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StartseiteVerbrauchertippPorno-Werbung und Nazi-Parolen in Kinder-Apps25.09.2019

Stiftung Warentest warntPorno-Werbung und Nazi-Parolen in Kinder-Apps

Die Stiftung Warentest hat Spiele-Apps für Kinder unter zwölf Jahren untersucht und kam zu dem Ergebnis: Sie sind alles andere als kindgerecht. In einigen Spielen gab es Verweise auf Porno-Webseiten, in anderen gab es Figuren mit dem Namen "Sieg Heil". Die Tester fanden außerdem einige Kostenfallen.

Von Dieter Nürnberger

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Ein fünfjähriger Junge spielt in seinem unaufgeräumten Kinderzimmer auf einem iPhone ein Computerspiel.  (picture alliance / dpa / Jens Kalene)
Das Fazit der Stiftung Warentest: Die untersuchten Apps für Kinder und Jugendliche sind ein riskantes Spiel (picture alliance / dpa / Jens Kalene)
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Knallbunt, meist als Comic- oder Cartoon-Animation, und natürlich viel Action - Spiele-Apps haben längst ihren Siegeszug angetreten. Beliebt bei Kindern und Jugendlichen. In der Untersuchung wurden nur solche Apps getestet, die eine Altersempfehlung bis zu zwölf Jahren hatten. Sandra Schwarz von der Stiftung Warentest.

"Das waren Spiele-Apps, die bekannt und populär sind, beispielsweise "Brawlstars" oder "Fortnite", da wird auch schon mal geschossen zum Beispiel. Aber es waren auch scheinbar harmlose Apps dabei wie "Angry Birds" oder "Candy Crush" - also eine breite Palette an Spielen, die so ein bisschen zum Zeitvertreib gedacht sind."

Kein Spiel erhält eine Empfehlung

Doch eines gleich vorweg: Eine Empfehlung konnte keine der 14 untersuchten Spiele-Apps erhalten. Sie seien alles andere als kindgerecht. Zum einen, weil die oft kostenlosen Apps mit teilweise bedenklicher Werbung arbeiten, zum anderen, weil sich herausstellte, dass zumindest einige Mitspieler verstörende Namen verwendeten - ohne, dass dies von den App-Betreibern ausreichend unterbunden werde.

"Wir haben da Spieler gefunden, die "Sieg Heil" heißen. Es gab auch welche, die haben dann offen auf Porno-Webseiten verwiesen. Hier könnten Kinder die entsprechende Webseite vielleicht googeln. Ebenso unschön: In einer App, die eigentlich für Kinder ab 6 Jahren ausgelobt ist, haben wir Werbung für ein Ego-Shooter-Spiel eingeblendet bekommen. Ein Spiel, welches eigentlich erst für Spieler ab 18 Jahren gedacht ist, wo unablässig Menschen erschossen werden."

In vielen Spielen lauern Kostenfallen

Doch damit nicht genug: Auch wenn die Spiele beim Herunterladen kostenlos sind, gibt es Kostenfallen, die im Verlauf des Spieles lauern. Es geht um sogenannte In-App-Käufe, bei denen bestimmte Dienste oder Inhalte für das Spiel hinzugekauft werden können.

"Die bieten Extras an, beispielsweise Rohstoffe, um im Spiel weiterzukommen. Oder auch Kostüme für irgendwelche Figuren im Spiel. Und manchmal ist es tatsächlich so, dass man nur noch so mühsam vorankommt, wenn man sich nicht entschließt, zu kaufen. Und dann ist der Frustfaktor natürlich groß und dann haben die Kinder auch irgendwo das Gefühl, Geld auszugeben."

So kosteten beispielsweise virtuelle Edelsteine bei der App "Angry Birds 2" über 100 Euro. Dieser Abzocke über In-App-Käufe sollte von vornherein ein Riegel vorschoben werden, rät Sandra Schwarz:

"Die In-App-Käufe lassen sich zum Beispiel direkt auch in den App-Stores deaktivieren. Dann geht man in die Einstellungen, da gibt es den Punkt In-App-Käufe. Da kann man schon von vornherein ausschließen, dass man dort Käufe tätigen kann."

Mängel beim Datenschutz

Auch beim Datenschutz gab es viele Mängel. Nicht angemessen, so das Urteil der Warentester. So übertragen die meisten Apps mehr Nutzerdaten, als zum Funktionieren des Spiels notwendig sind. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, wenn überhaupt vorhanden, wurde zudem das Recht auf eine Privatsphäre oft von vornherein rigoros ausgeschlossen.

Fazit der Stiftung Warentest: Die untersuchten Apps für Kinder und Jugendliche sind ein riskantes Spiel. Allerdings weiß Sandra Schwarz auch, dass ein Totalverzicht, angeordnet durch die Eltern, wohl keine Lösung ist. Sie sollten aber konsequent hinschauen, was da von den Jüngsten gespielt wird.

"Immer mal wieder - so einmal die Woche - sich mal zusammen hinsetzen, auch mal einen Blick über die Schulter werfen. Ist das ok, was das Kind da spielt? Auch mal beim Kind nachfragen, wie die Mitspieler heißen. Auch mal nach eingeblendeter Werbung fragen, die irgendwie komisch ist. Also immer viel reden, es ist am allerwichtigsten, dass sich Kinder und Eltern austauschen." 

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