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StartseiteVerbrauchertippGütesiegel für Onlineshops wenig aussagekräftig19.11.2019

Stiftung WarentestGütesiegel für Onlineshops wenig aussagekräftig

Die Aussagekraft von Gütsiegeln für Onlineshops ist in den besten Fällen lediglich mittelmäßig, ansonsten sogar oft niedrig, so das Ergebnis der Stiftung Warentest. Kunden sollten daher beim Einkauf im Netz weiterhin vorsichtig sein - auch wenn ein Shop mit Gütesiegeln wirbt.

Von Dieter Nürnberger

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Symbolbild Onlineshopping: Eine Frau aus der Aufsicht fotografiert sitzt auf dem Boden mit einer Tasse Kaffee und hält ein Tablet mit einem Warenkorbsymbol in der Hand. (imago / STPP)
Gütesiegel sollen das Einkaufen im Netz sicher machen - werden aber teilweise ohne gründliche Prüfungen vergeben (imago / STPP)
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Eines gleich vorweg - Gütesiegel für Onlineshops sind keine unabhängigen Prüfzeichen. Sie werden vielmehr von Dienstleistungsunternehmen vergeben, die damit Geld verdienen. Einige Siegel sind auch an die Mitgliedschaft in einem Verband oder Verein geknüpft, etwa dem Bundesverband E-commerce oder dem Versandhandel. Wenn ein Onlineshop ein Siegel auf der eigenen Homepage verwenden will, muss er bestimmte Kriterien erfüllen und auch zahlen, sagt Warentesterin Simone Vintz.

"Man fragt dort an und bekommt die Kriterien. Die Preise sind unterschiedlich. Das reicht von 200 Euro bis auch etwa 4.000 Euro oder mehr. Das richtet sich dann auch nach dem Umsatz des Shops."

Kundenvertrauen soll gestärkt werden

Die Siegel versprechen nicht nur Sicherheitsstandards beim Online-Shopping, wie etwa eine bestimmte Verschlüsselung der Daten. Sie bieten in der Regel auch eine Beschwerdemöglichkeit, wenn ein Einkauf mal schlecht lief. All das soll das Kundenvertrauen stärken.

Die Untersuchung begann mit einer Manipulation: Ein bereits existierender kleiner Onlineshop bewarb sich bei im Netz weit verbreiteten Gütesiegeln. Allerdings wurden durch die Warentester von vornherein Mängel oder Fehler eingebaut: In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder der Sicherheitstechnik.

"Da haben wir technische Sicherheitslücken eingebaut - also keine Standard-Verschlüsselung, sondern schlechter. Und wir haben auch Sicherheitslücken gelassen, so dass Hacker ganz leicht Schadsoftware in den Shop hätten einschleusen können."

Viele Sicherheitslücken nicht erkannt

Vier Siegelanbieter prüften dann den Onlineshop. Doch bei weitem nicht alle der manipulierten Schwachstellen wurden erkannt und behoben. Simone Vintz:

"Die Anbieter waren sich über die Fehler auch gar nicht so einig. Da wurden beispielsweise Sachen kritisiert, auf die nur der eine aufmerksam machte, der andere wiederum nicht. Uns fiel zudem noch auf, dass es ein Siegel gibt, da ist es so, dass ich eine Liste bekomme mit den Defiziten, von den Sachen also, die ich als Betreiber machen müsste. Aber ich bekomme auch gleich das Siegel mit dazu - das heißt, ich müsste die Mängel gar nicht abstellen."

Passiert beim Siegel "Geprüfter Webshop" des Unternehmens "Tisko Consulting". Einigermaßen umfassend prüften nur zwei Gütesiegel: Zum einen "Trusted Shops", zum anderen der "TÜV Süd". Letzterer untersuchte als einziger auch die technische Sicherheit des Onlineshops.

Impressum anschauen und Siegel prüfen

"Trusted shops" bietet zudem einen kostenlosen Käuferschutz bis 100 Euro Kaufsumme an. Dafür müssen sich die Kunden leidglich anmelden. Gegen eine Jahresgebühr von 9,90 Euro lässt sich der Schutz auf 20.000 Euro erweitern. Kommt etwa die gekaufte Ware nicht an, zahlt "Trusted Shops" das Geld an den Kunden zurück. Darüber könne man nachdenken, sagt Warentesterin Simone Vintz.

Dennoch: Die Aussagekraft der vier untersuchten Gütesiegel für Onlineshops sei in den beiden besten Fällen lediglich "mittel" - wie es die Stiftung Warentest formuliert. Ansonsten sogar eher "niedrig". Weshalb beim Online-Shopping stets auch der Kunde selbst weiterhin vorsichtig sein sollte.

"Wenn ich den Shop nicht kenne, dann sollte ich mir auf jeden Fall das Impressum anschauen. Ich sollte mir die Zahlungsmöglichkeiten angucken und keine Vorkasse leisten. Wenn Sie Shops mit einem Siegel finden, dann klicken Sie auf das Siegel! Sie sollten nämlich dann auf der Webseite des Siegelgebers landen - also beispielsweise bei "Trusted Shops" oder beim "TÜV". Betrügerische Shops machen es nämlich so, dass sie das Siegel nur als Bild reinpacken. Das sind dann die Shops, die überhaupt kein Siegel erworben haben."

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