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StartseiteVerbrauchertippTropenholz in Grillkohle entdeckt22.05.2019

Stiftung WarentestTropenholz in Grillkohle entdeckt

In mehreren Grillkohle-Produkten hat die Stiftung Warentest Tropenholz gefunden. Einer der getesteten Artikel hatte sogar ein FSC-Zertifikat, das für nachhaltigen Holzanbau steht. Insgesamt sei die Branche sehr intransparent, so das Urteil.

Von Dieter Nürnberger

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Glühende Grillkohle  (picture alliance / dpa / imageBROKER / Mario Hösel)
In 5 von 17 Grillkohle-Produkten konnte Tropenholz nachgewiesen werden (picture alliance / dpa / imageBROKER / Mario Hösel)
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Holzkohle unterm Mikroskop Grillvergnügen ohne Tropenholz

Umweltexperten sprechen längst von einem ökologischen Wahnsinn: Besonders in Südamerika werden riesige Flächen tropischen Regenwaldes für Getreideanbau und Viehzucht gerodet. So wird nicht nur Natur zerstört, auch aus Klimaschutzgründen ist die Entwicklung fatal, da Wälder bekanntlich das Treibhausgas CO2 speichern können. Weshalb bereits seit 2012 illegal geschlagenes Tropenholz eigentlich nicht mehr nach Europa eingeführt werden darf. Eigentlich - betont Claudia Till von der Stiftung Warentest.

"Normalerweise gilt die europäische Holzhandelsverordnung, die verhindern soll, dass illegales Holz auf den deutschen Markt gelangt. Es gibt allerdings Ausnahmen und dazu zählt eben auch die Holzkohle. Konkret: Es wird nicht klar, aus welchen Regionen das Holz wirklich kommt. Deshalb gibt es ein sehr hohes Risiko, dass das Holz auch illegal geschlagen wurde."

Intransparente Branche

17 Grillholzkohlen, die in handelsüblichen Hartpapiersäcken verkauft werden, wurden deshalb ins Labor geschickt. Vorausgegangen waren Anfragen bei den Herstellern. Denn die Deklaration auf mehr als der Hälfte der untersuchten Grillkohle-Säcke gab weder die Holzart, noch das Ursprungsland an.

"Einige Anbieter haben gar nicht geantwortet. Andere haben schwammig geantwortet. Wir hatten die Hersteller auch gefragt, was sie tun, um Raubbau zu vermeiden, ob sie dafür Belege haben. Die hat uns so gut wie niemand geschickt. Also: Das ist eine Branche, die sich sehr intransparent gibt."

Überraschend: Zehn Hersteller verwenden sogar ein Siegel - die meisten ein FSC-Zertifikat, welches bescheinigen soll, dass nur nachhaltig gewonnenes Holz aus gemäßigten Breiten verwendet wird. FSC steht für Forest Stewardship Council. In den meisten Fällen konnte die Holzanalyse im Labor die Zertifikatsangaben bestätigen, doch Warentesterin Claudia Till macht eine Einschränkung.

"Wir haben beispielsweise in unserem Test ein Produkt dabei gehabt, welches ein FSC-Siegel hatte. Es wies die Holzkohle als nachhaltig aus, zudem aus heimischen Hölzern. Im Sack gefunden haben wir aber ausschließlich Tropenholz."

Kunden können nachhaltige Produkte schwer erkennen

In fünf von 17 Grillkohle-Produkten konnte Tropenholz nachgewiesen werden. Trotz des aufgedeckten Betrugsfalls beim FSC-Siegel empfiehlt die Stiftung Warentest weiterhin auf ein Zertifikat zu achten. Der FSC führt die Falschangaben beim Produkt "Max Grill & Barbecue" auf einen Lieferanten zurück, dem das Siegel aufgrund von ähnlichen Tricksereien bereits entzogen worden sei. Es hätte nicht verkauft werden dürfen.

Es gibt noch weitere Zertifikate: PEFC ist eines der gewerblichen Forstwirtschaft, es gilt allerdings als weniger nachhaltig, zudem werden hier keine Holzarten erfasst. Recht selten und fast ausschließlich in Bioläden wird derzeit Grillkohle mit dem Naturland-Siegel verkauft.

Fazit: Wenig Transparenz der Hersteller macht es dem Kunden nicht einfach, beim Kauf der Grillkohle auf Nachhaltigkeit zu achten. Nur wenige Anbieter erfüllten die Kriterien der Stiftung Warentest. Claudia Till: 

"Beispielsweise die Buchengrillholzkohle von "Pro Fagus". Die wird komplett in Deutschland hergestellt und das Holz stammt fast ausschließlich aus deutschen Wäldern. Und dann haben wir noch das Produkt von "Flammenco". Dort wird namibische Kohle verwendet. Die Kohle stammt aus einem Projekt, das die Verbuschung Namibias verhindern soll. Dort werden Büsche zu Holzkohle verarbeitet. Das gibt der Hersteller auch an und das ist ein Projekt, welches man durchaus unterstützen kann."

Die Untersuchung zeigt auch, dass derzeit recht viel Holz aus der Ukraine verarbeitet werde. Jedoch seien auch dort Korruption und illegaler Holzeinschlag verbreitet, so die Stiftung Warentest.

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