich mehr angespart wird als den "Regelsparbetrag". Dann kann die Bausparkasse - obwohl vertraglich festgeschrieben - solche Monatszahlungen irgendwann einfach ablehnen und den Vertrag kündigen. Passiert sowas kurz bevor man eine Immobilie kaufen will, braucht man einen guten Plan B.

"Dennoch war es so, dass in drei Viertel aller Sparpläne, die empfohlen worden sind, die tatsächlichen Sparbeiträge deutlich vom Regelsparbeitrag abwichen, ohne dass die Berater irgendwie erwähnt hätten, dass es da Einschränkungen in den Tarifbedingungen gibt."

Jörg Sahr von der Finanztest rät, sich auf Beratungsgespräche gut vorzubereiten: Monatliche Sparrate, Bausparsumme, Lauzeiten, Tilgung - alles sollte schriftlich festalten werden. Außerdem sollten Interessenten sich von den Verbraucherzentralen beraten lassen und den Bauspartarif-Vergleich von Finanztest konsultieren.

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